Ludwigsburg | 10. Juli 2017

„Bienen als normaler Bestandteil der Umwelt“

Stadtimker Florian Schimpf bringt Kindern die Tierchen näher – Ein Volk lebt nun im Hinterhof der Gemeinschaftsschule in der Innenstadt

Bienenexperte Florian Schimpf beobachtet mit den Schülern im Hinterhof der Gemeinschaftsschule in der Seestraße das Volk beim Einlaufen. Anfängliche Angst legt sich schnell. Foto: Bürkle
Bienenexperte Florian Schimpf beobachtet mit den Schülern im Hinterhof der Gemeinschaftsschule in der Seestraße das Volk beim Einlaufen. Anfängliche Angst legt sich schnell. Foto: Bürkle

Der Schwarm ist gewaltig, der über den Köpfen der Schüler schwirrt, und die Aufregung der Kinder enorm. Schließlich bekommt die Bienen-AG der Gemeinschaftsschule endlich ein eigenes Bienenvolk. Als dieses freigelassen wird, um in das neue Zuhause im Hinterhof der Schule einzulaufen, dauert es nicht lange, und die Kinder schweigen und staunen. Überall Bienen. Nach und nach verlieren sie ihre Angst und trauen sich sogar, die Tierchen anzufassen. „Die hier haben wir Elfine getauft“, sagt ein Mädchen stolz mit einer Biene auf dem Finger. „Ich hätte nicht gedacht, dass die so ruhig sind“, sagt ein Junge. Den Schülern fällt es schließlich schwer, sich nach Unterrichtsende von den Bienen loszureißen.

Fortan beschäftigen sich die Fünft- und Sechstklässler einmal pro Woche mit den Bienen. Die AG gibt es schon länger, erklärt Lehrerin Elke Staudenmaier. „Die Schüler haben bereits viel über Bienen gelernt.“ Auch die Ausrüstung hätten sie selbst gebaut. Finanziell gefördert wird das Projekt von einer Stiftung. Über die Pädagogische Hochschule Ludwigsburg ist der Kontakt zu Bienenexperte und Stadtimker Florian Schimpf entstanden. „Er war von der Idee, an der Schule Bienen zu halten, sofort begeistert“, sagt Elke Staudenmaier.

Immer öfter leben Bienen an Schulen, erklärt Schimpf. Dabei geht es dem Fachmann, der an der Uni Würzburg Dozent für Bienenforschung ist und an der PH einen Lehrauftrag für Bienenkunde hat, um den pädagogischen Aspekt. „Nicht der Honigertrag steht im Fokus. Es geht um die Gesamtheit des Bienenvolkes.“ Anhand dessen könne man alle Fächer unterrichten – von Mathe (Flugweite der Bienen errechnen) bis zu Kochen (Gerichte mit Honig). „Es geht mir darum, dass Kinder lernen, dass Bienen ein normaler Bestandteil der Umwelt sind“, sagt der Pädagoge, der auch schon drei Jahre lang Bienen in einem Ludwigsburger Kindergarten stehen hatte. Der Großteil seiner Tierchen lebt im Blüba. Dort hält er 20 Völker auf dem Dach des Parkcafés. Das habe sich vor mehreren Jahren so ergeben, erzählt Schimpf. Das Haus seiner Eltern stehe direkt neben dem Blüba, es hätte sich angeboten, dort anzufragen. Und es klappte. Der Stadtimker bietet seither Führungen für Klassen an und zeigt dort unterschiedliche Haltungsformen.

Aber nicht nur Schüler, auch künftige Lehrer unterrichtet er. An der PH hat er zehn weitere Bienenvölker stehen. Wenn dann ein früherer PH-Student Bienen an die Schule, an der er unterrichtet, holt, begeistert das Florian Schimpf. Der 50-jährige Ludwigsburger imkert selbst seit zehn Jahren. Bienen in der Stadt zu halten, hat Vorteile, erklärt der Experte – wie zum Beispiel höhere Temperaturen als auf dem Land. „Bienen mögen es warm.“ Zudem sei das Nahrungsangebot reichhaltiger, auf dem Land fänden die Tierchen oft nur Monokulturen vor. „Wo jedoch die Grenze verläuft, was zur Stadtimkerei zählt und was nicht, ist strittig“, so der Experte. Manche Definitionen orientieren sich an der Gemarkungsgrenze, andere wiederum an der Bebauungsdichte. „Unter den Stadtimkern befinden sich viele Hinterhof-Bienenhalter. Die meisten wollen damit etwas Gutes für die Umwelt tun.“ Was Schimpf jedoch beobachtet, ist eine zunehmende Simplifizierung. „Imkern kann mittlerweile anscheinend jeder.“ Dabei sei es eine komplexe Sache, die wissenschaftlich nie aufhöre. „Bekommt man eine Antwort, löst diese zehn neue Fragen aus“, so Schimpf. Für ihn ist es eine endlose Faszination.

Martina Peao
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