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Wenn der Spaß kein Spaß mehr ist

Schüler der Philipp-Matthäus-Hahn-Gemeinschaftsschule besuchen Theaterstück über Mobbing und Ausgrenzung

Die Theatergruppe Q-Rage spielt im Jugendzentrum. Foto: Holm Wolschendorf
Die Theatergruppe Q-Rage spielt im Jugendzentrum. Foto: Holm Wolschendorf

Kornwestheim. Mobbing und Ausgrenzung werden in dem Theaterstück „Am Limit“ thematisiert. Schüler der Philipp-Matthäus-Hahn Gemeinschaftsschule haben eine Aufführung der Theatergruppe Q-Rage im Jugendzentrum (Juz) besucht.

Für Friedhelm Hoffmann, der mittlerweile in Schwäbisch-Gmünd lebt, war es ein besonderes Anliegen, dass dieses Stück in seiner ehemaligen Heimatstadt aufgeführt wird. Er ist Vorstandsmitglied des Vereins „Ein Stern für Lena – Gegen Gewalt“, der in Erinnerung an seine Nichte Lena von ihren Eltern gegründet worden ist. Sie ist im Alter von 21 Jahren im September 2015 in Stuttgart ermordet worden. Der Verein will für das Thema Gewalt sensibilisieren, Strategien zur Deeskalation vermitteln und für Zivilcourage werben. So hat sich die Zusammenarbeit mit dem renommierten Theater Q-Rage aus Ludwigsburg ergeben. „Q Rage hat das Theaterstück für uns geschrieben“, so Hoffmann. Und er verriet, dass ein neues Theaterstück für jüngere Schüler bereits in Planung ist.

Für „Am Limit“ haben die beiden Theatergründer und Regisseure Sandra Hehrlinger und Jörg Pollinger mit dem Konflikttrainer Stefan Bettels zusammengearbeitet. Die Bühnenhandlung wird immer wieder unterbrochen und die jugendlichen Zuschauer einbezogen.

Gespräch mit dem Publikum

Erzählt wird die Geschichte von Julia (Laura Pletzer), die mit Max (Tobias Wagenblaß) befreundet ist. Als die neue Mitschülerin Anna gemobbt wird, vertraut Julia sich einer Lehrerin an – und wird plötzlich selbst ausgegrenzt, in den sozialen Medien diffamiert und als Petze beschimpft. Max muss sich entscheiden, ob er weiterhin zu Julia stehen will oder sich an der Ausgrenzung beteiligen will. Immer wieder verlassen die Schauspieler ihre Rolle und suchen das Gespräch mit den Jugendlichen.

„Ist es Spaß, jemanden zu ärgern und zum Beispiel an den Haaren zu ziehen?“, will Laura Pletzer alias Julia von den Jugendlichen wissen. Bei den Schülern herrscht Einigkeit darin, dass eine Situation nur dann spaßig ist, wenn alle Spaß daran haben. Und ist es Petzen, wenn man eine andere Person ins Vertrauen zieht und Hilfe holt? „Sie hat etwas weitergesagt, weil sie ihrer Mitschülerin helfen wollte“, gibt ein Mädchen zu bedenken. Tobias Wagenblaß schlüpft aus seiner Rolle als Max heraus und überlegt gemeinsam mit den Schülern, wie man sich verhält, wenn man im öffentlichen Raum mitbekommt, dass gerade etwas schiefläuft. Hier sei es wichtig, sich selbst nicht in Gefahr zu bringen, sondern Passanten um Hilfe zu bitten oder die Polizei zu alarmieren.

Das Geschehen auf der Bühne wird durch Videosequenzen ergänzt. Ein Raunen geht durch die Menge, als die Schulszenen zu sehen sind, die sind nämlich in der Philipp-Matthäus-Hahn-Schule gedreht worden.

„Wäre es nicht cool, wenn wir unser Verhalten öfter mal hinterfragen würden und verantwortlich mit dem umgehen, was wir getan haben?“, gibt Laura Pletzer alias Julia den Jugendlichen mit auf den Weg. Und dass jeder Einzelne seinen Teil zu einem guten Miteinander beitragen kann.

Viel Applaus gibt es in der Schlussszene: Und wohl nicht nur, weil Max sich vor Julia stellt und Position gegen die mobbenden Mitschüler bezieht.

Die Botschaft von „Am Limit“ kommt ebenso wie die schauspielerische Leistung gut bei den Schülern an. Beim Besuch der Theateraufführung wird es nicht bleiben: Das Gesehene soll im Unterricht nachbereitet werden. Dass die Gemeinschaftsschüler dieses Theaterstück besuchen konnten, hat übrigens der Lions-Club Kornwestheim durch seine finanzielle Unterstützung ermöglicht.

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