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Technologiekonzern

Mit Denkerzelle, Lounge und Graffitis

Am Bosch-Standort in Schwieberdingen entfaltet sich eine neue und kreative Arbeitswelt – Bekenntnis zum Verbrennungsmotor

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Den Standortverantwortlichen Hans Hoffmann (links) und Thomas Pauer gefällt es gut in der Küchenzeile im neuen Loungebereich. Bei Bosch in Schwieberdingen wird den Mitarbeiten eine ansprechende Umgebung geboten. Foto: Oliver Bürkle

Schwieberdingen. Die zahlreichen Büros im neuen Bosch-Hochhaus in Schwieberdingen sind durch Glaswände getrennt. In einem schick eingerichteten Loungebereich mit einer hochmodern ausgestatteten Küchenzeile sitzen Beschäftigte an ihren Laptops. Gleich nebenan in der Denkerzelle, einer Art Glasbox für maximal drei Personen, telefoniert ein Mitarbeiter. Die Büroräume heißen Mars, Venus oder Merkur. Die Botschaft ist eindeutig: Bosch strebt nach den Sternen – den technologischen, versteht sich.

Die neue Arbeitswelt mit Wow-Effekt und ganz viel Kreativität wird von den Standortverantwortlichen Hans Hoffmann und Thomas Pauer mit Freude präsentiert. Besonders stolz sind sie auf die im Mai eröffnete Kickstarteretage im neugestalteten Schwieberdinger Bosch-Campus. Dort herrscht lockere Start-up-Atmosphäre. Die Einrichtung besteht aus Schreibtischen auf Rollen, Liegestühlen und rustikalen Werkbänken. Graffitis sind an den Wänden, die zudem mit zahlreichen Notizzetteln bestückt sind. Chinaballons sorgen für die Beleuchtung.

Auf der Kickstarteretage befindet sich das Kreativitätszentrum des Bosch-Entwicklungsstandorts, dem mit Abstand größten von weltweit 30. Hier sollen Ideen umgesetzt werden hin zu einer zukunftsfähigen Antriebstechnologie. Der für den technischen Bereich zuständige Standortverantwortliche Thomas Pauer ist zuversichtlich, dass das klappt. „Wir glauben fest daran, dass der Verbrennungsmotor eine Zukunft hat und auch nahezu emissionsfrei fährt“, sagt Pauer. Jetzt komme es darauf an, der Vielzahl der Antriebe einen Schub in Richtung Elektromobilität zu geben. Diese Entwicklungsleistung solle am Bosch-Standort in Schwieberdingen vollbracht werden. „Es wird nie mehr die einfache Welt der zwei Antriebe geben“, betont Pauer im Blick auf die Debatte um Diesel- und Benzinmotore.

Zum Bosch-Standort in Schwieberdingen gehören derzeit 6400 Mitarbeiter, einschließlich der Beschäftigten an den Standorten in der Ludwigsburger Schwieberdinger Straße und in Tamm. Davon sind mehr als die Hälfte Naturwissenschaftler und Ingenieure. Im vergangenen Jahr waren es noch 6000 Beschäftigte. Das Plus von 400 Mitarbeitern kommt durch den Zuzug aus anderen Bosch-Standorten zustande. „Die Zahl von 6400 Mitarbeitern wird in naher Zukunft stabil bleiben“, sagt Hans Hoffmann, der Standortverantwortliche für den Personalbereich.„Die Bosch-Gruppe hat sich ordentlich entwickelt und hat ein schönes Wachstum“, sagt er. Für das zweite Halbjahr zeigt sich Hoffmann in seiner Einschätzung aber deutlich vorsichtiger. Der Grund seien große Unsicherheiten wie etwa der Brexit.

In Schwieberdingen befindet sich der Hauptsitz des Bosch-Geschäftsbereichs Gasoline Systems, der unter anderem für die Entwicklung der Antriebstechnik für Hybrid- und Elektrofahrzeuge verantwortlich ist. Die Auftragsbücher in dieser Sparte seien gut gefüllt, berichtet Hoffmann. Weitere Geschäftsbereiche sind Automotive Electronics, in dem elektronische Systeme für Diesel-, Benzin- und Elektromotore entwickelt werden, und die Sparte Chassis Systems Control, deren Arbeit sich darauf konzentriert, sicheres Fahren zu ermöglichen.

Zu dem Thema einer möglichen Verstrickung von Bosch in der Abgasaffäre und zu Kartellvorwürfen will man am Schwieberdinger Standort nichts sagen. Nur so viel: Es sei zu erkennen, dass Negativschlagenzeilen über Bosch die Mitarbeiter beschäftigen. Es werde von Seiten des Unternehmens entsprechend darauf reagiert. Wegen noch ungeklärter Details und der juristischen Komplexität des Themas wolle Bosch sich dazu nicht öffentlich äußern.