12. Januar 2012

„Ein gesunder Körper ist ein Geschenk“

Den 25. September 2006 wird Heinz Skrzipietz wohl nie vergessen. Um 13.50 Uhr erhielt er die Diagnose Blasenkrebs. Die Welt schien einzustürzen, doch der Rentner gab nicht auf. Jetzt will er anderen Betroffenen im Umgang mit dieser schweren Krankheit Mut machen.

Bild: Holm Wolschendorf
Den 25. September 2006 wird Heinz Skrzipietz wohl nie vergessen. Um 13.50 Uhr erhielt er die Diagnose Blasenkrebs. Die Welt schien einzustürzen, doch der Rentner gab nicht auf. Jetzt will er anderen Betroffenen im Umgang mit dieser schweren Krankheit Mut machen.

Kaffeezeit beim Ehepaar Skrzipietz in Kornwestheim. Das braune Getränk ist für Heinz Skrzipietz aber tabu, er trinkt stattdessen jeden Tag eine Kanne grünen
Tee, dessen regelmäßiger Konsum das Risiko an Krebs zu erkranken vermindern und außerdem das Immunsystem stärken soll. Er achtet überdies strikt auf seine Ernährung.
Viel Gemüse und wenig Fleisch kommen bei ihm auf den Tisch. Eine einzige Schwäche hat er sich aber bewahrt: Auf Süßes kann er nur schwer verzichten. „Das habe ich ihm nicht abgewöhnen können“, sagt seine Frau Margit und
lacht. Sie ist mit ihrem Mann durch die Hölle gegangen, doch beide haben die Herausforderung angenommen und sind gestärkt aus dem Schicksalsschlag hervorgegangen.
Heinz Skrzipietz, der früher Pressesprecher bei Salamander und bis zu seiner Pensionierung im Daimler-Konzern tätig war, ist ein kommunikativer, offener Mensch. Die Geschichte seiner Krankheit hat er aufgeschrieben, für ihn ist das auch ein Stück Selbsttherapie. Alles begann mit unangenehmem Harndrang, er vermutete eine Blasenentzündung von Barfuß-Spaziergängen im Wattenmeer der  Nordsee. Da sich die Beschwerden nicht besserten, suchte er einen Urologen
auf. Nach einer gründlichen Untersuchung stand schließlich fest: In seinem Unterleib wuchs ein besonders bösartiger Tumor. „Mich traf diese Diagnose völlig
unvorbereitet“, berichtet Heinz Skrzipietz. Doch er fasste sich wieder schnell und nahm den Kampf gegen diese heimtückische Krankheit auf.
Kurz vor seinem 73. Geburtstag wurden ihm bei einer sechsstündigen Operation nicht nur der Tumor, sondern auch Harnblase, Prostata, Blinddarm und zwei
Lymphknoten entfernt. Der Operateur am Ludwigsburger Klinikum schnitt ihm aus dem Dünndarm schließlich eine Ersatzblase, ein Katheder blieb ihm so erspart.
Danach lag er etliche Wochen im Klinikbett, er nahm seine Umgebung kaum wahr. Doch die Genesung ging langsam voran, seine Familie und das Klinikpersonal haben ihn nach eigenem Bekunden ermutigt und motiviert. Sein Zustand besserte sich zusehends. „Ich hatte den festen Glauben an meine Gesundung und an mein künftiges Schicksal“, betont er. Niemals habe er dabei gefragt: Warum gerade ich? Bald erheiterte Heinz Skrzipietz seine Umgebung mit Erzählungen aus seinem interessanten Berufsleben, mit Ärzten und Krankenschwestern diskutierte er über Politik und Wirtschaft, er war wieder mittendrin im Geschehen, aufgeben stand einfach nicht mehr zur Debatte. „Ein gesunder Körper ist ja eigentlich ein Geschenk, denn alles im Leben wird immens von der Gesundheit beeinflusst. Leider machen wir Menschen oft den Fehler, dies als selbstverständlich hinzunehmen“, stellt er fest. In der letzten Woche vor seiner Entlassung erhielt sein Lebensmut nochmals einen kräftigen Dämpfer durch die präventive Chemotherapie mit ihren schlimmen Nebenwirkungen.
Er brach sie auf eigenen Wunsch ab und setzte auf die alternative Misteltherapie zur Immunstärkung, die er nach wie vor konsequent durchführt. Für Heinz Skrzipietz ist vor allem eines klar: Die innere Stabilität spielt bei solchen Krankheiten eine wichtige Rolle. Der bald 78-Jährige hat nach Verleugnung und Trauer seine Krankheit angenommen und mit ihr einen Handel abgeschlossen: Er lebt gesund und bekommt dadurch noch ein paar Jahre. Seit seiner Operation sind jetzt fünf Jahre vergangen und erst kürzlich war er wieder bei der Computertomographiekontrolle.
„Alles in Ordnung“, freut sich Heinz Skrzipietz, der trotz aller Strahlemann-Qualitäten Realist geblieben ist. Er wisse, dass seine Lebenszeit kürzer werde und er keine langfristigen Pläne mehr machen könne. Das große Haus hat das Ehepaar verkauft, es ist in eine Wohnung gezogen und von dort erledigt Heinz Skrzipietz alles konsequent zu Fuß. Gerne sitzt er auf seinem Balkon im Strandkorb und nippt am grünen Tee.
„Es gibt ein schönes altmodisches Wort: Demut! Ich verstehe diesen Begriff so, dass ich gelernt habe, meine bescheidenen Wünsche und Ansprüche dem Möglichen anzupassen“.
VON ANGELIKA BAUMEISTER
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