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Behinderte

Trotz Berechtigung gibt’s einen bösen Zettel

Der Zettel klebte am Spiegel und lässt sich kaum entfernen.Foto: privat
Der Zettel klebte am Spiegel und lässt sich kaum entfernen. Foto: privat

Affalterbach/Steinheim. „Wie unzufrieden muss ein Mensch sein, der solche Zettel an Spiegel von Fahrzeugen klebt?“: Martina Harder aus Affalterbach ist noch immer empört. Ihr Vater parkte kurz vor Weihnachten auf dem Behindertenparkplatz eines Supermarktes, seine Frau hat dafür eine Berechtigung. „Meine Mutter hat einen Schwerbehindertenausweis und kann ohne Gehhilfen keinen Schritt gehen, für größere Strecken benötigt sie einen Rollstuhl“, erzählt Martina Harder, die sich mit einem Leserbrief an unsere Zeitung wandte.

Doch der im Auto befestigte Behindertenausweis interessierte einen Unbekannten offensichtlich wenig. Er sah nur den – zugegeben – fitten Vater und klebte in der kurzen Zeit, in der dieser im Supermarkt war, ein Schild auf den Spiegel des Fahrzeuges, worauf steht: „Sie haben schon meinen Parkplatz – wollen Sie auch meine Behinderung?“.

Es war der Freitag vor Weihnachten, als das Ehepaar in den Steinheimer Supermarkt fuhr. Der Vater parkte auf dem Behindertenparkplatz und holte einen Einkaufswagen, an dem sich seine Frau festhalten und so in der Zwischenzeit einkaufen konnte. Er ging daraufhin in den benachbarten Getränkemarkt. Als er dort fertig war, parkte er wieder auf dem Behindertenparkplatz und ging in den Supermarkt, um seine Frau beim weiteren Einkauf zu unterstützen. „Wahrscheinlich wurde mein 70-jähriger, sehr sportlicher Vater beobachtet, als er aus dem Fahrzeug ausstieg“, vermutet Harder.

Jedenfalls prangte, als das Paar vom Einkauf zurückkam, der große Kleber auf dem Spiegel. Martina Harder findet es nicht nur unverschämt, dass der Unbekannte offensichtlich nicht genauer hinsah und die Berechtigung für den Behindertenparkplatz bemerkte, sondern dass er zudem einen Kleber verwendete, der kaum wieder herunterzubekommen ist.

„Ohne Chemie löst der sich überhaupt nicht ab, wir haben es an den Ecken so versucht, aber er war nicht zu entfernen, wie man auf dem Foto sieht“, berichtet Harder. Ihre Eltern seien „enttäuscht und geschockt“ gewesen, ebenso ein Mitarbeiter des Supermarktes, an den sie sich wandten und der sich umgehen entschuldigte. „Aber der kann ja nichts dafür“, sagt Harder. Sie findet jedenfalls, dass eine Entschuldigung angebracht wäre.

„Solche Fälle von Selbstjustiz gibt es immer wieder“, weiß Peter Widenhorn, Sprecher der Polizeidirektion Ludwigsburg. Allerdings führe die Polizei darüber keine Statistik. Falschparker auf Behindertenparkplätzen gebe es häufiger, auch da gebe es aber keine Statistik. In diesem Fall sei die Sache aber völlig klar: Zum Abholen von behinderten Personen dürfe der Fahrer das Fahrzeug selbstverständlich auf einem Behindertenparkplatz abstellen.

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