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GemeinderATSWAHLEN

Wählervereinigungen weiter stärkste Kraft in Rathäusern

Erstmals sind Grüne und grün geprägte Listen in drei Kreiskommunen die stärkste Kraft vor Ort: Außer in Ludwigsburg haben sie auch in Besigheim und Sachsenheim knapp die Nase vorn. Die dominierende politische Kraft kreisweit sind aber nach wie vor die Wählervereinigungen.

Wie hier in Marbach wurden gestern die Gemeinderatswahlen in den 39 Kreiskommunen ausgezählt. Foto: Holm Wolschendorf
Wie hier in Marbach wurden gestern die Gemeinderatswahlen in den 39 Kreiskommunen ausgezählt. Foto: Holm Wolschendorf

Kreis Ludwigsburg. In einigen kleineren Kommunen traten auch diesmal wieder nur Wählervereinigungen an, die zwar großteils, aber keineswegs alle dem Landesverband der Freien Wählerbereinigung angeschlossen sind. Insgesamt sind die nicht parteigebundenen Wahllisten bei der Kommunalwahl am Sonntag in 26 von 39 Kreiskommunen als Sieger durchs Ziel gegangen. Zehn Städte und Gemeinden wählten die CDU zur stärksten Kraft vor Ort.

In etlichen Kommunen, vor allem in den Städten, rückten die Grünen nahe an FWV und Union heran. In Kornwestheim etwa hat die CDU gerade noch die Oberhand gegenüber den Grünen behalten. Die Union musste hier heftige Verluste hinnehmen und kommt noch auf 24,5 Prozent. Die Grünen können sich auf 22,1 Prozent verbessern. In Asperg verlor die CDU zwei von fünf Sitzen, ihr örtliches Urgestein Rolf Janiak musste diesmal völlig überraschend die Segel streichen.

Die AfD spielte bei dieser Kommunalwahl keine Rolle – sie trat erst gar nicht an und gab damit auch die 2014 in Sachsenheim und Korntal-Münchingen gewonnenen Mandate wieder ab. Nahezu ungebremst setzt sich der Absturz der SPD auch in den Kommunalparlamenten fort – in Schwieberdingen etwa auf besonders drastische Art und Weise. Sechs Parteien und Wählervereinigungen schaffen es hier erneut in den Gemeinderat – und die Sozialdemokraten kommen mit 10,67 Prozent auf: Platz sechs. Dabei holte die einst so stolze Partei in der Bosch-Kommune Schwieberdingen vor zehn Jahren noch deutlich mehr als 20 Prozent. Ganz anders sieht es für die SPD in Eberdingen aus. 27 Prozent gibt es dort, vor fünf Jahren waren es 23,3 Prozent. Allerdings dürfte die Zunahme wohl eher am Fraktionspartner liegen: der Grünen Liste. Beide treten dort gemeinsam an.

Nein, überraschend ist es nicht, dass Die Partei in Hemmingen ihren kreisweit ersten Sitz holt – das war schon erwartet worden, zudem deuteten das die Ergebnisse der Europawahl an. Der Parteichef und EU-Abgeordnete Martin Sonneborn habe umgehend angerufen und gratuliert, sagt Ortschef und Neu-Gemeinderat Markus Walker. Seine Truppe holt 7,5 Prozent, „bestes Ergebnis seit Kriegsende. Die Spaßpartei FDP wurde klar überholt“, heißt es über den Konkurrenten, der auf 6,6 Prozent kommt. Offen war nur, wer einen Sitz abgeben muss: Entgegen des Kreistrends sind das die Freien Wähler, die von 32,6 auf 29,8 Prozent (fünf Sitze) fallen, wenngleich auch die CDU verliert, von 39,5 auf 35,9 Prozent.

In Markgröningen ist der Freie Wähler Rainer Gessler, 60, wieder Stimmenkönig geworden. Ebenfalls in den Gemeinderat hat es auf Anhieb sein 20 Jahre alter Neffe Maximilian Gessler geschafft. Die FDP schafft den Einzug ins Gremium mit einem Sitz.

Großes Stühlerücken in Korntal-Münchingen: Dort trat fast die Hälfte der Stadträte nicht mehr an. Zudem verlor die CDU deutlich, von 33,6 auf 26,1 Prozent – mit künftig sechs statt sieben Sitzen reicht es auch nicht für die nach eigenen Angaben landesweit jüngste Kandidatin, Alina Wenger. Verloren hat auch die SPD ihren vierten Sitz, dafür erhalten die Freien Wähler zwei mehr – künftig sechs und sind zweitstärkste Fraktion knapp hinter der CDU. Die FDP legt von zwei auf drei zu. Für die Grünen reicht es trotz Stimmenzuwachs nicht für den fünften Sitz.

Eine neue Liste zieht in den Besigheimer Gemeinderat: „Wir Besigheimer Bürger“ wird künftig mit drei Stadträten vertreten sein. Stärkste Fraktion ist nun das Grünen-nahe BMU, das fünf Sitze geholt hat. Verluste hinnehmen mussten zwar auch die SPD und die FWV, aber während die Fraktionen lediglich einen Sitz verloren haben, sind es bei der CDU gleich zwei (auf vier). Die CDU hat auch in Kirchheim ordentlich Verlust gemacht: Sie sitzt dort nun noch mit einem Vertreter im Gemeinderat, derzeit sind es vier. Wobei keiner der aktuellen CDU-Gemeinderäte mehr für die Partei antrat: Zwei hörten ganz auf, Christoph Braun trat für die Wählergemeinschaft an und Erich Schneider für die Unabhängigen. Beide wurden ins Gremium gewählt.

Sensation auch in Vaihingen: Dort gewann die aus der Bürgergärten-Bewegung hervorgegangene Liste Bürger bewegen Vaihingen auf Anhieb vier Sitze, ein Mandat holte die ebenfalls neue Liste Wir für Vaihingen. Mit Ausnahme der Grünen mussten alle anderen Listen Feder lassen. Einige neue Gesichter wird es im Freiberger Gemeinderat geben. Stärkste Kraft sind dort jetzt die Freien Wähler, die mit 25,3 Prozent der Stimmen einen sechsten Sitz dazugewonnen haben. (elf/jsw/stew/phs/pro)