Ludwigsburg | 23. August 2017

„Jeder benötigt irgendwann einmal Hilfe“

Amir Mirhosseini ist es wichtig, anderen Menschen zu helfen. Deshalb absolviert er bei den Mobilen Diensten der Arbeiterwohlfahrt Ludwigsburg seinen Bundesfreiwilligendienst.

Nach den Sommerferien wird der 19-Jährige als Inklusionshelfer eines körperlich behinderten Schülers im Einsatz sein und ihn in der Schule begleiten. Wer das sein wird, weiß er noch nicht, freut sich aber schon auf diese Herausforderung.

 

Bis dahin ist Amir in der Verwaltung der Mobilen Dienste im Einsatz. Ganz konkret unterstützt er Jana Lindauer, die im Bereich Essen auf Rädern tätig ist. Die junge Frau sitzt im Rollstuhl und benötigt eine Arbeitsassistenz. Gerne hilft Amir Mirhosseini ihr. Er hebt zum Beispiel einen Kugelschreiber auf, wenn dieser Jana Lindauer auf den Boden gefallen ist, oder holt für sie Akten aus dem Regal. Außerdem unterstützt er einmal in der Woche eine ältere Dame, die bei der Bewältigung des Haushalts Unterstützung benötigt. Der junge Mann hilft ihr beim Putzen oder erledigt Einkäufe. „Das ist manchmal anstrengend, aber jeder Mensch benötigt in seinem Leben irgendwann einmal Hilfe“, ist der Bufdi (Bundesfreiwilligendienstleistende) überzeugt.

 

13 Jahre ist es her, seit seine Familie aus politischen Gründen aus dem Iran geflohen ist. Bei Amir wurde kurze Zeit später Diabetes festgestellt. Auch wenn er inzwischen gelernt hat, mit dieser Krankheit umzugehen und ein ganz normales Leben führt, hat diese ihn geprägt. Schließlich sei es ihm anfangs so schlecht gegangen, dass er dringend medizinische Hilfe benötigt habe, erzählt er.

 

Amir Mirhosseini wohnt in Kirchheim am Neckar, ist aber in Besigheim groß geworden. Im Jahr 2014 zog er zu seiner Mutter nach Bremen, wo er auch sein Abitur gemacht hat. Er kennt Nord- und Süddeutschland, ist mit der persischen und deutschen Kultur vertraut. Mit seinem Vater spricht er Farsi, mit seinem Bruder deutsch. Warum er sich dazu entschieden hat ein Jahr lang den Bundesfreiwilligendienst zu absolvieren? „Ich wollte ein Jahr lang Zeit haben, um zu mir selbst zu finden“, erklärt Amir Mirhosseini und lacht. Das bedeutet aber nicht, dass er keine Pläne hat. „Ich möchte gerne Politik- und Wirtschaftswissenschaft studieren, um als Berater für die Vereinten Nationen, Greenpeace oder eine andere Organisation zu arbeiten“, hat er konkrete Vorstellungen.

 

Claudia Brenner, Leiterin der Sozialen Dienste, freut sich über jeden Menschen, der seinen Bundesfreiwilligendienst bei der Awo absolviert und für neue Impulse im Arbeitsalltag sorgt. „Ich habe noch nie einen Bufdi erlebt, der diese Erfahrung als verlorenes Jahr bezeichnet hat“, erzählt sie. Im Gegenteil: Viele wollen dieses Jahr nutzen, um sich weiterzuentwickeln und die eigenen Stärken zu entdecken. Dazu kann es gehören, behinderte Menschen zu füttern oder ihnen beim Gang zur Toilette zu helfen. „Es gibt immer Situationen im Leben, in denen man über seinen Schatten springen und sich überwinden muss“, sieht Claudia Brenner den Bundesfreiwilligendienst als wichtige Erfahrung. Auch wenn man nicht viel verdient – die Bufdis erhalten ein Taschengeld in Höhe von 360 Euro plus Fahrtkosten und Verpflegung – werden sie reich an Erfahrungen.

 

Bei den aktuell 270 Mitarbeitern der Awo sind viele verschiedene Nationen vertreten. „Im September fängt bei uns ein junger Mann aus Afrika an“, berichtet Brenner von einem Bewerbungsgespräch via Skype. Als Bufdi erhält er einen Aufenthaltsstatus.

 

So bringt der Bundesfreiwilligendienst Menschen unterschiedlicher Herkunft und Alters zusammen. Die Awo Ludwigsburg bietet ab September noch freie Plätze bei der Schulbegleitung sowie zur Unterstützung des Hausmeisters im Pflegezentrum Hans-Klenk-Haus an.

von Marion Blum
Weitere Artikel aus diesem Ressort
Anzeige
WELLNESS & GESUNDHEIT
Die schönsten Seiten des Kreises
Zeitschriftenvorteil