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Stadtbahn

„Wir sehen Licht am Horizont“

Mit Erleichterung haben die beteiligten Kommunen die Einigung des Landrats Rainer Haas und des Ludwigsburger Oberbürgermeisters Werner Spec im Streit um die Stadtbahn aufgenommen. Ihre Hoffnung: Dass es nun schnell zu Verbesserungen im ÖPNV kommt.

Zugewachsene Bahnstrecke bei Markgröningen: Die Reaktivierung der Trasse mit einer Stadtbahn rückt näher. Archivfoto: Alfred Drossel
Zugewachsene Bahnstrecke bei Markgröningen: Die Reaktivierung der Trasse mit einer Stadtbahn rückt näher. Foto: Alfred Drossel

Kreis Ludwigsburg. Auf Gleise stößt in Markgröningen nur, wer danach fahndet. Sie sind seit Jahren von Grünzeug und Gestrüpp überwuchert, aus der Bahnstrecke nach Möglingen und Ludwigsburg ist ein Biotop geworden, in dem sich Greifvögel und Hasen wohlfühlen – womöglich aber nicht mehr lange. Denn der Markgröninger Bürgermeister Rudolf Kürner hat jetzt „eine bisher nicht dagewesene Chance“ ausgemacht, dass auf der Trasse schon bald Stadtbahnen rollen und die Planungen dafür gemeinsam vorangetrieben werden können. Der Grund für Kürners Optimismus: Die Einigung, die der Landrat Haas und der Ludwigsburger OB Spec nach einem lange Zeit erbittert geführten Streit vor einer Woche im Kreishaus verkündet haben.

Demnach sollen zwischen Markgröningen, Möglingen, Ludwigsburg und Pattonville ab 2025 Stadtbahnen zunächst in einem Vorlaufbetrieb verkehren. In Pattonville findet dann der Umstieg auf die gelbe SSB-Variante statt, die in Richtung Remseck und Stuttgart rollen soll. Dazu kommen gegen 2021 Schnellbusse von Ludwigsburg bis Neckargröningen und die Oststadt. „Die Projekte sind zwar noch nicht in trockenen Tüchern“, sagt Kürner. „Aber wir sehen Licht am Horizont.“

Die Möglinger Bürgermeisterin Rebecca Schwaderer ist nach eigenen Angaben „froh, dass es den Durchbruch gegeben hat“. Die Schiene sei „zwingend nötig“, um das Verkehrsproblem zu lösen. Nun sei es wichtig, dass auch die kommunalen Gremien diesen Schritt mitgingen. Insgesamt gebe es noch viel zu diskutieren, vor allem die Aufteilung der Kosten, sagte sie mit Blick auf die Frage nach der Beteiligung des Kreises an den Schnellbussen im Ludwigsburger Stadtgebiet.

In Remseck freut sich der Oberbürgermeister Dirk Schönberger unterdessen, dass der Umstieg vom Ludwigsburger Stadtbahnsystem auf die Stuttgarter Hochflurzüge in Pattonville erfolge. Die bestehende Remsecker Linie ist in seinen Augen ein Erfolgsmodell. „Ich hoffe, dass wir mit unseren Planungen nun schnell voranschreiten können und die Stadtbahn nach Ludwigsburg bald in Betrieb geht.“ Der Kreis sei im Angesicht der vielen Staus auf ein gutes ÖPNV-System angewiesen.

Zunächst müssen jedoch die entsprechenden Beschlüsse in den Gemeinderäten gefasst werden. Daran erinnerte der Schwieberdinger Bürgermeister Nico Lauxmann gestern. Erst danach könnten der Kreis und die Kommunen einen Zweckverband gründen, in dem das Vorhaben gemanagt wird. Schwieberdingen ist wie Kornwestheim mit dabei, weil die Projektpartner auch eine Studie in Auftrag geben wollen, die untersucht, wie Stadtbahnen zum Bosch-Standort und zum Wüstenrot-Sitz geführt werden können. „Wir haben großes Interesse am Anschluss der Stadtbahn für unser Gewerbegebiet“, sagt Lauxmann. „Den Kompromiss zwischen dem Landkreis und der Stadt Ludwigsburg begrüßen wir sehr. Er ist ein wichtiger Schritt zur Realisierung dieses wichtigen ÖPNV-Projekts.“

Auch für Kornwestheim ist der Anschluss zu einem großen Arbeitgeber von Bedeutung, weshalb die Stadt nicht nur über den Zweckverband Pattonville, sondern auch – zumindest mit einem Gastrecht – selbst im zu gründenden Stadtbahn-Zweckverband vertreten sein will, so Bürgermeister Dietmar Allgaier. Er selbst ist zwar zufrieden, dass es den Kompromiss gibt, mit dem Verlauf aber nicht: Kompromisse ergäben immer die teuersten Lösungen, sagt er in seiner Funktion als CDU-Kreisrat und spielt auf die Kostenbeteiligung an den BRT-Bussen an.

Das ist auch Thema für Markgröningens Bürgermeister Kürner, der dazu sagt: „Über die Kreisumlage sind wir bei der Finanzierung ohnehin dabei. Wie die späteren Kosten aufgeteilt werden, kann erst in dem noch zu gründenden Zweckverband ausgehandelt werden.“

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