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Unterrichtsausfälle

Schwangerschaften und kranke Lehrer

Wegen häufiger Unterrichtsausfälle und Vertretungsstunden am Christoph-Schrempf-Gymnasium haben sich Leser an unsere Zeitung gewandt. Doch das ist kein reines Besigheimer Problem. Aber den Rektoren sind weitgehend die Hände gebunden.

Archivfoto: MAK/ stock.adobe.com
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Besigheim/Bönnigheim. Die Liste der betroffenen Klassen ist lang: Die Aufzählungen von Unterrichtsausfall, Verlegungen und Vertretungsstunden am Besigheimer Christoph-Schrempf-Gymnasium (CSG) füllen einige Seiten. Beispielhaft für einige Tage hat uns ein Leser diese Listen zugeschickt. Natürlich stellen sie nur einen Ausschnitt vieler Schultage dar, dennoch ist immer wieder – auch an anderen Schulen in der Region – die Rede vom Unterrichtsausfall.

Was sind die Ursachen dafür und welche Lösungsmöglichkeiten gibt es? „Der Pflichtunterricht ist vollständig abgedeckt“, erklärt CSG-Rektor Frank Hielscher. „Wir mussten keine Stunden streichen oder Klassen zusammenlegen.“ Für sämtliche Fehlzeiten von Lehrern habe man „bis auf ein paar wenige Stunden“ in Nebenfächern wie Musik oder Ethik Vertretungen gefunden. Die Hauptfächer jedoch seien abgedeckt, auch durch Mehrarbeit von Kollegen. Somit halte sich der Unterrichtsausfall in Grenzen.

Allerdings gebe es ein paar Klassen, die vermehrt betroffen gewesen seien, räumt Hielscher ein, der diese fünf quer durch die Stufen direkt aufzählen kann. Zudem sei es nicht immer möglich, für Fachunterricht entsprechende Vertretungen zu finden. „Dafür gibt es nur einen begrenzten Pool an Lehrkräften und wir sind mit dem Regierungspräsidium ständig am Suchen.“ Für gewisse Fächer wie Mathematik, Physik und andere Naturwissenschaften seien keine Vertretungen zu bekommen. In solchen Fällen würden die Schüler dann unter Aufsicht an Aufgaben arbeiten. Und nur als letztmögliches Mittel lasse man allenfalls Randstunden ausfallen.

Doch was sind die Ursachen für die umfangreichen Vertretungspläne am CSG? „Es sind sechs Kolleginnen in Mutterschutz, die auch während der Schwangerschaften zeitweise fehlten, zwei Kollegen sind in Elternzeit und ein Kollege war zweimal länger erkrankt“, antwortet Hielscher offen. Dazu kämen Pflichtfortbildungen aufgrund des neuen Bildungsplans sowie Veranstaltungen außerhalb des Unterrichts – etwa Austauschprogramme mit den Partnern in Ungarn, Frankreich, Israel und England. Zudem könne er für Letzteres bedingt durch die Zusammensetzung des Kollegiums nicht alle Kollegen gleichermaßen heranziehen.

Die Elternbeiratsvorsitzende Monika Kaiser zeigt Verständnis für die Situation. „Die Schule versucht, viel abzufedern und aufzufangen. Das klappt mal besser und mal weniger gut“, meint sie anerkennend über das Bemühen der Schulleitung, die an Elternbeiratssitzungen teilnimmt und dort die Gründe für Unterrichtsausfälle erklärt. Von einer großen Unzufriedenheit unter der Elternschaft deswegen wisse sie nichts. „Von der Elternseite kommt wenig bei mir an.“ So könne sie nur von eigenen Erfahrungen berichten: „Bei meinen Kindern, die in die neunte und zehnte Klasse gehen, hält sich der Unterrichtsausfall in Grenzen.“ Doch wisse sie von Klassen, die stärker betroffen seien.

In Bönnigheim am Alfred-Amann-Gymnasium halte man derweil „die Luft an“, wie der Elternbeiratsvorsitzende Lutz Seifert berichtet: „Im Moment läuft es einigermaßen planmäßig, aber man weiß nie im Voraus, was sich ändert.“ Denn es gebe einfach „Engpassfächer“ wie Mathematik, Physik und Chemie. Sollte in diesen Fächern ein Lehrer länger ausfallen, gebe es keine Vertretungskräfte. „Die Landesregierung hält die Schulen mehr als knapp“, kritisiert der Elternbeirat. Die Lehrerabdeckung reiche gerade so aus – sofern niemand schwanger oder krank werde.

Man sei wie alle anderen Gymnasien zu 100 Prozent versorgt, sagt Achim Salomon, Rektor des Alfred-Amann-Gymnasiums. Schließlich gebe es für diese Schulart keine Lehrerreserve. Falle ein Kollege aus, müsse man in den ersten sechs Wochen versuchen, dies mit eigenen Mitteln aufzufangen und könne sich erst danach ans Regierungspräsidium wenden. „Natürlich gibt es daher Probleme, wenn ein Kollege länger fehlt.“ Deshalb plädiere die Direktorenvereinigung auch für eine 110-Prozent-Versorgung, um dadurch Ausfälle weitestgehend auffangen zu können. Ganz werde man sie aufgrund des Fachlehrerprinzips aber nie vermeiden können, meint Salomon. In diesem Schuljahr indes sei die Ausfallquote am Bönnigheimer Gymnasium gesunken. Nach der aktuellsten Vollerhebung des Kultusministeriums vom Juni liege diese bei 3,86 Prozent. Im Februar zu Zeiten der Grippewelle seien es 5,7 Prozent gewesen – was aber immer noch unter dem damaligen Landesschnitt von 6,5 Prozent liege. Gegen Anfang des Schuljahres hingegen sei die Ausfallquote mit 6,3 Prozent über dem Schnitt von 4,9 Prozent gelegen.

Auch das Christoph-Schrempf-Gymnasium sei bei der Februar-Erhebung mit 5,2 Prozent unter dem Mittelwert gelegen, wie Rektor Hielscher berichtet, dem die aktuellen Daten allerdings noch nicht vorliegen. Laut Regierungspräsidium ist deren Auswertung noch nicht abgeschlossen (siehe zweiter Text).

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