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Firmensommer

Vakuumpresse, Schatzsuche und Biene Maja

Finde den Beruf, der zu Dir passt – so lautet das Motto des Firmensommers. Das Angebot richtet sich an Schüler, die die Ferien dazu nutzen wollen, in verschiedene Berufsfelder hineinzuschnuppern. Insgesamt stehen etwa 1000 Praktikumsplätze zur Verfügung.

Azubi Robin Gahlbeck (Zweiter von links) führt junge Leute in den Schreinerberuf ein. Rechts lernen Teilnehmer des Projekts den Beruf des Vermessungstechnikers kennen. Fotos: Oliver Bürkle
Azubi Robin Gahlbeck (Zweiter von links) führt junge Leute in den Schreinerberuf ein. Rechts lernen Teilnehmer des Projekts den Beruf des Vermessungstechnikers kennen. Foto: Oliver Bürkle
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Kreis Ludwigsburg. Beim Landratsamt Ludwigsburg erhielten fünf Jugendliche zu Beginn der Ferienaktion Einblicke in die Vermessungstechnik. Den Auftakt bildete eine Einführung im Kreishaus. Theorie war in diesem Fall aber nicht gleichbedeutend mit Langeweile: So durften die Schüler mit Hilfe des Geoinformationssystems das Gebäude heraussuchen, in dem sie wohnen – und diese Ansicht aus der Vogelperspektive ausdrucken.

Im Archiv kam es darauf an, anhand alter Messunterlagen herauszufinden, wann ein historisches Gebäude in Bietigheim-Bissingen für das Liegenschaftskataster eingemessen worden ist. Nach einer kurzen Einführung in alte und aktuelle Vermessungsmethoden ging es nach draußen, auf ein Feld am Oßweiler Weg zwischen dem Ludwigsburger Stadtteil Grünbühl und Kornwestheim. Der Wechsel zwischen der Arbeit am Schreibtisch, also am Computer, und der in der freien Natur macht schließlich den Reiz der Vermessungstechnik aus. Als es darum ging, einen Grenzstein freizulegen, der eine wichtige Orientierungshilfe bietet, griffen die Jugendlichen sogar zum Spaten.

„Wir brauchen dringend Nachwuchs“, sagt Thomas Meyer, Leiter des Fachbereichs Vermessung, Flurordnung und Landkreisentwicklung. Derzeit seien zwei Stellen unbesetzt. Außerdem seien zwölf der aktuell 68 Mitarbeiter in seiner Abteilung älter als 60 Jahre. Jedes Jahr werden zwei bis drei junge Leute ausgebildet. „Wir wollen interessierten Schülern zeigen, wie Vermessung funktioniert“, so Meyer. Der Umgang mit Technik, so seine Erfahrung, macht vor allem den jungen Leuten großen Spaß. Bei der modernen Vermessung wird auf Satelliten zurückgegriffen. Das ist zwar vergleichbar mit Navigationssystemen, aber diese Methode ist wesentlich exakter.

„Wir dürfen Drohnen ganz legal zur Vermessung einsetzen“, so Meyer, der angesichts des Berufsbildes Vermessungstechnik fast ins Schwärmen geriet: „Es gibt eine unglaubliche Spannung an Tätigkeitsfeldern von der Liegenschafts- und Straßenvermessung bis zur Erfassung und dem Management von Geodaten“, sagt der Experte. Auch bei Fragen der Flurbereinigung oder der Planung neuer landwirtschaftlicher Wege ist der Sachverstand der Vermessungstechniker und -ingenieure gefragt.

Weil der Spaß beim Firmensommer-Schnuppertag nicht zu kurz kommen sollte, war der berufliche Einblick mit einer Schatzsuche für die Jugendlichen verbunden. Beim Messparcours wurden sie von angehenden Vermessungstechnikern betreut, die noch in der Ausbildung sind. Geduldig erklärten sie die Funktionsweise der Geräte. „Sehr interessant“, findet die 17-jährige Ines vom Christoph-Schrempf-Gymnasium in Besigheim den Einblick in diese Sparte des Berufslebens. Sie könne sich sogar vorstellen, eine entsprechende Ausbildung zu machen. Dass es sich nicht um einen reinen Bürojob handelt, gefiel dem 14-jährigen Mick vom Stromberg-Gymnasium in Vaihingen. Vorher habe er wenig konkrete Vorstellungen von dem Beruf gehabt.

Wie vielfältig der Beruf des Schreiners ist, erfuhren die drei Jugendlichen, die bei Werk 33 in Enzweihingen einen Tag lang in den Produktionsalltag eintauchten. Robin Gahlbeck ist Auszubildender im zweiten Lehrjahr. Unter seiner Anleitung sägten und bearbeiteten die drei Schüler kleine Holzteile. „Wir nehmen zum ersten Mal an der Aktion Firmensommer teil“, erzählte Produktionsleiter Christoph Metzger. Zwar seien für das nächste Ausbildungsjahr alle Lehrstellen besetzt, Nachwuchs werde aber immer benötigt. „Bewerber sollten Interesse an dem Beruf haben und motiviert sein, den Rest kann man lernen“, so Metzger.

Das Unternehmen, in dem mehr als 60 Mitarbeiter beschäftigt sind, ist auf hochwertigen Innenausbau spezialisiert. Hier wird am PC konstruiert und sowohl mit Maschinen als auch in Handarbeit gebaut. Jeder Arbeitsplatz ist mit einem Computer ausgestattet. Nach dem Rundgang durch die einzelnen Abteilungen – von der Arbeitsvorbereitung über das Bearbeitungszentrum bis zur Oberflächenveredelung – zeigte Robin Gahlbeck den Jugendlichen, wie man aus einer Holzplatte die Umrisse von Biene Maja fräst. Um später zu zeigen, wie ein Möbelstück entsteht, hatte er eine Skizze gezeichnet.

„Ich wollte einen Handwerksbetrieb kennenlernen“, erzählte das einzige Mädchen in der Gruppe, die 15-jährige Paula, die das Lichtenstern-Gymnasium in Sachsenheim besucht. „Es macht Spaß“, so das Urteil des 14-jährigen Emil vom Ellental-Gymnasium in Bietigheim-Bissingen. Dass es beim Schleifen des Holzes etwas staubt, störte ihn gar nicht. Grundsätzlich Interesse an dem Beruf hat der um zwei Jahre ältere Alexander, der die Ferdinand-Steinbeis-Realschule in Vaihingen besucht.

Für die Mittagspause hatte Christoph Metzger sich etwas Besonderes einfallen lassen. Er grillte für die Besucher. Anschließend erklärte er ihnen die Funktionsweise der Vakuumpresse, bevor die Schüler Gelegenheit zu einer Gesprächs- und Fragerunde mit Projektleitern von Werk 33 hatten. „Ich hoffe, dass der ein oder andere Schüler Interesse an dem Beruf des Schreiners findet“, so Metzger. T-Shirt und Meterstab sollen die drei Schüler später an ihren Besuch bei Werk 33 erinnern.

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