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Weinbau

Sonnenbrand sorgt für Einbußen

Der Trockenstress, der den Rebstöcken im vergangenen Jahr mächtig zu schaffen machte und die Wengerter teilweise zum Bewässern der Weinberge zwang, ist dieses Jahr kein Thema. Dafür leiden viele Trollingerbestände unter Sonnenbrand. Eine Katastrophe ist das jedoch aus Sicht der Weingärtner nicht in jedem Fall.

Klarer Fall von Sonnenbrand.
Klarer Fall von Sonnenbrand.
Sattgrünes Laub und gesunde Trauben in Marbacher Weinbergen.Fotos: Holm Wolschendorf
Sattgrünes Laub und gesunde Trauben in Marbacher Weinbergen. Foto: Holm Wolschendorf
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Marbach/Bottwartal/ Kreis Ludwigsburg. Mitte August ist es naturgemäß zu früh, um belastbare Prognosen über Erntemengen und Qualität des Jahrgangs abzugeben, ein Trend zeichnet sich aber in der Regel ab. Und der lautet bei stichprobenartig befragten Wengertern im Kreis Ludwigsburg: Es sieht gut, teilweise sogar sehr gut aus.

Zu dieser Aussage trägt vor allem bei, dass Frühjahr und Sommer 2019 längst nicht so trocken waren wie die vergleichbaren Phasen im vergangenen Jahr. Und das wirkt sich positiv auf die Reben aus. Auf den 60 Hektar Rebflächen, die die 200 Mitglieder der Weingärtnergenossenschaft Marbach bewirtschaften, war es bislang sogar „eher nass“, wie Vorstandsvorsitzender Matthias Hammer sagt. Das sei grundsätzlich erfreulich, weil die Rebstöcke so von Trockenstress verschont blieben, ebenso von Hagel. Jetzt müsse man eher auf der Hut vor Pilzen sein, die feuchte Bedingungen bevorzugen.

Allerdings: Die Wetterkapriolen in Form von sehr, sehr heißen Tagen Ende Juli haben durchaus ihre Spuren hinterlassen: Vor allem der Trollinger leidet unter Sonnenbrand, das heißt, dass die Haut vieler Trauben bei zu starker Sonneneinstrahlungen aufriss, die Beeren eintrockneten. Auch bei Dieter Waldbüsser vom gleichnamigen Weingut in Kleinbottwar hat es den dünnschaligen und deshalb empfindlichen Trollinger „ganz schön erwischt“. Ob dadurch Qualitätseinbußen zu befürchten sind, könne er noch nicht sagen, „da müssen wir noch etwas abwarten, wie sie sich durchschlagen.“ Möglicherweise sei etwas mehr Handlese erforderlich.

Von Ertragseinbußen vor allem in den Steillagen geht auch Matthias Hammer aus, teilweise sei bis zu einem Drittel der Trauben betroffen. Er hofft aber, „dass sich das bis zur Lese noch relativiert“. Die betroffenen Beeren werden ausgeschnitten, oder man lässt sie abfallen, „die anderen Beeren werden dann kräftiger“.

Sowohl Hammer als auch Waldbüsser gehen von einer zufriedenstellenden bis guten Ernte aus, allerdings mit weniger Ertrag als im Rekordjahr 2018. „Ich erwarte einen durchschnittlichen Herbst“, sagt Dieter Waldbüsser. Hammer schätzt, dass die Lese Mitte/Ende September beginnt, auf jeden Fall aber zwei Wochen später als im vergangenen Jahr.

Die zuletzt ordentlichen Mengen Regen – an zwei Wochenenden waren es jeweils 45 Liter – lassen auch bei Joscha Dippon die Zuversicht wachsen: „Wir sind sehr zufrieden“, sagt der Chef des Schlossguts Hohenbeilstein. Auch seinen Trollinger hat der Sonnenbrand „ein bisschen erwischt, aber es ist nicht tragisch.“ Weil die Rebstöcke ohnehin sehr voll hingen, ließen sich bessere Qualitäten erzielen, wenn man ausdünnen müsse. Mit der Vorlese, zum Beispiel für Sektgrundweine, werde wohl schon Anfang September begonnen, mit der Hauptlese Mitte nächsten Monats.

Auch in den Weinbergen im westlichen Teil des Landkreises „sieht es sehr gut aus“, so Christian Kaiser, Geschäftsführer der Genossenschaftskellerei Roßwag. Der Sonnenbrand beim Trollinger sei zwar ärgerlich, „aber es gibt keinen Komplettausfall.“ Geregnet hat es aus Kaisers Sicht inzwischen genug, jetzt wünscht er sich eher eine trockene Witterung. Denn die Trauben reifen, werden weicher und platzen dann bei Regen leichter auf.

Alle Wengerter hoffen, dass ihre Bestände von der Kirschessigfliege verschont bleiben. Der Schädling war vergangenes Jahr kein Thema, weil er Hitze nicht verträgt; er bevorzugt ein feuchtes Umfeld. Ob und in welchen Mengen die gefürchtete Fliege auftritt, wird sich aber erst zeigen, wenn die Trauben in den Weinbergen voll ausgereift sind. Vorher sind sie für den Schädling uninteressant.

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