Ludwigsburg | 14. Juni 2018

„Automatisierung schafft Jobs“

Ludwigsburger Firma Weiss Robotics ist mit Herstellung von Greifsystemen auf Erfolgskurs

Dieser Roboterarm ist mit einem Greifmodul von Weiss Robotics bestückt.
Dieser Roboterarm ist mit einem Greifmodul von Weiss Robotics bestückt.
Chef von Weiss Robotics in Ludwigsburg-Oßweil: Karsten Weiß. Fotos: Oliver Bürkle
Chef von Weiss Robotics in Ludwigsburg-Oßweil: Karsten Weiß. Fotos: Oliver Bürkle

Ludwigsburg. Vor neun Jahren hat Karsten Weiß seine Firma Weiss Robotics in einem Mehrfamilienhaus in Pflugfelden gegründet. Nach einem Umzug in das Oßweiler Gewerbegebiet entwickelt und produziert das Unternehmen heute intelligente Greifsysteme – ein Zukunftsmarkt mit weltweitem Kundenstamm.

 

Es gibt sie noch, die schwäbischen Tüftler, die in der heimischen Garage an innovativen Produktionslösungen tüfteln. Einer von ihnen ist Karsten Weiß. Als Schüler gewann er 1998 den „Jugend-forscht“-Wettbewerb auf Bundesebene. Ein Messgerät für Melkmaschinen brachte es bis zur Marktreife, der Ehrgeiz des jungen Tüftlers war geweckt. Nach seinem Maschinenbaustudium machte er seinen Doktor in Robotik am Karlsruher Institut für Technologie und gründete Ende 2008 sein Unternehmen Weiss Robotics, mit dem er sich auf intelligente Greifsysteme spezialisierte.

 

Die Anfänge waren bescheiden, Weiß und ein Mitarbeiter starteten in einem Mehrfamilienhaus in Pflugfelden. Dort konnten sie zunächst eine weitere Wohnung im Obergeschoss anmieten, doch schon bald reichte auch dieser Platz nicht mehr aus. Weiss Robotics ist in einem Zukunftsmarkt tätig, weltweit investieren Unternehmen in die Automatisierung ihrer Produktion – und die Ludwigsburger Firma ist derzeit einer der wenigen Produzenten, der elektrische Greifsysteme anbietet.

 

40 Prozent Umsatzsteigerung

 

Das Wachstum vollzieht sich in atemberaubendem Tempo. Umsatzzahlen gibt Weiss Robotics – das Unternehmen beschäftigt derzeit zwölf Mitarbeiter – nicht bekannt. Von 2017 auf 2018 rechne er aber mit einer Umsatzsteigerung von 40 Prozent, so der Geschäftsführer am vergangenen Donnerstagnachmittag, als sich das 2013 nach Oßweil umgezogene Unternehmen erstmals bei einem Tag der offenen Tür der Öffentlichkeit präsentiert.

 

Ursprünglich waren die Abnehmer vor allem große Anlagenbauer, die Weiss Robotics im regionalen Umfeld zur Genüge findet. Seit etwa zwei Jahren nehme die Nachfrage aber auch bei klassischen Mittelständlern zu, hat Weiß beobachtet. „Das wird zum Beispiel interessant, wenn ein mittelständisches Unternehmen von einem Automobilbauer einen Auftrag für die Fertigung von 10 000 Teilen erhält“, erläutert Weiß. In der Vergangenheit mussten dann neue Maschinen angeschafft werden – eine Investition, die schnell in die Hunderttausende geht.

 

Stattdessen kauft sich der Kleinbetrieb jetzt einen Roboter für 20 000 Euro, auf den das Greifmodul von Weiss Robotics aufgesetzt wird. Ein solches „Gripkit“, mit dem bis zu acht Greifer an einer Robotersteuerung betrieben werden können, kostet etwa 3000 Euro – eine enorme Kostenersparnis für den Mittelständler. „Die Lösung ist natürlich nicht so umfassend wie eine Maschine aus dem Fräs- und Drehzentrum“, erklärt der Geschäftsführer. „Aber sie reicht aus, um den Auftrag abzuwickeln.“ Zudem seien servoelektrische Lösungen umweltfreundlicher, weil im Gegensatz zu herkömmlichen pneumatischen Greifern keine Druckluft erzeugt werden muss. „Das erfordert deutlich weniger Energie und kostet somit auch weniger Geld“, sagt Weiß. Die elektrischen Greifer seien besser für den Umgang mit fragilen Materialen wie Glas oder Kunststoff geeignet als ihre pneumatischen Vorläufer, und die digitale Wartung sei viel effektiver. „In einer Fabrikhalle besteht eine Produktionslinie aus 100 Greifern“, sagt der Geschäftsführer. „Bei pneumatischen Greifern muss die gesamte Anlage heruntergefahren werden, wenn es mal klemmt.“ Das „Gripkit“ dagegen ermögliche eine lückenlose Kontrolle ohne vorübergehendes Einstellen der Produktion.

 

Vorwiegend in Europa tätig

 

Zu 70 Prozent stellt Weiss servoelektrische Greifer her, zu 30 Prozent pneumatische Lösungen mit integrierter Elektrik. Bislang ist die Firma noch überwiegend in Europa tätig. Anfragen kämen aber zunehmend aus dem asiatischen Raum, derzeit baut die Firma ein Händlernetz in den USA auf. Weiß sieht sich gut für den internationalen Konkurrenzkampf gerüstet. „Made in Germany“ sei immer noch ein weltweit gefragtes Gütesiegel, und Mitbewerber aus den USA kämen vor allem aus dem Hochschulbereich. „Dort hat man nicht so hohe Anforderungen an Präzision und Zuverlässigkeit.“

Der Kurs bleibt also auf Wachstum ausgerichtet. Dass die zunehmende Automatisierung Arbeitsplätze vernichtet, glaubt Weiß aber nicht. Im Gegenteil: „In den vergangenen Jahren hat die Automatisierung eher Arbeitsplätze geschaffen, sonst hätten wir in der Region Stuttgart keine Vollbeschäftigung. Unsere Lösungen ersetzen höchstens Jobs, etwa im Anlagenbau, für die heutzutage niemand mehr einen Finger krumm machen will.“

Frank Klein
Weitere Artikel aus diesem Ressort
Anzeige
UMFRAGE
Weniger Zucker

Über die Pläne von Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) für weniger Zucker, Fett und Salz in Fertigprodukten gibt es Streit. Soll der Staat Regeln für weniger Zucker in Lebensmitteln aufstellen?

Die schönsten Seiten des Kreises
Zeitschriftenvorteil