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Schuldneratlas

Private Überschuldung geht zurück

Zahl der Betroffenen im Landkreis Ludwigsburg sinkt um ein Prozent – Arbeitslosigkeit noch immer der Hauptgrund

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Ludwigsburg/Stuttgart.. Die gute Wirtschafts- und Arbeitsmarktlage in der Region Stuttgart schlägt sich offenbar auch bei der Verschuldung der Menschen positiv nieder. Die Zahl der überschuldeten Verbraucher im Landkreis Ludwigsburg hat 2018 zum zweiten Mal in Folge abgenommen. Waren 2017 noch 34.152 Menschen nicht in der Lage ihren finanziellen Verpflichtungen regelmäßig und geordnet nachzukommen, sank die Zahl im vergangenen Jahr um 340, wie das Inkasso-Unternehmen Creditreform in seinem gestern veröffentlichten Schuldneratlas ermittelt hat. Das entspricht einem Rückgang um ein Prozent.

Noch deutlicher entspannte sich die Situation in der gesamten Region mit einem Minus von 1,3 Prozent. Dafür ist vor allem die Landeshauptstadt verantwortlich, wo die Zahl der überschuldeten Menschen um 2,8 Prozent abnahm. Die Schuldnerquote – also das Verhältnis der überschuldeten Menschen zur erwachsenen Gesamtbevölkerung – für die Region Stuttgart liege erstmals seit der ersten Auflage des Schuldneratlas vor acht Jahren unter der von Baden-Württemberg insgesamt, erklärte der Geschäftsführer der Creditreform Strahler KG, Thomas Schlegel gestern in Stuttgart.

Obwohl sich die Konjunktur derzeit leicht eintrübt, erwartet der Creditreform-Chef keinen gravierenden Anstieg der Überschuldung. „Wir gehen davon aus, dass sich die Schuldnerquote auch 2019 positiv entwickelt“, sagte er.

Von Überschuldung spricht Creditreform, wenn Menschen von gerichtlichen Mahnverfahren betroffen sind, einen Offenbarungseid geleistet oder Privatinsolvenz angemeldet haben. Es seien aber nur unstrittige Verfahren berücksichtigt, so Schlegel. Wer also Widerspruch gegen einen gerichtlichen Mahnbescheid eingelegt hat , sei nicht in der Statistik erfasst. Innerhalb des Landkreises Ludwigsburg sind Schuldenprobleme ebenso ungleich verteilt, wie auch in der Region. Zwar gilt Überschuldung nach Aussage Schlegels vor allem als großstädtisches Phänomen, doch auch ländliche Regionen sind davon betroffen. So ist die 6000-Einwohner-Gemeinde Kirchheim am Neckar die Nummer drei im Kreis bei der Schuldnerquote, nach dem Ludwigsburger Westen und Ludwigsburg-Eglosheim. Die Top Drei mit den niedrigsten Schuldnerquoten sind allerdings ausschließlich kleinere Kommunen: Freudental, Eberdingen und Walheim.

In Eglosheim, seit jeher das Schlusslicht in Sachen Überschuldung im Kreis, gibt es in diesem Jahr aber auch positive Nachrichten. Binnen Jahresfrist sank die Zahl der überschuldeten Verbraucher um 0,43 Prozentpunkte. Noch mehr verbesserte sich die Situation in Hemmingen (-0,76 Prozentpunkte) oder Löchgau (-0,54). In Bönnigheim nahm die Schuldnerquote dagegen um 0,3 Prozentpunkte zu.

Mit seiner Schuldnerquote von 7,63 Prozent liegt der Landkreis Ludwigsburg in der Region Stuttgart auf Platz drei nach den Kreisen Böblingen und Esslingen. Am besten im Land schneidet der Landkreis Tübingen ab, der lediglich eine Schuldnerquote von 6,02 Prozent aufweist. Die meisten verschuldeten Menschen gibt es anteilig in der Stadt Pforzheim (14,8 Prozent) und Mannheim (14,41). Die Stadt Heilbronn liegt auf Platz drei der Negativ-Rangliste mit 11,64 Prozent.

An den Gründen, die Menschen in Schuldenprobleme bringen, hat sich in den vergangenen Jahren laut Schuldneratlas wenig geändert. Auch in Zeiten weitgehender Vollbeschäftigung – zumindest in Süddeutschland – bleibt Arbeitslosigkeit der häufigste Auslöser, wenn auch mit kontinuierlich sinkender Tendenz. Nahezu konstant geblieben sind dagegen persönliche Gründe, wie Scheidung oder Tod eines Partners. Erkrankungen und Unfälle werden als Gründe für eine Überschuldung dagegen bedeutsamer. Erst auf Platz vier folgt das, was die Statistik „unwirtschaftliche Haushaltsführung“ nennt.

Nach Meinung des Leiters der Zentralen Schuldnerberatung Stuttgart (ZSB), Reiner Saleth, dürfe man dies aber nicht generell mit „über seine Verhältnisse leben“ übersetzen. Es gebe auch viele Fälle, in denen Menschen mit den hohen Lebenshaltungskosten in der Region, vor allem für die Miete, finanziell einfach überfordert seien. Die ZSB hat 2018 insgesamt 1372 Beratungen durchgeführt.

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