28. September 2018

„Radwege schneller umsetzen“

Ludwigsburger Radwegeinitiative sieht sich durch aktuelles Gutachten bestätigt

Kurz vor der letzten Kommunalwahl hatte sich der Ludwigsburger Gemeinderat einstimmig für ein Radroutenkonzept ausgesprochen mit dem Ziel, in zehn Jahren zehn Hauptradrouten in der Stadt umzusetzen. Aktuell, nach vier Jahren, ist mit der Marbacher Straße die erste in Bau. Die erste Planung für eine Fahrradstraße in Ludwigsburg stammt aus dem Jahr 1996. „Das kann so nicht weitergehen“, beklagt Roswitha Matschiner, die Sprecherin der Ludwigsburger Radwegeinitiative, in einer Pressemitteilung „das Schneckentempo der Stadt“.

Mit reinen Willenserklärungen sei es halt nicht getan. Die Initiative verweist mit dieser Kritik auf Themen wie den Fußverkehrscheck vor zwei Jahren oder auf die Radkulturstadt, wie sich Ludwigsburg seit 2014 nennen darf, ebenso auf die Modellkommune für E-Mobilität, als die sich Ludwigsburg seit 2010 bezeichnet. „Aber welche positiven Effekte hat das? Entscheidend ist doch nicht die Schlagzeile, sondern was umgesetzt wird und welches Ergebnis erreicht wird.“ Für die Radwegeinitiative offenbar zu wenig. Matschiner bezieht sich damit auf das Ergebnis des Green-City-Master-Plans, den unsere Zeitung am vergangenen Samstag präsentiert hat. Das Gutachten bescheinigt, dass eine gute Infrastruktur für das Fahrradfahren und eine Zunahme der E-Mobilität Fahrverbote verhindern könnten.

„Auto jahrzehntelang bevorzugt“

Ludwigsburg habe mit guten Angeboten im öffentlichen Verkehr, mit kurzen Wegen und auch topographisch günstige Bedingungen für Mobilität ohne eigenes Auto, so die Ansicht der Initiative. „Aber trotz Titel Modellkommune: Gibt es in Ludwigsburg Fahrradstraßen, Radschnellwege, sichere Schulradwege, bequeme breite und sichere Fußwege mit günstigen Ampelschaltungen? Gibt es besonders viele E-Fahrzeuge, wurden etwa viele Zweitakter durch E-Roller ersetzt? Haben wir besonders niedrige Emissionswerte erreicht?“, fragt Matschiner. Ihre Antwort: „Nein, im Gegenteil: 80 Prozent der zurückgelegten Kilometer in der Stadt werden laut Gutachten mit dem Auto zurückgelegt.“ Dies sei das Ergebnis einer jahrzehntelangen Bevorzugung des Autos und daran habe sich bis heute nichts geändert.

Die Radwegeinitiative begrüßt ausdrücklich, dass bis 2020 von der Stadt einige Maßnahmen umgesetzt werden sollen. Was aber zähle, ist nicht das Vorhaben, sondern die Realisierung. „Wer auf das Auto angewiesen ist, soll auch weiterhin mit dem Auto fahren können. Aber jeder, der mit dem Fahrrad fährt, zu Fuß geht oder mit dem Bus fährt, trägt dazu bei, Fahrverbote zu verhindern und hilft denen, die auf das Auto angewiesen sind.“

Allerdings macht die Radwegeinitiative auch auf Grenzen der E-Mobilität bei Pkw aufmerksam. Matschiner: „In unserem dicht besiedelten Gebiet müssen wir den Verkehrsraum anders aufteilen, damit leistungsfähige Mobilität wie die Stadtbahn und ökologische Mobilität wie Fahrrad- und Fußwege Platz bekommen. Und das zügig, denn der Mobilitätsbedarf ist groß.“ (red)

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