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Verkehr

Schwarzer Peter liegt bei der Stadt

Rathaus soll laut Landratsamt Konzept für Ochsenbacher Ortsdurchfahrt erstellen – Ortsvorsteher schreibt Brief an Haas

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Ortsdurchfahrt Ochsenbach: Ortsvorsteher Reiner Weiß hofft auf eine einvernehmliche Lösung aller beteiligten Projektpartner.Fotos: Alfred Drossel
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Sachsenheim. Ortsvorsteher Reiner Weiß schickt eines voraus: „Der Ortschaftsrat Ochsenbach steht voll hinter den Forderungen der Bürger und unterstützt sie.“ Weiß vertraut auf die Kompetenz der Behörden und glaubt an eine einvernehmliche Lösung. Der Ortsvorsteher ist kein Mann der lauten Töne, aber jetzt will er zeitnah, dass geeignete Vorhaben umgesetzt werden, um wieder Ruhe in den Ort zu bekommen: Tempo 30 etwa und einen Zebrastreifen bei der Kelter.

Im Gemeinderat hatte das Spielberger Ratsmitglied Hugo Ulmer der Stadtverwaltung klargemacht, bei Verkehrsschauen nicht nur als Bittsteller aufzutreten, sondern Verbesserungen auch einzufordern. Bei fünf Verkehrsschauen hätte die zuständige Verkehrsbehörde in Ludwigsburg Ochsenbacher Forderungen nach einer Geschwindigkeitsreduzierung in der Dorfstraße und die Einrichtung eines Zebrastreifens mangels Verkehrszahlen, konsequent abgelehnt.

Seit 15 Jahren bemüht sich der Ochsenbacher Ortschaftsrat erfolglos mit seinen kommunalen Möglichkeiten, eine Verbesserung zu erreichen. Für Reiner Weiß ist es daher verständlich, dass die Bürger auf die Straße gehen, um ihre Forderungen durchzusetzen. Weiß hat Landrat Rainer Haas einen Brief geschrieben, in dem er die Situation im Ort schildert. „In der von dutzenden denkmalgeschützten, historischen Fachwerkhäusern gesäumten Dorfstraße herrscht ein für die Bevölkerung nicht mehr akzeptabler Durchgangsverkehr“, schreibt Weiß.

Die Forderungen der Bürgerinitiative seien weitgefasst, schreibt Weiß weiter und reichten von einem kompletten Durchfahrtsverbot für LKW, über die Einrichtung einer Tempo-30-Zone und Zebrastreifen, bis zur Aufstellung einer Ampel.

Realistisch betrachtet, so Weiß, seien einige Forderungen nicht ohne weiteres umsetzbar. Insbesondere die Einrichtung einer Tempo-30-Zone und Zebra-Streifen zur Überquerung decke sich aber mit den Forderungen des Ortschaftsrates, betont Weiß. Das Landratsamt hat den Eingang des Schreibens bestätigt.

Doch mittlerweile fordert die Behörde offenbar, die Pflanzkübel auf den Gehwegen zu entfernen und das Parken zu ordnen. Außerdem stellt sie eine Temporeduzierung auf 40 Stundenkilometer in Aussicht. Die Stadt wird aufgefordert, ein Konzept für die Ortsdurchfahrt zu entwickeln. Damit hat die Stadt den Schwarzen Peter.

Die Bürgerinitiative schlägt unterdessen härtere Töne an und spricht von „behördlicher Arroganz“. Die aufgebrachten Bürger sehen ihren bisherigen Kampf in der Öffentlichkeit für die Katz, zumal es schon Stimmen im Ort gibt, dass der Protest Nachteile bringen könnte, was beispielsweise das Parken der Autos in der Dorfstraße betrifft.

Gespannt sehen die Ochsenbacher auf die bevorstehende Einwohnerversammlung aller Sachsenheimer, die am 21. Januar in Ochsenbach stattfindet. Ortsvorsteher Reiner Weiß rechnet damit, dass dann Einzelheiten des von der Stadt vorgelegten Konzepts bekanntwerden. Auf jeden Fall aber wird mit einer überfüllten Halle gerechnet. Deshalb, so Weiß, würden Lautsprecher montiert und die Reden nach außen übertragen.

In einem Brief hat sich Alt-Kreisrat Berthold Spahlinger zudem beim ersten Landesbeamten Jürgen Vogt über Missstände im Nahverkehr des Kirbachtals beschwert. Spahlinger sieht das Landratsamt als Bremser bei Projekten gegen den Schwerlastverkehr und für die Sicherheit der Bewohner.

Unterdessen geht es in der Ochsenbacher Dorfstraße weiter: Lastzüge aus halb Europa drängeln sich an den Fachwerkhäusern entlang, blockieren sich vielfach selbst und kommen nur weiter, wenn sie den Gehweg benutzen. Verstärkt sind Polizeistreifen im Ort zu beobachten.