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Caritas

„Nächstenliebe ist eine Grundhaltung“

Katholische Kirchengemeinde hat vielfältige Angebote, um Menschen in Not zu helfen – Fördervereine der Schule werden unterstützt

Der Deutsche Caritasverband ist Dachverband der organisierten Caritas und Wohlfahrtsverband der römisch-katholischen Kirche in Deutschland. Foto: adobe stock
Der Deutsche Caritasverband ist Dachverband der organisierten Caritas und Wohlfahrtsverband der römisch-katholischen Kirche in Deutschland. Foto: adobe stock
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Großbottwar. Caritas heißt übersetzt Nächstenliebe. Insofern ist die Caritas mehr als eine Organisation. Sie ist eine Grundhaltung gegenüber Menschen, besonders gegenüber Menschen in Not. „Für uns bedeutet Caritas die Hilfe am Menschen vor Ort“, betont Gemeindereferentin Liz Porcaro. Und so vielfältig wie die Menschen, muss auch die Hilfe sein – ganz individuell. Schließlich kommen viele Menschen in Not auch direkt zur katholischen Kirchengemeinde und klingeln, wo sie schnell Hilfe bekommen sollen.

Das Handeln der christlichen Nächstenliebe sei Aufgabe jeder Gemeinde, betont Pfarrer Pius Angstenberger. Dies könne man in einem Gottesdienst ausüben, aber auch über sein Handeln. „Das ist eine Frage des Glaubens, wie wir damit umgehen, wie wir das christliche Menschenbild verwirklichen. Wir sind das Ebenbild Gottes, unabhängig von Geschlecht oder Hautfarbe“, so Angstenberger. Deshalb werden die karitativen Gelder nicht nur für Kirchenmitglieder, sondern wie bei den Samaritern für alle Menschen eingesetzt.

Im Moment braucht ein Mann aus Serbien, der hier Bleiberecht hat, Geld, um seine Partnerin zu heiraten. Diese stammt aus Mazedonien und wurde abgeschoben. Für die Hochzeit möchte der Mann nun 2000 Euro für Papiere und sonstige Bürokratie. Viel Geld. Manchmal sei es schwierig, nachzuvollziehen, ob jemand wirklich in Not ist oder versucht, die Nächstenliebe auszunutzen. Eine genaue Prüfung ist deshalb Pflicht. Wenn sich die Bittsteller in den Erzählungen widersprechen, wenn nicht alle Nachweise erbracht werden oder weitergehende Hilfen wie Schuldnerberatung abgelehnt werden, lassen die Mitarbeiter große Vorsicht walten und verweisen lieber an die offiziellen Caritas-Stellen. Oder aber es werden nur Essensgutscheine zum Beispiel für den Metzger ausgestellt, damit sie auf jeden Fall eingelöst werden müssen. „Aber solche unsicheren Fälle sind eher die Ausnahme, das soll uns nicht abhalten, zu helfen“, betont Angstenberger.

Eindeutig war es bei einer Familie, wo die Frau mit dem dritten Kind schwanger war und die Erstausstattung benötigte. Mietrückstände und Altlasten hatten die Familie in finanzielle Schwierigkeiten gebracht. Liz Porcaro ging nicht nur mit der Frau Babysachen kaufen, sondern vermittelte sie auch zur Caritas-Geschäftsstelle in Bietigheim, die dann mit Vermietern und Stromanbietern ins Gespräch ging. „Die Familie wollte Hilfe und hat alles angenommen, was wir aufgezeigt haben“, freut sich Porcaro noch heute über ein gelungenes Beispiel nachhaltiger Hilfe. Denn so sollte es sein: „Wir wollen, dass die Menschen dauerhaft auf die Füße kommen“, so Angstenberger.

Fünf bis zehn große Fälle sind es pro Jahr, die in der ganzen Seelsorgeeinheit anfallen, manche kommen auch immer wieder und fragen um Rat. Die Kirchengemeindemitarbeiter sind immer aufmerksam und schauen, wer Hilfe benötigt. Das fängt oft bei ganz kleinen Dingen an: Wenn Eltern von Kommunionskindern den Ausflug nicht bezahlen können, dann übernimmt die Caritas die Kosten. „Niemand soll ausgeschlossen werden“, so Porcaro.

