Ludwigsburg | 19. Juni 2017

„In der Stadt finden sie immer etwas“

Die Sorge ihrer Kinder war zunächst groß: „Mama, das geht doch nicht, Bienen im Hof! Dann können wir nicht mehr draußen sitzen“, so die Befürchtung, sollte sich Heike Hager Bienen anschaffen. Die Angst habe sich aber schnell verflüchtigt, erzählt die Ludwigsburgerin. „Das Zusammenleben mit den Tierchen funktioniert hervorragend.“

Im grünen Hinterhof in der Alten Gasse hat Heike Hager mehrere Bienenvölker. Sie arbeitetohne Schutzanzug mit den Tieren. Foto: Oliver Bürkle

Im grünen Hinterhof in der Alten Gasse hat Heike Hager mehrere Bienenvölker. Sie arbeitet
ohne Schutzanzug mit den Tieren. Foto: Oliver Bürkle

Auch sonst fühlt man sich wie im Urlaub, sobald man in der Alten Gasse den Hinterhof betritt: Überall stehen Pflanzentöpfe herum, Blumen blühen und sogar eine Palme gibt es. Seit über 20 Jahren lebt Familie Hager hier und hat es sich gemütlich gemacht.

Vor ein paar Jahren dann die Veränderung: Auf dem Dach des Holzschuppens im Hinterhof siedelte Heike Hager Bienen an. Mittlerweile sind es sechs Wirtschaftsvölker und drei Ableger. In jedem Volk leben zwischen 50 000 und 60 000 Bienen. Und die fühlen sich wohl. „Hier in der Stadt ist es toll, sie finden immer etwas“, sagt die 54-Jährige. Wenn die Linden blühen, fliegen sie nach rechts, ansonsten links ins Blüba. Auch wenn die Bienen über die B 27 müssen, mache das nichts aus, erklärt die Imkerin. „Bienen filtern den Honig.“ Der Geschmack ihres Stadthonigs komme gut an. „Alle unsere fünf Kinder sind Abnehmer“, sagt sie. 120 Kilo hat sie im vergangenen Jahr von vier Völkern bekommen. An viele Kollegen in der Stadtverwaltung – Heike Hager arbeitet Teilzeit im Fachbereich Bürgerschaftliches Engagement und Soziales – verkauft sie das flüssige Süß. Auch stellt sie Wachskerzen her.

Da sie keine eigene Honigschleuder hat, geht sie dazu in das Naturinfozentrum Casa Mellifera. Als dieses 2014 eröffnete, arbeitete sie dort ein Jahr lang bei der Bienenzucht mit. Über eine Arbeitskollegin sei sie auf die Biene gekommen. Das ist ja ganz interessant, dachte sie und besuchte im Casa Mellifera Fortbildungen. Nach einem Jahr nahm sie ihren ersten Ableger mit nach Hause.

Mittlerweile züchtet Hager sogar Königinnen. Von Anfang an verzichtete sie auf einen Schutzanzug. „Man hört an dem Summen, wie sie gelaunt sind.“ Wenn es dann mal piekst, sei es auch nicht so schlimm. „Immerhin sind Stiche gut gegen Rheuma“, sagt sie und lacht. „Aber das ist selten, die Tierchen sind harmlos.“

Besonders die Nachmittage genießt Heike Hager, wenn sie zuhause ist und dem regen Treiben der Tierchen lauscht. „Das Summen ist dann besonders laut“, sagt sie. „Ich genieße das. Nach der Arbeit sitze ich oft erst einmal zehn Minuten einfach da und höre zu.“

von Martina Peao
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