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Besucheransturm

Rekordwoche für Freibäder

Diese Woche war rekordverdächtig, darin sind sich die Bademeister in den Freibädern der Region einig. Tausende Besucher haben auf der Flucht vor der Hitze nach Abkühlung gesucht. Doch das hat auch Probleme mit sich gebracht.

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Besigheim/Bönnigheim/Löchgau. „Das ist der Wahnsinn. So etwas habe ich schon lange nicht mehr erlebt“, sagt Betriebsleiter Dietmar Schmid vom Mineralfreibad Bönnigheim. Die Hitzewelle in dieser Woche hat die Freibäder im nördlichen Landkreis an ihre Kapazitätsgrenzen gebracht: Auf der Suche nach Abkühlung, haben sich jeden Tag Tausende Besucher auf den Weg in die Bäder gemacht: Die Folgen waren nicht nur überfüllte Liegewiesen und Schwimmbecken, sondern auch lange Wartezeiten am Eingang. Und die Parkplatzsuche vor den Bädern endete nicht selten im Chaos.

Ein Rekordtag war der Mittwoch: Allein im Besigheimer Mineralparkfreibad wurden 8400 Besucher gezählt, in Bönnigheim waren es 4500 und sogar im kleinen Löchgauer Bad wurde die 1000er-Marke mit 1448 Badegästen deutlich überschritten. „So einen Betrieb kenne ich gar nicht unter der Woche, normalerweise kommen so viele Besucher nur am Wochenende“, sagt Betriebsleiter Schmid aus Bönnigheim. 30 bis 40 Meter lang sei die Warteschlange am Eingang gewesen. Und die Bäder waren bis zum Schluss sehr gut besucht. „Am Ende des Tages mussten wir die Leute regelrecht rausschmeißen“, sagt Helmut Holoubeck vom Löchgauer Freibad mit einem Augenzwinkern.

Gerade bei Hitzewellen wie in dieser Woche wünschen sich viele Badegäste deshalb längere Öffnungszeiten. Doch das kann kein Freibad im nördlichen Landkreis personell stemmen. „Wir arbeiten jetzt schon total an unserer Stundengrenze“, sagte Dietmar Schmid. Und auch im Besigheimer Freibad ist die Situation schwierig: Der bisherige Betriebsleiter Markus Hüglin verlässt das Freibad dieser Tage, aber trotz intensiver Suche hat sich bisher für ihn kein Nachfolger gefunden. Die Stadt hatte die Stelle mehrmals ausgeschrieben und am Ende auch immer eine Zusage erhalten, trotzdem sind die Kandidaten bisher immer wieder abgesprungen. Der Besigheimer Gemeinderat hatte die Öffnungszeiten im Freibad in den Sommermonaten deshalb bereits um eine Stunde auf 20 Uhr verkürzt (wir berichteten).

Verständnis für diese schwierige Situation hätten allerdings die wenigsten Badegäste, sagt Winfried Altpeter. Er arbeitet seit 33 Jahren im Besigheimer Freibad und übernimmt nun interimsweise auch den Posten als Betriebsleiter, bis ein Nachfolger gefunden ist. „Es gibt viele Beschwerden wegen der kürzeren Öffnungszeiten. Den Leuten ist es egal, ob wir zu wenig Personal haben; sie wollen einfach ins Freibad“, sagt Altpeter, der eigentlich nächstes Jahr in Rente gehen wollte, nun aber noch zwei Jahre verlängert.

Ähnlich sei es am vergangenen Sonntag gewesen, als das Besigheimer Freibad wegen eines Schadens an einem Elektroverteilerkasten den ganzen Tag geschlossen war, Ursache war vermutlich ein Blitzeinschlag. Auch da gab es Beschwerden. Zwar konnte ein Techniker am Nachmittag das Problem beheben, doch das Freibad habe nicht mehr öffnen können, da die Umwälzpumpe bis dahin nicht funktioniert und somit die Wasserqualität nicht gestimmt habe. Ende der Saison soll die Badewassertechnik wie berichtet erneuert werden.

Und möglicherweise entspannt sich auch die Personalsituation demnächst wieder etwas: Wenn der Lehrling im Besigheimer Freibad erfolgreich seine Prüfungen bestehe, könne man sich über die verkürzten Öffnungszeiten noch einmal Gedanken machen, sagt der Erste Beigeordnete der Stadt, Klaus Schrempf, gegenüber unserer Zeitung.

Was alle Bademeister während der extremen Hitze beobachtet haben: Die Besucher werden übermütiger, springen zum Beispiel vom Rand ins Becken ohne Rücksicht auf andere Badegäste, erzählt Altpeter. Das Freibadpersonal hat deshalb alle Hände voll zu tun. Größere Verletzungen habe es glücklicherweise aber nicht gegeben. Viel schlimmer als große Hitze sei allerdings schwüles Wetter, findet der Bönnigheimer Dietmar Schmid. „Dann rasten die Leute auch aus und es gibt viel mehr Konflikte.“

Die hat es in den letzten Tagen auch bei der Parkplatzsuche vor den Freibädern gegeben. „Hier wird geparkt ohne Rücksicht auf Verluste“, sagt Schmid. Und auch in Besigheim war es nahezu unmöglich, nachmittags einen freien Parkplatz in der Nähe des Freibads zu finden. Bewusst schickt die Stadt an diesen Tagen das Ordnungsamt vorbei – und nicht wenige Autos hatten den gelben Strafzettel unterm Scheibenwischer hängen. Besonders gefährlich ist es dann, wenn die Wege für Rettungsfahrzeuge blockiert werden. Auch die Busse und Firmenfahrzeuge müssen ausreichend Platz haben. „Besigheimer kommen am besten zu Fuß oder mit dem Fahrrad zum Freibad“, rät Haupt- und Ordnungsamtsleiterin Sabine Keller. Auch von der Bushaltestelle „Jahnstraße“ aus sei das Bad noch gut zu erreichen.

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