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220 Wohnungen im Ludwigsburger Stadtteil Grünbühl werden vorerst nicht gebaut

Über dem Baugewerbe sind dunkle Wolken aufgezogen. Gestiegene Materialkosten, gestrichene Fördermittel für energieeffizientes Bauen und steigende Zinsen drehen an der Preisschraube. Diese Entwicklung geht auch an der Wohnungsbau Ludwigsburg (WBL) nicht spurlos vorüber, wie Geschäftsführer Andreas Veit vor Gemeinderäten deutlich gemacht hat.

Das Jägerhofquartier wird wie geplant entwickelt. Hier errichtet die Wohnungsbau Ludwigsburg 161 Wohneinheiten. Archivfoto: Holm Wolschendorf
Das Jägerhofquartier wird wie geplant entwickelt. Hier errichtet die Wohnungsbau Ludwigsburg 161 Wohneinheiten. Archivfoto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Einige Vorhaben, wie der dritte, vierte und fünfte Bauabschnitt von Grünbühl-Living, können unter diesen Voraussetzungen nicht realisiert werden. „Für Neubauvorhaben haben sich die positiven Vorzeichen ins Negative verdreht“, richtete der Wohnungsbau-Chef im Wirtschaftsausschuss den Blick in die Zukunft. „Wir brauchen eine Förderung von Bund und Land“, wies er auf den Anspruch hin, Wohnraum zu erschwinglichen Mietpreisen anzubieten.

Nicht betroffen sind Projekte, mit denen bereits begonnen wurde oder die geplant sind und deren Finanzierung gesichert ist. Aktuell entstehen unter der Ägide des städtischen Tochterunternehmens Wohnungen im Quartier Jägerhof, in Neckarweihingen sowie der zweite Bauabschnitt in Grünbühl. Bis Ende des Jahres wird der Bestand auf knapp 3000 Wohnungen steigen.

Bund hat Fördermittel gestrichen

„Das funktioniert noch, weil wir alle Fördermittel sowie zinsgünstige Darlehen in Anspruch nehmen können“, so Veit. Die Fördermittel, zum Beispiel für energieeffizientes Bauen, hat der Bund inzwischen gestrichen. „Es gibt noch keine Aussage über eine mögliche Förderkulisse“, berichtete der Geschäftsführer von Ungewissheit. Die fehlende Förderung ist eine Sache, die Materialknappheit ein anderes Problem. „Es war noch nie so spannend zu beobachten, ob die bestellten Wohnungstüren pünktlich eintreffen“, beschrieb er eine Auswirkung.

Aktuell steht die Städtische Wohnungsbau gut da. „2021 war ein erfolgreiches Jahr“, fasste Andreas Veit das Ergebnis zusammen. Mit dem erzielten Jahresüberschuss in Höhe von 1,306 Millionen Euro habe man eine Punktlandung hinbekommen. Mit knapp fünf Millionen Euro fielen die Instandhaltungskosten dagegen höher aus. Denn auch auf diesem Sektor sind die Kosten gestiegen: Vor einigen Jahren wurden etwa 20000 Euro pro Wohnung ausgegeben, heute circa 50000 Euro, so der WBL-Chef. Renovierungen würden vor allem bei einem Mieterwechsel fällig.

2260 Wohnungen im Bestand der städtischen Tochter

Der Bestand an Wohnungen erhöhte sich im Vorjahr um 26 Wohnungen. Hier verwies Andreas Veit auf Neubauprojekte an der Marbacher Straße mit 21 Wohnungen und Dachgeschossausbauten an der Enzstraße. Von den 2260 Wohnungen im Bestand der Wohnungsbau waren Ende 2021 exakt 777 an einkommensschwache Haushalte vermietet. Daneben stehen 140 Wohneinheiten aus dem Fair-Wohnen-Modell zur Verfügung.

Die Durchschnittsmiete für Wohnungen im Besitz der Städtischen Wohnungsbau liege bei 7,38 Euro pro Quadratmeter, für preisgünstigen Wohnraum bei 6,18 Euro. Damit liegt der Mietpreis deutlich unter der Durchschnittsmiete für Ludwigsburg von derzeit zwölf Euro. „Die Wohnungsbau Ludwigsburg wird ihrem sozialen Auftrag gerecht“, so das Fazit von Veit.

Lob und Tadel aus den Reihen der Politik

Lob gab es von Andrea Molkenthin-Keßler (Die Grünen). Sie zeigte sich erfreut darüber, dass trotz gestiegener Ausgaben für Instandhaltungen ein Gewinn erzielt worden sei. „Die Schaffung bezahlbaren Wohnraums wird uns aber weiterhin beschäftigen“, sagte sie.

Heftige Kritik hagelte es von Wilfried Link (CDU), der die Bilanz als „erschreckend“ bezeichnete. Die Verbindlichkeiten seien gestiegen, die Betriebsaufwendungen hätten sich verdoppelt und der Jahresüberschuss sei gesunken. „So kann es nicht weitergehen“, wetterte er. Weitaus milder gestimmt waren die Mitglieder der anderen Fraktionen. Dass die Rentabilität gesunken sei, lasse sich mit der sozialen Verantwortung der Wohnungsbau GmbH erklären, so Reinhardt Weiss (Freie Wähler). Die Erschließung des Fuchshofareals verglich er mit einem „Goldesel, der Geld in die Kasse bringt“.

„Es ist nicht Aufgabe der Wohnungsbau, Gewinne zu erzielen“, gab Daniel O‘Sullivan (SPD) zu bedenken. Vielmehr sollten sich die Aktivitäten entspannend auf den Wohnungsmarkt auswirken. Sebastian Haag (FDP) unterstrich, dass man die Wohnungsbau nicht als Cashcow, also Melkkuh, sehen dürfe, sondern sie sich selbst tragen solle. Die WBL erfülle eine wichtige Funktion als Mietpreisbremse.

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