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Verkehr

Werte für ein Fahrverbot zu niedrig

Für Fahrverbote ist die Luft in Beilstein zu gut. Dabei hatten die Stadträte gehofft, auf diesem Weg die Lastwagen aus der teils engen Hauptstraße verbannen zu können. Damit ist auch diese letzte Chance verpufft.

Die Beilsteiner Hauptstraße ist teilweise sehr eng. Die Stadt hatte gehofft, wegen schlechter Luft ein Durchfahrverbot für Lastwagen erwirken zu können – allerdings ohne Erfolg.Archivfoto: Oliver Bürkle
Die Beilsteiner Hauptstraße ist teilweise sehr eng. Die Stadt hatte gehofft, wegen schlechter Luft ein Durchfahrverbot für Lastwagen erwirken zu können – allerdings ohne Erfolg. Foto: Oliver Bürkle

Beilstein. Zu Stoßzeiten erstickt die Stadt regelmäßig im Verkehr. Bei Lkw-Fahrern ist die Bottwartalroute beliebt. Begegnen sich Lastwagen und Bus, wird’s oft gefährlich eng am historischen Rathaus. Das stinkt den Beilsteinern seit Jahrzehnten. „Mit 15.000 Fahrzeugen am Tag ist die Ortsdurchfahrt zwar stark, aber nicht übermäßig belastet“, sagte Christine Seuffert von der Ingenieurgesellschaft Müller BBM in der Gemeinderatssitzung. Auch wenn rund zehn Prozent auf den Schwerlastverkehr entfallen. Trotzdem habe die Stadt Luft nach oben. Durchfahrtsverbote durchzusetzen, sei sehr schwierig. „Es ist unfair, dass Kommunen das ausbaden müssen, was die Automobilindustrie verseppelt hat“, sagte Seuffert.

Die Belastung durch Feinstaub liegt am Messpunkt in der Hauptstraße 7 deutlich unter den Grenzwerten der Bundesimmissionsschutzverordnung. Zulässig ist demnach ein Mittelwert von 40 Mikrogramm, erreicht wurden 19 Mikrogramm. Ein Wert von 50 Mikrogramm darf an maximal 35 Tagen im Kalenderjahr überschritten werden. Unter dem Langhans war das an sieben Tagen der Fall. Der Höchstwert mit 282 Mikrogramm wurde an Neujahr nach dem Silvesterfeuerwerk festgestellt.

Die mittlere Konzentration bei Stickstoffdioxid betrug bei den beiden Messstationen in der Hauptstraße 31 und 37 Mikrogramm, in der Gartenstraße sogar nur 19. „An allen Messorten wurden somit die Grenzwerte unterschritten“, erklärte die Ingenieurin Seuffert dem Gemeinderat. Die Ergebnisse seien überprüft und repräsentativ. Rund 15.000 Euro hat das Gutachten gekostet.

Auf der einen Seite ist Dietmar Rupp von den Freien Wählern erleichtert, dass die Werte besser als erwartet sind. „Eigentlich aber wollten wir eine Handhabe gegen die Lastwagen“, meinte er: Ziel verfehlt. Stefan Suberg von der CDU kommentierte: „Unsere Hauptstraße ist nicht das Neckartor in Stuttgart.“ Sein Fraktionskollege Oliver Kämpf sagte: „Wir sind ohne Konzept Opfer des eigenen Wachstums und haben Grenzen im Verdichtungsraum erreicht.“ Er forderte, den öffentlichen Nahverkehr zu stärken. Auf Nachfrage von Bernd Kircher (SPD) meinte Seuffert, bei steigenden Verkehrszahlen seien Hochrechnungen der Luftwerte zwar möglich, aber nicht so einfach.

„Ausschließlich im Fall von Überschreitungen der Schadstoffgrenzen besteht die Möglichkeit, über einen Luftreinhalteplan Maßnahmen zur Verbesserung der Situation zu beantragen“, sagte Bürgermeister Patrick Holl. Pförtnerampeln an den Ortseingängen zum Beispiel, Durchfahrverbote je nach Euro-Norm oder eben das teilweise Aussperren von Lastwagen aus der Ortsmitte. „Zu all dem fehlt uns nach dem Abschlussbericht die rechtliche Grundlage.“ Die Aufstellung eines Luftreinhalteplans wurde deshalb zu den Akten gelegt. An regelmäßigen Straßenreinigungen solle aber festgehalten werden. Wie auch am langfristigen Ziel einer Ortsumfahrung und der Reaktivierung der Bottwartalbahn. Eine Umgehungsstraße für Beilstein ist aber auf Jahre nicht in Sicht, ein Tunnel unrealistisch. Was blieb, ist ein Lärmaktionsplan mit Schallschutzfenstern und Tempo 30.

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