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Fliegerfest

Mit Jodel und Gleitschirm am Himmel

Die einen betrachteten Pleidelsheim aus der Vogelperspektive, die anderen das Geschehen in der Luft aus der Froschperspektive: Begeistert waren alle gleichermaßen vom Fliegerfest.

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Ob mit Motor oder ohne: Alles, was fliegen kann, zog am Wochenende die Besucher des Fliegerfestes in den Bann.Fotos: Oliver Bürkle
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pleidelsheim. Das zweitägige Fliegerfest, das die Flugsportvereinigung (FSV) Pleidelsheim zur Halbzeit der Sommerferien veranstaltet, ist jedes Jahr ein Publikumsmagnet. Das galt auch für die 44. Auflage des Festes, das bei strahlendem Sonnenschein wieder unzählige Besucher anlockte.

Natürlich gab es wieder jede Menge zu sehen. Zum ersten Mal dabei war der Segelkunstflieger Jens Holnaicher aus Hayingen, der 2016 deutscher Meister in der Advanced Klasse war. Während manche Menschen schon beim Anblick von Loopings, Turns, Rollen oder der sogenannten lazy eights leichte Übelkeit verspüren, gehört dies für den tollkühnen Mann zum Fliegeralltag.

Viel Aufmerksamkeit weckte auch ein kleiner Gleitschirm, der als Hummel unter den Luftfahrzeugen gilt. Umgeschnallt wird er wie ein Rucksack, dann läuft der Flieger los. Nach einigen Metern, wenn sich das Gleitsegel aufgebläht hat, wird Gas gegeben und abgehoben. Der mit einem Rasenmähermotor betriebene Propeller dreht sich munter, bis zu 2000 Meter hoch kann man fliegen. „Man sitzt wie in einem Kettenkarussell, nur viel höher“, erzählt Daniel Vollmer, der sich freut, mit seinem Gleitschirm fast überall fliegen zu können. Eine ideale Flughöhe seien 500 Meter, da sehe man viel von der Landschaft.

Dass man zum Gleitschirmfliegen am besten hohe Wanderschuhe trägt, liegt nicht am Startlauf, sondern an der Landung. „Wenn man da in ein Loch tritt, hat man schnell einen offenen Bruch“, ist es für Vollmer eine Vorsichtsmaßnahme. Nur eins hört er nicht so gern: Den Spitznamen „Teebeutel“, mit denen Drachenflieger das kleine Fluggerät titulieren.

Nicht für eine Vorführung, sondern nur zu einem Besuch bei den Fliegerfreunden hatte sich Horst Bless in seine Jodel gesetzt, um von Kehl nach Pleidelsheim zu fliegen. „Für eine gute Bratwurst kann man schon mal 40 Minuten fliegen“, erklärte der Pilot augenzwinkernd. Gern ließ er von den Besuchern sein französisches Leichtflugzeug Baujahr 1961 bewundern. „Flieger brauchen immer ein Ziel und gern trifft man sich bei Fliegerfesten“, freute sich Michael Beutel, Vorsitzender der FSV, über den eingeflogenen Gast.

Die Besucher konnten am Samstag und Sonntag freilich nicht nur beobachten, was am Himmel vor sich ging. Es gab auch wieder verschiedene Rundflugangebote. Man konnte im Motorsegler oder in der Cessna Platz nehmen und mit dem Tragschrauber abheben. Am Samstagabend wurden auch Fahrten in zwei Ballonen angeboten. Da sich die Ballonfahrer etwas verirrt hatten und erst gegen 23 Uhr zum Segelfluggelände zurückkehrten, musste das eigentlich geplante Ballonglühen ausfallen.

Auch eine Buchvorstellung gab es erstmals beim Pleidelsheimer Fliegerfest, nämlich die des Romans „Tausche Pumps für ein Stück Himmel“. Eine berufstätige, dreifache Mutter entdeckt das Fliegen für sich und muss fortan Familie, Beruf und Hobby unter einen Hut bringen. „Es ist eine erfundene Geschichte“, erzählte Autorin Maja Christ aus Stuttgart, die das Buch im Selbstverlag herausgegeben hat. Doch auch sie hat Kinder, Beruf und Flugschein und weiß somit aus eigener Erfahrung, worüber sie schreibt.

Mit dem Verlauf des Festes zeigte sich der Vorsitzende hochzufrieden. Glückliche Piloten und viele Gäste machten die Veranstaltung zu einem Erfolg. „Und die Flugzeuge konnten wir nachts draußen lassen, da es ganz sicher nicht regnen würde“, sah Beutel einen Vorteil des trockenen Wetters.