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Steillage

Sortenversuche im Weinberg

Reifen in einigen Jahren anstatt Trollinger italienische und französische Weine in den Steilhängen an Neckar und Enz? Der Klimawandel wird auf jeden Fall für einen Umbruch im Weinbau sorgen. Das wollen sich die Wengerter zunutze machen und starten ein neues Projekt.

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Besigheim/Lauffen. Die Besigheimer Felsengartenkellerei und die Lauffener Weingärtner haben ein Projekt zur Neuausrichtung des Steillagenweinbaus in Württemberg initiiert. Es soll Pilotfunktion für einen auskömmlichen Weinbau in terrassierten Steillagen übernehmen und Wengerter ermutigen, auf alternative Rebsorten umzustellen. Dafür suchen die Kellereien jetzt Winzer, die die Sortenversuche in den Steillagen ausprobieren. Es sollen alternative Rebsorten für Steillagen geprüft und ein Vermarktungskonzept für Weine aus Steillagen entwickelt werden, wie der Lauffener Vorstandsvorsitzende Dietrich Rembold bei der Infoveranstaltung zum Steillagenprojekt „Steile Weine“ betonte.

Ernüchternde Fakten präsentierte zunächst Professorin Dr. Simone Loose von der Hochschule Geisenheim: Die meisten Deutschen würden den Begriff „Steillagen“ mit einem steilen Hang, aber nicht mit dem Weinbau in Verbindung bringen. Steile Weinberge seien von der Mosel bekannt, aber nicht vom Neckar. Loose sieht trotzdem ein Potenzial für Württemberg – obwohl Steillagenweinberge beim Klimawandel keine Vorteile gegenüber den Flachlagen mehr hätten. Bei der Vermarkung von Steillagenweinen müssten Heimat und Region in den Vordergrund gestellt werden und die Wengerter sich verstärkt um die Qualität dieser Weine kümmern. Das Etikett alleine bringe noch nichts. Weinfreunde bevorzugten dunkle, gerbstoffreiche Weine. Der Trollinger sei da eher eine schwierige Sorte. Dem Lemberger gibt Loose dagegen gute Zukunftschancen. Ein Ergebnis dieser Rebumstellung erwartet sie in frühestens 20 Jahren.

Dr. Jürgen Sturm, Leiter der Rebzüchtung an der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg, ist überzeugt, dass der Trollinger auch noch in absehbarer Zeit eine wichtige Rolle spielt. Gesucht werde jetzt aber die ideale Sorte für den Klimawandel. Sein Institut habe 100 von 800 Weinsorten im Anbau, aber noch keine einzige sei in der Steillage erprobt.

Dazu suche man jetzt Wengerter und geeignete Standorte unter anderem für die Sortenprüfung. Und zwar für jeweils zwischen sieben und zehn Sorten: zwei bis drei weiße Weine und fünf bis sechs rote Weine – insgesamt etwa 25 bis 50 Rebstöcke auf einer Fläche zwischen fünf und zehn Ar.

Jürgen Sturm stellte dazu einige Rebsorten vor. Sie müssten einen späten Austrieb haben und eine sehr späte Reife, eher kleine Beeren, aber eine robuste Beerenhaut. Die neuen Sorten sollten gute Mostgewichte bringen, robust bei Trockenheit sein und bei hoher Weinqualität ein mittleres Ertragsniveau haben.

Sturm nannte teilweise alte Sorten, die in Frankreich, Italien und Chile stehen. Sorten wie Carménère, Tannat, Marselan, Montepulciano, Satin Noir oder Petit Manseng.

In der Diskussion stellten einige der rund 100 Wengerter Fragen an die Fachleute. Angesprochen wurde auch, ob alte Rebstöcke mit den neuen Sorten veredelt werden könnten. Sturm bezeichnete dies als ein Risiko. Jetzt sei es wichtig, möglichst schnell mit dem Sortenversuch zu beginnen, um zu tragbaren Ergebnissen zu kommen. Felsengartenkellerei-Vorstandschef Dr. Götz Reustle sagte den Wengertern die Unterstützung der Kellerei zu, die bereit zum Sortenversuch seien.

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