Ludwigsburg | 24. Oktober 2017

„Der Weg ist das Ziel“

Warum sind Trecker und Unimogs die perfekten Fahrzeuge, um auf Reisen zu gehen?

Othmar Zeller: Die Langsamkeit macht die Reise besonders. Sie können das mit dem Jakobsweg vergleichen. Auf der Straße sind Sie allein und haben viel Zeit, nachzudenken. In Schweden zum Beispiel kommt bloß ein Einwohner auf einen Quadratkilometer.

Oskar Hess: Für mich ist es ein Hobby. Sie haben viel mehr Ruhe, sich umzuschauen. Wir haben Elche gesehen oder Rentiere, die am Straßenrand gegrast haben.

Zeller: Ich war mit meinem Unimog der Schnellere, also bin ich vorneweg gefahren.

Hess: Wenn Sie mit einem Traktor Vollgas geben, kommen Sie ja nur auf 40 Stundenkilometer. Ich habe meinen Traktor mit 38,5 km/h laufen lassen.

 

Warum ist es das Nordkap geworden – mögen Sie es gerne kühl?

Hess: Ich habe die Reise drei Jahre lang geplant, aber nie den richtigen Partner gefunden. Sie brauchen Durchhaltevermögen. Als sich Othmar Zeller einen Unimog gekauft hat, hat sich die Reise schließlich so ergeben.

Zeller: Es war gar nicht so kalt, wir sind im Sommer, am 12. Juli, aufgebrochen. Am Polarkreis standen wir mit kurzen Ärmeln, von dort sind es aber noch mehr als 800 Kilometer bis ans Nordkap. Am Ziel waren es drei Grad über Null. Das Nordkap war für mich schon immer ein besonderer Punkt, der nördlichste in Europa eben.

 

Haben Sie sich gesucht und gefunden?

Zeller: Wir sind beide bei den Enzweihinger Oldtimerfreunden. Oskar Hess war früher selbstständiger Bauunternehmer und hat für mich einmal eine Garage gebaut. Wir kennen uns seit fast 40 Jahren.

 

Sind Sie unterwegs aufgefallen?

Hess: Das kann man wohl sagen. Wir sind angehalten worden, haben jede Menge Leute getroffen, die wissen wollten, wie es uns geht, wie lang wir unterwegs sind, warum wir uns das antun.

Zeller: Verstecken konnten wir uns nicht. Wir hatten an unsere Fahrzeuge jeweils einen Wohnwagen angekoppelt und eine Folie mit Fotos und der Reiseroute befestigt. Unsere Gespanne waren fast neun Meter lang, begehrte Fotomotive.

Hess: Manchmal haben wir Schnaps verschenkt, um auch mal vor einem Bauernhof übernachten zu dürfen.

Zeller: Erst hinter Göteborg ist es mit der Verständigung schwieriger geworden. Da spricht keiner mehr Deutsch. Mit Englisch kommen Sie aber auch in Schweden, Finnland und Norwegen ganz gut durch.

 

Ist auf Ihrer Tour alles glatt gelaufen?

Zeller: Die eine Geschichte dürfen wir schon erzählen, nicht wahr Oskar?

Hess: Mir ist die Kupplung verreckt, um es auf gut Schwäbisch zu sagen.

Wo war das?

Hess: Etwa 120 Kilometer hinter Östersund in Schweden.

Zeller: Das war am zehnten Tag, wir waren schon fast 2000 Kilometer unterwegs. Wir mussten also zurück nach Östersund. Zuerst haben wir mit dem ADAC gesprochen, dann mit unserem Landmaschinenmechaniker aus Aurich.

Hess: Der ADAC wollte schon alles verladen und zurück nach Enz-weihingen schicken.

Haben Sie überlegt, aufzugeben?

Zeller: Ja, der Gedanke ist uns gekommen. Die Lage war zu diesem Zeitpunkt schwierig. Eine Alternative wäre gewesen, auch den Unimog stehen zu lassen und die Reise mit Autos fortzusetzen.

Kam das für Sie infrage?

Hess: Das wäre höchstens der Plan B gewesen. Unser Händler in Aurich hat herausgefunden, dass es in Schweden nur drei Werkstätten gibt, die uns eine neue Kupplung einbauen können. Eine davon war in Östersund.

Zeller: Das war unser Glück. Wir mussten allerdings vier Tage in Östersund bleiben, weil unsere Panne aufs Wochenende fiel.

Hess: Das war ungeschickt, Gott sei Dank hatte die Werkstatt eine Kupplung auf Lager, die gepasst hat.

Zeller: Am Mittwoch konnten wir weiter. Die Angelegenheit hat uns unter dem Strich rund 5000 Euro gekostet. Bei Kleinigkeiten, wenn zum Beispiel ein Ventil hängen geblieben ist oder der Anlasser nicht geschaltet hat, haben wir uns selbst geholfen.

Hess: Mit einem Gummihammer (lacht).

Zeller: Ich hatte immer die Befürchtung, dass mein Unimog liegen bleibt. Der Traktor ist ja deutlich jünger, Baujahr 2001. Mein Unimog hat fast 40 Jahre auf dem Buckel.

