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Einsatz

Zirkustour für den Klimaschutz

Sie genießen zwar nicht die weltweite Aufmerksamkeit einer Greta Thunberg, Ikone der „friday for future“-Bewegung, doch ihr Ziel ist dasselbe: Die Teilnehmer der Tour de Cirque kämpfen für den Klimaschutz. „Wir sind noch etwas länger auf der Welt als ihr, also macht endlich etwas, um den Klimawandel zu stoppen“, fordern sie die Erwachsenen auf.

Artistik mit politischer Botschaft: die Tour de Cirque in Walheim. Foto: Andreas Becker
Artistik mit politischer Botschaft: die Tour de Cirque in Walheim. Foto: Andreas Becker

Walheim. Diese politische Botschaft vermitteln sie mit einer Zirkusshow, die sie während einer zwölftägigen Jugendfreizeit des evangelischen Jugendwerks Heidelberg einstudiert und viermal vorgeführt haben. Die Veranstaltungsorte ihrer Tournee entlang des Neckars steuerten sie klimafreundlich mit dem Fahrrad oder Kanu an. „Es ist bereits die sechste Tour de Cirque. Einige Kinder sind zum ersten Mal dabei, andere machen seit der ersten Tournee im Jahr 2009 mit“, sagte Zirkuspädagoge Peter Böhme, Initiator und Hauptverantwortlicher der Öko-Zirkustour, bei der finalen Veranstaltung in Walheim.

Kurz vor der Aufführung probten die Teilnehmer schnell noch einmal ihre Nummer. „Ich finde es cool, Klimaschutz mit Zirkus zu verbinden“, erzählte die zwölfjährige Anna, die auch schon oft bei den „friday for future“-Demos in Heidelberg dabei war. Dass Greta Thunberg die Bewegung angestoßen hat, findet Anna gut. „Aber wir können nicht alles von einer einzigen Person abhängig machen. Man muss selbst einsteigen“, wünscht sie sich von noch viel mehr Jugendlichen und Erwachsenen Engagement. Auch Peter lebt umweltbewusst und nimmt an Demos teil, doch bei der Freizeit stehen für ihn die Gemeinschaft und die Akrobatik im Mittelpunkt. „Zirkus macht Spaß und die Leute sind alle cool“, erklärte er, weshalb er seit Jahren dabei ist.

Auf der Walheimer Burg hatten die jungen Öko-Akrobaten am Samstag das Gelände des CVJM-Heims in eine Zirkusmanege verwandelt. Mit Artistik und Jonglage, auf Einrädern, Balancebrettern und Stelzen zeigten sie die Auswirkungen des Klimawandels und machten deutlich, dass es nur eine Erde gibt. Jeder Programmpunkt stellte eine Umweltsünde in den Fokus, den ein kurzer Dialog zwischen einem Umweltschützer und einem Vertreter der „sollen doch die anderen machen“-Fraktion auf den Punkt brachte. Jedes Wort wurde in Gebärdensprache übersetzt, da an diesem inklusiven Projekt auch ein gehörloses Mädchen teilnahm.

Luftverschmutzung am Himmel durch Fliegen, Verkehrsprobleme in den Städten, Insektensterben, Massentierhaltung, respektloser Umgang mit der Natur oder Plastik in den Meeren – nichts wurde ausgespart. Just als die Teilnehmer die schmelzenden Eisberge darstellten, kam die Sonne hinter den grauen Wolken hervor. Mit Zigarrenschachteln kann man auch beeindruckend jonglieren, anstatt den Inhalt zu rauchen, prangerten die Jugendlichen die Schadstoffbelastung und weggeworfene Kippen an. Auf Balancebrettern ging es durchs verschmutzte Meer, auf Hocheinrädern radelten sie gegen den Verkehrskollaps. Auf Stelzen rückten die Teilnehmer die Folgen fürs Klima durch massive Abholzung der Regenwälder ins Bewusstsein. Sehr beeindruckend waren auch die akrobatischen Leistungen mit Überschlägen, komplizierten Sprüngen und Pyramiden. Ein besonderer Höhepunkt war die spektakuläre, siebenstöckige Menschenpyramide.

Knapp 60 Zuschauer verfolgten die beeindruckende Zirkusshow, darunter viele Eltern der Teilnehmer. Die Tour de Cirque hätte durchaus mehr Zuschauer verdient. Denn die Botschaft wurde originell und sehr eindrücklich vermittelt – aber auch unabhängig davon, war die Vorstellung durch das hohe Können äußerst sehenswert.

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