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Tagsüber fehlen die Einsatzkräfte

Feuerwehrbedarfsplan sieht Floriansjünger gut aufgestellt – Mängel am Feuerwehrhaus sollen behoben werden

Einige Mängel hat das Feuerwehrgerätehaus.Foto: Holm Wolschendorf
Einige Mängel hat das Feuerwehrgerätehaus. Foto: Holm Wolschendorf

AFFalterbach. Patrik Habeth fühlt sich sicher in Affalterbach. Das ist insofern wichtig, als dass der Mann den Feuerwehrbedarfsplan für die Freiwillige Feuerwehr Affalterbach erstellt hat. Er versichert: „Sie haben eine schlagkräftige Feuerwehr.“ Zwei Schwachpunkte gebe es: Das Personal, das tagsüber zur Verfügung steht, und das Feuerwehrhaus.

Das Wichtigste zu Beginn: Innerhalb von zehn Minuten muss eine Feuerwehr mit neun Funktionen in einem Auto am Einsatzort sein, egal ob es sich um einen Brand oder um einen Unfall handelt. Die zweite Gruppe sollte nach 15 Minuten da sein. Zwar ist die Zahl der Einsätze rückläufig, 2018 waren es drei Brände und 21 technische Hilfeleistungen, aber dies entspreche dem Durchschnitt. „Alle sieben Tage ein Schadensereignis ist okay“, so Habeth. In der Zukunft werde aber die technische Hilfeleistung zunehmen wegen Unwetter. Herausforderung sei das große Gewerbegebiet – einerseits wegen des Gefahrenpotenzials, andererseits wegen der Erhöhung der Fehlalarme. Damit gibt es im Gewerbegebiet auch die häufigsten Einsätze.

Die Affalterbacher Wehr schafft es zu 100 Prozent, die bewohnte Fläche in den zehn Minuten zu erreichen, Wald, Wiese und Heide, so Habeth, werden zu 70 Prozent in zehn Minuten erreicht, was aber ebenfalls okay sei. Im Kernbereich sei die Feuerwehr in der Regel innerhalb von fünf Minuten am Einsatzort. Etwas schlechter sind die Zahlen bei der Vorgabe der neun Arbeitskräfte in einem Fahrzeug. Zwischen sechs und 18 Uhr lagen die Werte zwischen 25 und 80 Prozent. Besser sieht es mit 53 bis 100 Prozent bei den sonstigen Zeiten aus. Reduziert man die Einsatzkräfte auf eine Staffel von sechs Personen, werden wieder 100 Prozent erreicht.

Das Ziel setzt Habeth bei 80 Prozent der Einsätze, die mit neun Kräften in zehn Minuten erreicht werden. Eine weitere Einheit mit neun Mann sollte in weiteren fünf Minuten folgen. Ein Einsatzführungsdienst sollte eingerichtet werden. Einer der fünf Führungskräfte sollte verfügbar sein und die Lage zunächst erkunden, um zu klären, ob es sich nicht um einen Fehlalarm handelt oder wo genau in der Firma es brennt. Bange muss den Bürgern dennoch nicht sein: Tagsüber werden Erdmannhausen und Marbach alarmiert.

Mit einem Durchschnittsalter von 30 Jahren ist die Affalterbacher Wehr sehr jung, was zwar gut sei, andererseits fehlten aber die Einsatzkräfte mit Erfahrung. Dennoch funktioniere die Jugendfeuerwehr sehr gut, über eine Kinderfeuerwehr könne man nachdenken. Fakt sei aber, dass die Jugendlichen ein großes Unterhaltungsprogramm bräuchten. 50 Einsatzkräfte hat die Feuerwehr derzeit, die Ausbildungsrate sei hervorragend.

Mit 5000 Einwohnern und 3500 Beschäftigten im Ort wird Affalterbach der Risikostufe 2 von 8 zugeordnet, sollte noch mehr Gewerbe angesiedelt werden, wird die Stufe 3 angesetzt. „Dann muss man das Personal anpassen“, sagt Habeth.

Hier sei eine Möglichkeit, bei kommunalen Mitarbeitern auf Feuerwehrmänner zu setzen, dies könnte auch in Stellenanzeigen erwähnt werden. Eine offensive Werbung im Gewerbegebiet, Informationen sowie eine mediale Werbung sei ebenfalls angebracht. Den Versuch im Gewerbegebiet habe die Gemeinde bereits unternommen, die Feuerwehrmänner würden aber lieber in ihren Heimatort zum Einsatz fahren oder stellten Bedingungen. So sei zum Beispiel ein Problem, dass die Affalterbacher Wehr ihre Übungen freitagabends abhält.

Das Gebäude aus dem Jahr 1972 hat verschiedene Mängel, die sukzessive abgearbeitet werden müssen. Die Notstromversorgung fehlt. Da Ausfahrt und Einfahrt gleich sind, gibt es keine kreuzungsfreien An- und Abfahrten. Es fehlt eine Abgasabsauganlage, die Deckenhöhe der Fahrzeughalle ist zu niedrig. Die Umkleidebereiche sind deutlich zu klein, nicht geschlechtergetrennt, und es fehlt eine Trennung zwischen sauberer und verschmutzter Kleidung. Die Lagerflächen sind ausgereizt.

Neu angeschafft werden sollte ein Gerätetransportwagen für die zweite, nachrückende Mannschaft, mit dem auch Schläuche transportiert werden können. Der Rest des Fuhrparks sei in Ordnung.

„Ich muss also keine Angst haben in Affalterbach“, schloss Habeth. Lob gab es auch von Bürgermeister Steffen Döttinger: „Wir schaffen gut mit der Feuerwehr zusammen.“

Ob es wegen der Elektromobilität mehr Einsätze geben werde, wollte Andreas Fürst wissen. Deutschland sei bei den Elektrofahrzeugen noch hinterher, so Habeth. Die Industrie sei aber dabei, Konzepte zu entwickeln. Schulungen zum Löschen der Fahrzeuge werden angeboten.

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