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A.81

Retter üben Ernstfall in den Röhren

Sperrung des Engelbergtunnels von Samstagnacht bis Sonntagmittag – Unfall und Autobrand werden simuliert

Jeden Tag rollen über 100 000 Fahrzeuge durch den Tunnel. Was zu tun ist, wenn eines verunglückt und eines brennt, wird am Sonntag trainiert. Der Tunnel ist dann gesperrt.Archivfoto: R. Theiss
Jeden Tag rollen über 100 000 Fahrzeuge durch den Tunnel. Was zu tun ist, wenn eines verunglückt und eines brennt, wird am Sonntag trainiert. Der Tunnel ist dann gesperrt. Foto: R. Theiss
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Gerlingen/Leonberg. Wer an diesem Wochenende auf der A.81 durch den Engelbergtunnel fahren will, sollte seine Route besser neu planen. Denn das Bauwerk wird am Sonntag für einige Stunden wegen einer Einsatz- und Katastrophenschutzübung gesperrt sein.

Was wird trainiert?

Es ist eines der Szenarien, die die Feuerwehren mit am meisten fordert: In einem Tunnel geschieht ein Unfall, wenig später gerät ein Fahrzeug in Brand. Und als wäre das nicht genug, wird auch noch ein Arbeiter unter Tage als verletzt gemeldet – denn im Tunnel finden Bauarbeiten statt. Auf einigen Hundert Metern wird deshalb schon einmal ein Vorgeschmack gegeben auf das, was die Verkehrsteilnehmer ab April 2020 ohnehin erwartet, und die Baustelle samt Spurverengung zumindest in der Weströhre nachgestellt, weiß der Sprecher der Gerlinger Feuerwehr, Dennis Blos. Während der gut vier Jahre dauernden Hauptsanierung sind die Spuren in beide Fahrtrichtungen verengt.

Gibt es besondere Hürden?

Zum einen dürfte der verletzte Arbeiter zusätzliche Schweißperlen bei der Ditzinger Feuerwehr verursachen. Für die Gerlinger kommt erschwerend eine neue Technik hinzu. Denn anders als einige Vorreiter im Landkreis Böblingen funkt man hier im Kreis noch analog. Doch gerade der sogenannte Vier-Meter-Kanal gilt in Tunneln als nicht gerade geeignet, die Qualität sei miserabel, so Blos. Deshalb erhielten die Gerlinger, die den Umgang in den vergangenen Wochen bereits trainiert haben, für ein Fahrzeug leihweise ein entsprechendes digitales Gerät der Leonberger Feuerwehr – in deren Einsatzzentrale werden die Befehle auch gefunkt. Die Gerlinger sind dann aber schon Experten, wenn auch im Kreis Ludwigsburg ab 2020 der Digitalfunk eingeführt wird. Derzeit laufen die Ausschreibungen, heißt es.

Wer nimmt teil?

Im Einsatz sein werden laut RP rund 400 zum großen Teil ehrenamtliche Kräfte der zuständigen Feuerwehren – sie haben bereits weitere Trainings in der Schweiz hinter sich –, Rettungs- und Sanitätsdienste sowie Einsatzkräfte der Polizei, des Technischen Hilfswerks und der Autobahnmeisterei. Zudem gibt es wieder einige Beobachter. Angekündigt ist unter anderem Verkehrsminister Winfried Hermann, der zudem einen Flyer zum Thema Verhalten und Sicherheit in Tunneln vorstellen wird.

Wann ist die Übung genau?

Die Vorbereitungen, wie vor allem der Aufbau der Baustelle, beginnen schon am Samstag ab 22 Uhr, weshalb die Röhre in Fahrtrichtung Leonberg beziehungsweise Stuttgarter Kreuz und Flughafen schon ab diesem Zeitpunkt gesperrt wird. Die benachbarte Oströhre ist dann den Plänen zufolge am Sonntag von sechs bis zwölf Uhr zu, sie dient während der Übung als Rettungs- und Einsatzröhre. In der Weströhre muss danach noch abgebaut werden, ab 14 Uhr soll sie wieder für den Verkehr geöffnet werden.

Warum ausgerechnet jetzt?

Solche Übungen sind eigentlich alle fünf Jahre vorgeschrieben – die letzte war im November 2012, damals beinhaltete das Szenario einen Unfall mit einem Reisebus und vielen Verletzten, weshalb mit 600 deutlich mehr Retter im Einsatz waren. Der aktuelle Termin war eigentlich schon für den vergangenen Sommer geplant, allerdings hat sich wie berichtet der Beginn der Hauptsanierungsmaßnahme verschoben, ebenso gab es Änderungen bei den Arbeiten zuvor. Die Katastrophenübung sollte erst nach Abschluss eines Großteils der Vorabmaßnahmen stattfinden, heißt es aus dem zuständigen Regierungspräsidium (RP) zur Begründung. Und den Sonntag hat man gewählt, weil das als verkehrsärmster Tag gilt, zudem dürfen die meisten Lastwagen nicht fahren. „Dennoch kann es zu Verkehrseinschränkungen kommen“, so das RP, das um Verständnis dafür bittet.

Wie wird umgeleitet?

Nicht nur der Engelbergtunnel wird am Sonntag gesperrt sein, ebenso ab sechs Uhr die Auffahrt an der Anschlussstelle Leonberg-West in Fahrtrichtung München. Das diene der Entflechtung der Verkehrsströme, heißt es im RP. Denn wer auf der B.295 von der A.81-Anschlussstelle Feuerbach und Ditzingen her kommt – für die Gegenrichtung gibt es diese Einschränkung nicht –, muss an einer Ampel den entgegenkommenden Verkehr kreuzen, um auf die A.8 zu gelangen. Während der Tunnelsperrung muss er nun auf der B.295 weiterfahren und an der Anschlussstelle Warmbronn drehen, um ohne Kreuzungsverkehr in Leonberg-West auf die A.8 zu kommen. Wer Richtung Bodensee will, dem empfiehlt das RP, auf der B.295 zu bleiben und über die B.464 in Böblingen-Hulb auf die Autobahn zu fahren.

Zudem gibt es eine dritte Sperrung, und zwar der Kreisstraße zwischen Gerlingen und Leonberg. Der Bereich wird für die Einsatz- und Rettungskräfte benötigt.

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