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Brand

Unterkunft ist nicht mehr zu retten

Glück im Unglück: Bei einem Brand in der Obdachlosenunterkunft in der Hölderlinstraße sind in der Nacht zu gestern drei Menschen nur leicht verletzt worden.

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Im Keller des Gebäudes war der Brand ausgebrochen. 49 Feuerwehrleute waren mit zehn Fahrzeugen vor Ort und entrauchten das Treppenhaus.
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Das Gebäude ist nicht mehr betretbar. Fotos: Ramona Theiss/SDMG Kohls
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Im Keller des Gebäudes war der Brand ausgebrochen. 49 Feuerwehrleute waren mit zehn Fahrzeugen vor Ort und entrauchten das Treppenhaus.

Steinheim. Das Haus ist nicht mehr bewohnbar und soll abgerissen werden. Einige der Hausbewohner sind in der Blankensteinhalle untergebracht, andere konnten bei Freunden unterkommen.

Was war geschehen? Plötzlich war das Treppenhaus der Obdachlosenunterkunft, in der zur Hälfte Asylsuchende und zur Hälfte Obdachlose leben, voller Qualm und es stank nach Rauch: Anwohner alarmierten die Feuerwehr – das war gestern Nacht gegen 1.15 Uhr.

„Der Rauch kam aus dem Keller“, schildert Steinheims Feuerwehrkommandant Joachim Hielscher die Situation vor Ort, die sich den Männern der Freiwilligen Feuerwehren aus Steinheim, Höpfigheim, Kleinbottwar, Kirchberg und Marbach dargeboten hatte. „Dann ist ein Trupp rein und hat als Brandherd einen Schaltschrank ausgemacht. Das Treppenhaus war ordentlich verqualmt. Wir haben gleich Strom, Gas und Wasser abgestellt.“

Dank neuer, fest schließender Brandschutztüren an allen zwölf Wohnungen konnten die 26 Bewohner des Gebäudes zunächst in ihren Wohnungen bleiben, während die Feuerwehr das Treppenhaus mittels eines Rauchabzugs unterm Dach und einem Überdruckbelüfter entrauchte. Dann konnten die Bewohner das Haus gefahrlos verlassen. Das letzte Feuerwehrfahrzeug fuhr gegen halb vier vom Einsatzort zurück in die Wache.

Der Rettungsdienst des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) und der DRK-Ortsverein kümmerten sich zwischenzeitlich um die betroffenen Menschen; zwei wurden mit Verdacht auf eine Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus gebracht, konnten es aber im Laufe der Nacht verlassen, ein dritter stürzte beim Verlassen des Gebäudes und musste ebenfalls ärztlich versorgt werden.

Das DRK hatte unterdessen eine Notunterkunft in der Blankensteinhalle aus dem Boden gestampft, wo ein Teil der Menschen den Rest der Nacht verbringen konnte, andere kamen bei Freunden unter, eine ausländische Familie wurde von ihrer deutschen Patin noch in der Nacht abgeholt und mit nach Hause genommen. Die so plötzlich obdachlos gewordenen Menschen hätten trotz des Schrecks „recht entspannt“ auf die Situation reagiert, sagte Feuerwehrkommandant Hielscher.

Steinheims Bürgermeister Thomas Winterhalter war noch in der Nacht vor Ort und resümierte anschließend: „Wir sind mit einem blauen Auge davon- gekommen.“ Großen Respekt bekundete er der Feuerwehr und dem DRK: „Sie haben einen top Job gemacht, ein ganz, ganz großes Lob den Hilfsorganisationen!“

Bisher geht die Polizei davon aus, dass die Brandursache ein technischer Defekt an den elektrischen Leitungen in einem Kellerraum direkt neben dem Treppenhaus ist. Erst vor drei Jahren war das Gebäude aus den 1950er Jahren renoviert worden. Der Gemeinderat hatte sich über Mehrkosten von 100 000 Euro geärgert, die unter anderem einem Mehraufwand bei den elektrischen Leitungen und bei Brandmeldern geschuldet war. Die Hauptleitung war damals erneuert worden.

„Gott sei Dank hat man vor drei Jahren in die Unterkunft investiert, vor allem in den Brandschutz“, kommentierte Winterhalter gestern. Dank des selbstständig sich öffnenden Rauchabzugs im Dach und dank der dicht schließenden Brandschutztüren haben die Wohnungen rauchfrei gehalten werden können, zeigte sich der Bürgermeister erleichtert. Auch die untereinander vernetzten Rauchmelder hatten dazu geführt, dass Feuerwehr und Polizei schnell alarmiert werden konnten. „Wenn der Brand nicht so schnell bemerkt worden wäre, hätte die Sache schlimm ausgehen können“, ist Feuerwehrkommandant Hielscher überzeugt. Von einem fremdenfeindlichen Hintergrund gehen momentan weder der Bürgermeister noch die Polizei aus.

Was den materiellen Schaden angeht, machte gestern die Zahl 100 000 Euro die Runde. „Ich weiß nicht, wo das herkommt“, sagte Winterhalter, über den Schaden könne man bisher nichts sagen. Jedenfalls sei das Gebäude nicht mehr zu retten. Jetzt müsse man schnell für die zehn bis 15 Personen, die in der Blankensteinhalle Unterschlupf gefunden haben, ein Quartier suchen, denn die neuen Flüchtlingsunterkünfte in der Maybachstraße und in den Stangenwiesen sind erst in einem Viertel- jahr fertig. Mitglieder des Freundeskreises Asyl hatten dafür gesorgt, dass die obdachlos Gewordenen ihre persönlichen Dinge aus dem Haus holen konnten. Und Conny Fies vom „Lädle“ öffnete gestern Vormittag spontan die Türen des Secondhandladens, damit sich die Menschen mit dem Nötigsten eindecken konnten. „Ein Mädchen war im Schlafanzug“, berichtete Regina Traub, eine der Aktivistinnen des „Lädles“.