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Umwelt

Schlamassel im Schutzgebiet

Im Korntal-Münchinger Ortsteil Kallenberg fährt sich ein Geländewagen in einem matschigen Acker nahe der A 81 fest. Die betroffenen Bauern sind sauer – und ziehen das Fahrzeug kurzerhand selbst vom Feld.

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Korntal-Münchingen. Das Landschaftsschutzgebiet Kallenberg in der Nähe der Autobahn 81 im Februar 2018: Schnee und Eis bedecken die Grünlandflächen, auf denen Landwirte ihre Winterweizensaat ausgebracht haben. Nach vielen trüben Tagen zeigt sich mittlerweile die Sonne. Doch die Stimmung unter den Bauern ist nicht heiter.

Der Grund ist eine X-Klasse des Autobauers Mercedes mit Ludwigsburger Kennzeichen – ein Offroad-Pick-up, der eigentlich mit Luxus und hohem Fahrkomfort punkten soll. Das Fahrzeug steckte zu Wochenbeginn in dem Kallenberger Acker fest. Von dem Fahrer: keine Spur. Im Schnee sind tiefe Furchen und Schlangenlinien zu erkennen, in denen der Fahrer über die Felder gezogen sein muss.

Die betroffenen Landwirte, die in dem Korntal-Münchinger Ortsteil Flächen besitzen, sind bedient. „Es ist ein Skandal. Was hat so ein Auto hier verloren?“, fragt einer, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen will. „Keine öffentliche Straße führt hierher.“ Der Flurschaden ist offenbar beträchtlich. Der Winterweizen muss wohl neu eingesät werden.

Das Landratsamt in Ludwigsburg als untere Naturschutzbehörde ist bereits eingeschaltet. Eine Sprecherin sagt unserer Zeitung: „Nach dem Naturschutzgesetz ist es verboten, in freier Landschaft mit motorisierten Fahrzeugen zu fahren oder sie auf landwirtschaftlich genutzten Flächen abzustellen.“ Die Behörde leite in derartigen Fällen Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen die Sünder ein.

Das Landratsamt hat zwar keine belastbaren Zahlen vorliegen, es komme aber immer wieder vor, dass Menschen mit ihren schweren Geländewagen auf Wiesen oder Hängen unterwegs sind. „Wir gehen davon aus, dass hier einer eine Probefahrt unternommen hat“, sagt einer der Landwirte.

Vor einem Jahr verwüstete ein Autofahrer schon einmal einen Acker, auf dem bereits Winterweizen ausgebracht war, in der Nähe des Segelfluggeländes in Vaihingen. Die Kreispolizei, die in den aktuellen Fall nicht mit einbezogen ist und keine Angaben zum Halter macht, schätzte den Schaden damals auf rund 500 Euro. Sie vermutete zudem, dass der Täter mit einem Geländewagen auf dem Feld unterwegs war.

Im vergangenen Dezember verwechselten Motocrossfahrer eine Wiese im Beilsteiner Teilort Stocksberg mit einem Übungsgelände. Nach Angaben der Polizei pflügten die Geländereifen regelrecht über das nasse Feld.

Zurück nach Kallenberg. Die Sprecherin des Landratsamts gibt an, dass es „in der Regel in solchen Fällen nicht erforderlich ist, weitere Anordnungen zu erlassen, da die Fahrer schon aus Eigeninteresse ihr Fahrzeug wieder entfernen“. Auf dem Acker an der A 81 haben die Landwirte allerdings selbst gehandelt, das Fahrzeug mit einem Traktor aus dem Matsch gezogen und knapp 300 Meter entfernt auf einem befestigten Weg abgestellt.

Die Bauern in Kallenberg haben in der Vergangenheit gelernt, sich zu arrangieren: mit Hundehaltern, Ausflüglern oder Gleitschirmfliegern. Einer der Betroffenen sagt: „Da schreiten wir nicht ein. Der Vorfall mit dem Geländewagen hat jedoch eine neue Qualität.“