Logo

31-jähriger Murrer will nach Berlin

SPD nominiert Thomas Utz mit großer Mehrheit als Bundestagskandidat im Wahlkreis Neckar-Zaber

Abstimmung auf Abstand und mit Maske: Die SPD-Delegierten kamen am Samstagnachmittag im Freiberger Prisma zur Nominierungsveranstaltung zusammen. Fotos: Holm Wolschendorf
Abstimmung auf Abstand und mit Maske: Die SPD-Delegierten kamen am Samstagnachmittag im Freiberger Prisma zur Nominierungsveranstaltung zusammen. Foto: Holm Wolschendorf
Die Delegierten nominierten Thomas Utz mit einem Traumergebnis von 96,7 Prozent.
Die Delegierten nominierten Thomas Utz mit einem Traumergebnis von 96,7 Prozent.

FREIBERG. Thomas Utz tritt erneut als Bundestagskandidat für die SPD im Wahlkreis Neckar-Zaber an. Die Delegierten nominierten den 31-jährigen Murrer am Samstag im Freiberger Prisma mit einem Traumergebnis von 96,7 Prozent. Es war ein warmer Applaus, den die 61 Delegierten nach Auszählung des Wahlgangs spendeten. Nicht euphorisch, dafür war die allgemeine Stimmung in der Coronakrise ein wenig zu eingetrübt. Doch die Reaktionen fielen respektvoll und zuversichtlich aus – Thomas Utz darf sich bei seiner zweiten Bundestagskandidatur der Unterstützung der Genossen im Wahlkreis Neckar-Zaber gewiss sein. Der studierte Betriebswirt und Unternehmensrechtler, der als Risiko- und Insolvenzmanager bei einem Stuttgarter Automobilbauer arbeitet, war der einzige Kandidat. Das Votum fiel deutlich aus, Utz wurde mit 96,7 Prozent der gültigen Stimmen gewählt. „Fast schon kommunistische Verhältnisse“, scherzte Wahlleiter Macit Karaahmetoglu, der die Sozialdemokraten im Wahlkreis Ludwigsburg in den Bundestagswahlkampf führt.

Es mache einen großen Unterschied, wer künftig in Berlin und in Stuttgart regiere, sagte Utz. Denn die Folgen der Coronakrise würden sich erst in den kommenden Jahren voll auswirken – und die CDU, so seine Einschätzung, wird sich schon bald intensiv mit dem Abbau von Sozialleistungen beschäftigen. „Deshalb brauchen wir eine starke Sozialdemokratie“, betonte der 31-Jährige.

An den Kosten der Pandemie müssten vor allem die „Ultra-Reichen“ beteiligt werden, so Utz, „wir dürfen nicht die Normalverdiener zur Kasse bitten“. Seine Forderung: Eine Finanz- und Steuerreform, die Geringverdiener sowie kleine und mittlere Betriebe entlasten soll. Der Eingangssteuersatz müsse auf zehn Prozent abgesenkt, das Ehegatten- durch ein Familiensplitting ersetzt werden. Zudem regte Utz die Einführung einer Transaktionssteuer sowie einen Grundfreibetrag für kleine Unternehmen an. Mit den Christdemokraten seien solche Vorhaben nicht umzusetzen, „die CDU will eine Steuerpolitik für die reichsten zehn Prozent machen“. Er stehe für eine junge Generation, die an den Fortschritt glaube und bereit sei, die Herausforderungen der Zukunft anzunehmen. „Ohne dabei die Menschen zu vergessen, die auf Unterstützung angewiesen sind.“ Utz sprach sich dafür aus, die Pflegeberufe durch bessere Bezahlung und attraktivere Arbeitsbedingungen aufzuwerten. „Damit sich mehr Menschen für eine Tätigkeit in der Pflege entscheiden.“

Die wirtschaftliche Situation sei im Südwesten und auch im Raum Ludwigsburg besorgniserregend, sagte Utz und nannte stellvertretend die Standorte von Mann+Hummel sowie Bosch in Ludwigsburg beziehungsweise Bietigheim-Bissingen. „Betriebe schließen, Menschen verlieren ihre Arbeitsplätze.“

Junge Christdemokraten wie der Bietigheimer Bundestagskandidat Fabian Gramling sähen Standortoptimierungen und die Verlagerung von Produktionskapazitäten ins Ausland als geeignetes Mittel an, um auf die Probleme zu reagieren. „Das sollten sie auch den Menschen sagen, die sich jetzt um die Zukunft ihrer Familien sorgen“, meinte der Sozialdemokrat.

Die SPD dagegen setze sich für einen sozialverträglichen und CO2-neutralen Umbau der Industrie ein. „Wir wollen einen Umbau statt eines Ab- oder gar Rückbaus.“ Dafür brauche es gut ausgebildete Arbeitskräfte. Die von Arbeitsminister Hubertus Heil angestoßene Qualifizierungsoffensive sei ein Schritt in die richtige Richtung. „Wir sind die Partei der Mut- und Chancenmacher und lassen die Arbeitnehmer im Gegensatz zur jungen Garde der CDU nicht im Stich“, so Utz.

Auch an Susanne Eisenmann, CDU-Spitzenkandidatin für die Landtagswahl, übte der Murrer scharfe Kritik. Als Kultusministerin habe diese ein „tägliches Chaos an den Schulen zu verantworten“. Zudem habe es Eisenmann nicht geschafft, die Schulen für den Fernunterricht fit zu machen. „Sie spielt in der Kreisklasse, aber Baden-Württemberg gehört in die bildungspolitische Champions League.“

Utz zeigte sich zuversichtlich, dass die SPD nach der Wahl eine wichtigere Rolle im Bund einnehmen kann als momentan. Denn mit Olaf Scholz gehe der geeignete Kanzlerkandidat ins Rennen. „Er ist ein erfahrener Krisenmanager und Kapitän, der das Land durch stürmische Gewässer in ruhigeres Fahrwasser steuern kann.“

Autor: