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Verkehr

Trifft Fahrverbot auch den Kreis?

Wer Korntal verlassen will, muss in der Regel über Stuttgarter Gemarkung. Doch wer ein dreckiges Dieselfahrzeug sein Eigen nennt, könnte dabei bald Probleme bekommen.

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Besonders dreckige Dieselautos dürfen ab Januar nicht mehr in Stuttgart unterwegs sein. Ob das auch Korntal-Münchinger betrifft, ist derzeit noch offen. Foto: Marijan Murat/dpa

Korntal-Münchingen/Stuttgart. Der Countdown für das Fahrverbot für Diesel-Antriebe der Abgasnorm Euro 4 und schlechter läuft: Seit Montag liegt der Entwurf des Luftreinhalteplans für Stuttgart öffentlich aus, bis zum 12. Oktober sind schriftliche Stellungnahmen dazu möglich. Davon werden wohl so einige Besitzer von entsprechenden Fahrzeugen sowie Interessensgruppen und Verbände Gebrauch machen, die verhindern wollen, dass sie ab Januar nicht mehr in der Landeshauptstadt fahren dürfen. Und dazu wird auch die Stadtverwaltung von Korntal-Münchingen gehören.

Denn von einem der beiden großen Stadtteile in den anderen kommt man motorisiert nur über Stuttgarter Gemarkung. Bürgermeister Joachim Wolf kündigte deshalb an, eine Ausnahmegenehmigung zu beantragen. Eine solche ist laut Stadt unter anderem schon für einige Gruppen wie bestimmte Lieferanten, Sozialdienste, Handwerker, medizinische Notfälle, Behinderte und Schichtdienstleistende vorgesehen, nicht aber für Orte.

Dabei wäre es nicht das erste Mal. Schon ab März 2008, als in Stuttgart die Umweltzone eingeführt wurde, habe es in Absprache mit der Landeshauptstadt an den großen Zufahrtsstraßen, der Nordsee- und der Schwieberdinger Straße, Schilder gegeben, die freie Fahrt auch ohne Plakette signalisiert hätten – bis zur Ausweitung der Umweltzone 2013. Abschnittsweise konnten zudem die Bundesstraße 10 und die B 27a südlich von Kornwestheim (bis zum Aufeinandertreffen mit der B 10) ohne Plakette befahren werden.

Wolf hofft, dass es ab 2019 eine analoge Regelung geben könnte. Denn andernfalls würde das nicht nur sicherlich einige Bürger „hart treffen“, sondern auch die Korntal-Münchinger Stadtverwaltung. Man versuche zwar ohnehin, auf Elektroantriebe umzustellen, doch das dauere seine Zeit, so Wolf. Und auch örtliche Unternehmen wären betroffen, etwa Hugo Benzing, einer der nach eigenen Angaben weltweit führenden Sicherungselementehersteller mit Sitz an der Schwieberdinger Straße. Auf die Bundesstraße – oder zum Werk in Münchingen, das derzeit gebaut werde – kommen dessen Lastwagen wegen des Durchfahrverbots in Kallenberg nur über die Stuttgarter Neuwirtshauskreuzung. „Für uns ist das Dieselfahrverbot ein richtiges Problem“, sagt Vertriebsleiter Manfred Hink. Man unternehme zwar einiges in Sachen Umweltschutz und nutze für den Verkehr zwischen den Werken in Kallenberg auch E-Fahrzeuge. Doch es gebe nach wie vor Lastwagen, die unter das Verbot fallen würden. Haben sie aber eine grüne Umweltplakette, dürfen sie laut Regierungspräsidium weiterhin fahren, denn für Lieferverkehr gebe es eine Ausnahme. Davon profitiere auch der Containerbahnhof bei Kornwestheim.

Mit Blick auf die übrigen Fahrzeuge und Korntal-Münchingen verweist man bei der zuständigen Behörde auf das frühe Stadium des Prozesses. Die Stuttgarter Gemarkungsgrenze habe man gewählt, weil es nicht an der Messstelle am Neckartor Überschreitungen von Stickstoff-Grenzwerten gegeben habe. Kleinräumige Sperrungen hätten den Nachteil, dass sich die Fahrer (erlaubte) Umwege suchten, anstatt auf öffentliche Verkehrsmittel oder saubere Fahrzeuge umzusteigen. Für die Ausnahmekonzeption sei aber das Verkehrsministerium Baden-Württemberg zuständig, für Einzelfallentscheidungen die Stadt Stuttgart. Man werde aber entsprechende Anregungen aufnehmen – und dazu diene ja gerade auch die öffentliche Auslegung.

Info: Der aktuelle Planentwurf für den Luftreinhalteplan liegt noch bis Freitag, 28. September, an der Infothek im Stuttgarter Rathaus und beim Regierungspräsidium (Referat 54.1, Ruppmannstraße 21, 70565 Stuttgart-Vaihingen, Eingang B, 1. OG, Zimmer 1.073) öffentlich aus und ist im Internet online abrufbar unter www.rp-stuttgart.de. Schriftliche Stellungnahmen gegenüber dem Regierungspräsidium sind bis Freitag, 12. Oktober, möglich, entweder schriftlich (Ruppmannstraße 21, 70565 Stuttgart) oder per E-Mail an die Adresse luftreinhaltung@rps.bwl.de