 

Mit dem Traktor dürfen Sie nicht auf Autobahnen fahren. Hat Sie das vor Herausforderungen gestellt?

Hess: Das war schwierig. Wir sind nach Navi und unserer Liste gefahren. Aber es kommt trotzdem vor, dass Sie sich verfahren.

Zeller: Wir sind in Schweden in einen Wald geraten und standen mit den Rädern tief im Wasser. Ich hätte nicht gedacht, dass wir da noch einmal hinauskommen.

Hess: Wir konnten nicht mehr umdrehen und haben uns einfach durchgebissen. Hinter Göteborg sind wir versehentlich auf der Autobahn gelandet. Die Polizei hat mir einen Strafzettel über 50 Euro verpasst.

 

Kurz vor dem Nordkap kommt der Kafjord-Tunnel, der unter dem Meer hindurchführt. Wie haben Sie das erlebt?

Zeller: Der Tunnel liegt bei Honningsvåc und hat zehn Prozent Gefälle. Sie fahren fast 200 Meter in die Tiefe. Danach geht es zwei oder drei Kilometer eben weiter – und am Ende wieder zehn Prozent hinauf. Da wird Ihnen schon anders.

Hess: Früher mussten Sie Maut bezahlen, heute ist der Tunnel frei. Wir hatten nicht viel Verkehr, obwohl es nur eine Straße gibt. Jeder, der ans Nordkap will, muss hier durch.

Zeller: Bergab war es nicht so schlimm, aber bergauf. Mein Unimog hat ja nur 52 PS.

Nach gut 3800 Kilometern und 20 Tagen Fahrt waren Sie am 31. Juli endlich am Ziel.

Hess: Das war schon eine innere Befriedigung.

Zeller: Ich habe mir nur gedacht: „Mensch, haben wir das wirklich geschafft.“ Es gibt am Nordkap bloß 50 Tage, an denen es nicht regnet oder nicht neblig ist. Wir haben zwei davon erwischt.

Hess: Das Wetter war herrlich. Wir haben natürlich Fotos vor der berühmten Weltkugel gemacht, die dort aufgestellt ist.

Zeller: Es gibt auch einen Fjord, der einige Hundert Meter steil ist, dazu ein Nordkap-Infogebäude, in dem die Geschichte dargestellt ist. Wir haben erst einmal am Büffet ausgiebig gefrühstückt.

Hess: Eine Nacht haben wir am Nordkap verbracht, es wird im Sommer ja nicht dunkel, selbst um Mitternacht nicht. Das war auf der Heimreise eine große Umstellung.

 

Was haben Freunde und Verwandte gesagt, als Sie nach 36 Tagen in Enzweihingen eingefahren sind?

Hess: Ich glaube, dass sie uns schon bewundert haben.

Zeller: Viele haben uns gratuliert.

Hess: Wir sind auch zurück mit dem Trecker und dem Unimog gefahren. Andere vor uns haben das nicht gemacht. Als wir auf der Fähre von Trelleborg nach Travemünde waren, hatte ich die Befürchtung, dass mein Trecker nicht mehr anspringt. Es war sehr eng dort, also habe ich beschlossen, ihn laufen zu lassen.

Herr Hess, Sie waren mit einem Trecker auch schon in Südtirol. Wo hat es Ihnen besser gefallen?

Hess: Landschaftlich und von den Temperaturen war Südtirol unkomplizierter. Aber das Nordkap ist natürlich faszinierender.

 

Würden Sie es noch mal tun?

Zeller: Ja, aber nicht mehr so große Entfernungen. Wir sind jeden Tag im Schnitt zwischen 170 und 250 Kilometern gefahren, teilweise acht Stunden am Stück.

Hess: Auch deshalb sind andere, mit denen ich ans Nordkap wollte, im Vorfeld abgesprungen. Für mich war es nicht anstrengend. Es ist eigentlich ganz gut gelaufen.

Zeller: Wir haben uns vorher darauf eingestellt, dass wir jeden Tag ordentlich Kilometer herunterspulen müssen. Wir sind früh aufgestanden. Jeden Tag sind wir vom Campingplatz um 8 Uhr losgefahren, manchmal auch früher. Das hat dazu geführt, dass wir Tiere gesehen haben, wie sie gefressen haben. Den Elch konnte ich leider nicht fotografieren, weil er zu scheu war.

 

Gibt es schon Pläne für eine neue Tour?

Hess: Wir haben mal über Irland geschwätzt. Aber da fahren wir vielleicht mit dem Auto hin, die Strecke mit der Fähre ist arg weit.

Zeller: Wenn man ans Nordkap will, ist der Weg das Ziel. Wir haben unzählige Seen gesehen, Sie können sich das nicht vorstellen. Es kommt einer nach dem anderen. Es ist grün, Sie haben Wälder, einfach unbeschreiblich.

Hess: Und meistens hatten wir blauen Himmel, ganz selten mal einen Regenschauer.

Zeller: Ich bin sehr viel offen gefahren, nach der Reise war ich ganz braun, davon ist jetzt noch etwas da.

Fragen von Philipp SChneider
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