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3,6 Millionen Euro für schnelleres Internet

Vielerorts sind Homeoffice und Streaming kaum möglich: insbesondere dort, wo es „weiße Flecken“ bei der Internetversorgung gibt.Foto: Felix Kästle/dpa
Vielerorts sind Homeoffice und Streaming kaum möglich: insbesondere dort, wo es „weiße Flecken“ bei der Internetversorgung gibt.Foto: Felix Kästle/dpa
Das Land unterstützt den Breitbandausbau auch im Kreis in seiner aktuellen Förderrunde – und die nächste steht schon bevor.

Kreis Ludwigsburg. Die Freude im Landkreis Ludwigsburg ist groß: Mehrere Kommunen haben Förderbescheide für den Breitbandausbau erhalten. Insgesamt bekommen 15 Städte und Gemeinden einen Betrag von insgesamt rund 3,6 Millionen Euro vom Land, das meiste davon geht mit gut einer Million Euro nach Marbach, gefolgt von Markgröningen und Sachsenheim mit jeweils 360000 Euro. Sie sollen damit „weiße Flecken“ auf ihren Gemarkungen schließen – also Bereiche, in denen aktuell die Anschlüsse eine geringere Geschwindigkeit als 30 Mbit pro Sekunde bieten.

Ausbau kommt in Schwung

Die Maßnahme ist ein weiterer Schritt des Landes hin zum Ziel, bis 2025 einen flächendeckenden Ausbau mit Gigabit-Netzen zu erreichen. Und der kommt auch in der Region in Schwung, mindestens zehn Prozent der Haushalte und Unternehmen seien nun mit Glasfaser versorgt – zum Jahresbeginn waren es nur 8,6 Prozent, geht aus den neuesten Zahlen des „Breitbandatlas des Bundes“ hervor. Der Kreis Ludwigsburg legte demnach von 13,3 auf 14,2 Prozent zu, Spitzenreiter ist Göppingen mit 16,4 Prozent.

Die Gebiete, die nun angegangen werden sollen, sind auch solche, in denen bislang die Telekommunikationsunternehmen nicht tätig wurden. „Das Land springt da ein, wo der Ausbau für private Breitbandversorger nicht mehr wirtschaftlich ist. Damit profitieren Unternehmen, Verwaltungen, Schulen und private Haushalte im ganzen Land von gigabitfähigen Internetzugängen,“ so Markus Rösler, Grünen-Abgeordneter für den Wahlkreis Vaihingen, in einer Pressemitteilung, die er gemeinsam mit Konrad Epple (CDU) verschickt hat. Dabei sei „die Versorgung mit schnellem Internet Daseinsvorsorge und von der Bedeutung praktisch vergleichbar mit der Versorgung mit Gas, Wasser oder Strom“, ergänzen Tobias Vogt (CDU) und Tayfun Tok (Grüne), Abgeordnete des Wahlkreises Bietigheim-Bissingen. Die Zusagen seien deshalb nicht nur ein Geschenk für die Bürger, sondern auch für die angesiedelte Wirtschaft, so die Ludwigsburgerin Silke Gericke (Grüne).

Kreis stellt stetig Förderanträge

Der Ausbau des schnellen Internets im Landkreis ist damit aber noch längst nicht abgeschlossen – und damit auch nicht die Arbeit des Zweckverbands Kreisbreitband. Dessen Geschäftsführer Viktor Kostic war unlängst in einigen Gemeinderäten zu Gast und informierte über die Möglichkeiten für weitere Förderungen. Man stelle zwar präventiv und permanent entsprechende Anträge über die 90-prozentigen Zuschüsse von Land und Bund, von denen im Sommer bereits ein Schwung für 15 Kreiskommunen bewilligt wurde, und Anfang 2022 soll das nächste Bündel mit allen weiteren Orten geschnürt werden. Seit kurzem gebe es aber zudem die Variante, über die sogenannte VwV Gigabitmitfinanzierung Gelder zu erhalten, um auch die „grauen Flecken“ besser zu versorgen (weniger als 100 Mbit pro Sekunde).

Dafür könne man entweder den für Korntal-Münchingen schon gestellten Antrag für die weißen Flecken zurückziehen und später für beide Bereiche zusammen beantragen. „Dann aber würde ein bis anderthalb Jahre lang gar nichts passieren“, so Kostic im Gemeinderat. Mit zwei getrennten Anträgen hätte man gegebenenfalls zwar den Ausbau nicht durch einen Anbieter samt größerem Ausbaugebiet – was ohnehin nicht wie gedacht Synergieeffekte bringe –, aber man könne früher starten. Zudem würden sich die Kosten für die Stadt auf einen längeren Zeitraum verteilen – allein für die „weißen Flecken“ unter anderem in zwei Gewerbegebieten und ganz Müllerheim rechnet man mit zwei Millionen Euro, weitere Kosten für Instandhaltung fallen nicht an, da die Telekom-Unternehmen dann als Netzeigentümer zuständig sind.. Überdies würden im „Weiße Flecken“-Programm nicht die Ausbaukosten für schwer erschließbare Einzelanlagen wie Aussiedlerhöfe begrenzt.

Das war dann auch die Variante, wie sie die Korntal-Münchinger Verwaltung ebenso wie jüngst Mundelsheim bevorzugte, und die vom Gemeinderat abgesegnet wurde. Aber nicht ohne Kritik. „Es geht hier nicht um eine Wirtschaftlichkeitslücke, sondern Wirtschaftsversagen. Die Unternehmen holen sich beim Ausbau die Sahnestücke, für den Rest muss der Steuerzahler einspringen“, so Oliver Nauth (CDU).