Die Hilfe kann aber auch in ganz konkrete Angebote münden. Eine Frau kam auf die Kirchengemeinde zu, da sie einsam war und Kontakt suchte. Über das Blättle bot Porcaro einen Treff für einsame Menschen an. Bis zu 14 Personen waren es teilweise, die gemeinsam in die Oper gingen, Kochkurse nach der Bibel organisierten, spazieren gingen, sich zum Frühstück trafen. Derzeit findet das Angebot nicht statt, da die Betroffenen inzwischen Anschluss gefunden haben, beim Seniorennachmittag, bei den Themenabenden der Kirche, in den Gruppen. „Sie haben den Mut gefunden, unter Leute zu gehen und haben in der Kirchengemeinde eine Heimat gefunden“, sagt Porcaro.

Eine einfache, aber wirksame Hilfe sind auch die Warenkörbe. Sie werden in der Kirche aufgestellt mit dem Schild: „Wer hat, der gibt. Wer braucht, der nimmt.“ Da die Kirchen in der Regel tagsüber geöffnet sind, läuft diese Form der Hilfe ganz diskret. Es können Eier, Milch oder auch Süßigkeiten deponiert werden. Gerade an den Feiertagen sind die Körbe oft prall gefüllt. Und werden aber genauso schnell auch wieder geleert.

In diesem Jahr werden außerdem im Rahmen eines Projektes Schulen beziehungsweise die Fördervereine unterstützt. So werden indirekt auch die Familien unterstützt. „Die Fördervereine leisten gute Arbeit, außerdem wollten wir ein ökumenisches Projekt angehen“, so Angstenberger. Gerade die Gruppe der Kinder in Armut wachse, weshalb die Kirchengemeinde hier gezielt spenden wollte. Dennoch gebe es auch noch Geld für andere Zielgruppen. „Wir haben Rücklagen für Notfälle gebildet, wollen aber auch jedes Jahr ein anderes Projekt angehen“, so Angstenberger. Es könne schließlich nicht sein, dass das Geld nur angehäuft werde.

Beim Ferienprogramm ist die Caritas ebenfalls vertreten. In Steinheim wird ein Ausflug angeboten, in Oberstenfeld gibt es Kegeln. Das Angebot ist kostenfrei und es gibt ein Mittagessen. Beratungsgespräche am Telefon, Kranken- und Geburtstagsbesuche oder Seelsorge bei Sterbenden runden das karitative Angebot ab. Katholische Sozialstationen wie die Diakonie gibt es auch, allerdings nicht im Bottwartal. „Wir befinden uns hier in einem evangelischen Kerngebiet, da können wir das nicht leisten. Wir sind aber Mitglied im Krankenpflegeverein in Steinheim“, betont Angstenberger.

Eingenommen wird das Geld beim Caritas-Sonntag im September, der in allen Gemeinden gefeiert wird – dieses Jahr am 28. und 29. September. 50 Prozent der Spenden geht an die offizielle Caritas, 50 Prozent in die Caritas der Kirchengemeinde. 4000 bis 5000 Euro kommen jährlich in den Kirchengemeinden der Seelsorgeeinheit zusammen. Auch die Kollekte geht übers Jahr über immer wieder an die Caritas. Teilweise gibt es auch Einzelspenden. Ein Mann war zum Beispiel dieses Jahr so angetan von der Erstkommunion, dass er allen Kindern einen Ausflug nach Tripsdrill schenkte. „Es gibt viele Menschen, die etwas von ihrem Reichtum abgeben“, so Angstenberger. Besonders gerne, wenn sie wissen, wohin das Geld fließt. „Die Leute kennen uns, wir haben ein Gesicht und sie wissen, dass das Geld ankommt, das schafft Vertrauen“, so Porcaro. Deshalb sei auch immer mehr Geld in der Kollekte, wenn genau definiert ist, wofür sie ist.

Organisiert ist die Caritas in Deutschland als katholischer Wohlfahrtsverband und bildet heute den größten unter den sechs deutschen Wohlfahrtsverbänden. Unter seinem Dach bündeln die Diözesan-, Regional- und Orts-Caritasverbände, Fachverbände sowie einige Orden ihre Arbeit.

Sie alle sind rechtlich eigenständig und tragen die Verantwortung für ihren jeweiligen Bereich. Sie bieten unter anderem 25.000 Einrichtungen und Dienste wie Kitas, Pflegedienste, Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen, Krankenhäuser, Pflegeheime, Wohnheime für Menschen mit Behinderung, Kinder- und Jugendheime, Obdachloseneinrichtungen, Schülerhorte, Frauenhäuser, Fachschulen für soziale Berufe, Familienzentren, Hospize und viele mehr. „Auch Teile der Kirchensteuer fließen in den Caritas-Bereich“, betont Pius Angstenberger.

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