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37-Jähriger muss lebenslang in Haft

Wie eine Hinrichtung sei es gewesen. „Brutal und kaltblütig“, sagt der Richter. Für den Doppelmord an einer Frau und ihrer Tochter muss der Ex-Freund aus Mundelsheim nun lebenslang ins Gefängnis.

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Mundelsheim/Stuttgart. Die Richter der Großen Schwurgerichtskammer am Stuttgarter Landgericht folgten in dem gestern verkündeten Urteil den Argumenten des Staatsanwalts. Der Angeklagte habe heimtückisch, „mit großer Brutalität“ und in besonders verachtenswerter Ausführung in der Nacht zum 21. Juni vergangenen Jahres seine 41-jährige Ex-Freundin und deren neunjährige Tochter in ihrer Wohnung in Allmersbach im Tal (Rems-Murr-Kreis) getötet.

Mit einem Kantholz hatte der Täter seiner Ex-Freundin mehrere Male über den Kopf geschlagen. Als die 41-Jährige zwar zu Boden ging, aber noch nicht das Bewusstsein verloren hatte, durchtrennte ihr der 37-Jährige mit einem Messer die Kehle. Auch dieses habe die Frau noch lebend und bei Bewusstsein mitbekommen und sich gegen den Messereinsatz gewehrt. Dies bewiesen Schnittverletzungen an Hand und Arm, so das Gericht. Der Vorsitzende Richter Norbert Winkelmann sprach von einer „Hinrichtung“. Die schlafende neunjährige Tochter der Frau brachte der Angeklagte ebenfalls um.

Das Landgericht Stuttgart verurteilte den 37-Jährigen zur Höchststrafe: lebenslange Haft mit der Feststellung der besonderen Schwere der Schuld. Eine Freilassung nach 15 Jahren ist – auch bei guter Prognose und gutem Verhalten – so gut wie ausgeschlossen. Diese beiden Morde, so der Richter, seien keine „Tat im Affekt“ gewesen, wie der Angeklagte es dem Gericht glauben machen wollte. Allein die Vorbereitung der Tat, die absolute Absicht, Mutter und Tochter zu töten, beweise, dass der Angeklagte sich zum „Herr über Leben und Tod“ gemacht habe.

Ein „Amoklauf“ sei es gewesen, hatte der Mann kurz nach der Bluttat per WhatsApp an einen Bekannten geschrieben. Nach den beiden Morden war der Angeklagte in seine Mundelsheimer Wohnung gefahren. Dann traf er sich mit einer Freundin, der er bei einem Spaziergang von der Tat berichtete. Die hatte der damals 36-Jährige nach seiner Festnahme in einem Verhör eingeräumt, das Geständnis im Prozess wiederholt. Unklar bleibt auch nach dem Urteil, warum die beiden Menschen sterben mussten. „Die Unbegreiflichkeit eines solchen Verfahrens macht fassungslos“, sagte der Richter zu dem Mann, der während der Urteilsbegründung immer wieder den Kopf schüttelte. „Zuletzt werden Sie alleine mit der Verantwortung leben müssen. Und Sie haben sich diese Verurteilung vollumfänglich verdient.“ Ein Gutachten bescheinigte dem Angeklagten eine leichte Persönlichkeitsstörung, aber im rechtlichen Sinne keinerlei Beeinträchtigungen psychischer Art. Will heißen: Er ist „voll schuldfähig für das, was er getan hat“.

Wahrscheinlich sei, dass sich der 37-Jährige nach dem Ende seiner Beziehung gedemütigt und herabgesetzt gefühlt habe, sagte der Richter. Auch sei er verärgert gewesen, weil er die 41-Jährige nach dem Beziehungs-Aus zu später Stunde mit einem anderen Mann auf ihrer Terrasse angetroffen habe. Die schlafende Tochter der Frau habe der Mann im Bett ermordet, weil er sie für das Ende der Beziehung verantwortlich gemacht habe.

Als Sachbeschädigung, die das Gericht mit einer Geldstrafe quittierte, die in die Gesamtstrafe eingeht, würdigten die Richter den Versuch des Angeklagten, nach der Bluttat auch in Gaildorf (Kreis Schwäbisch Hall) seine Noch-Ehefrau zu töten. Doch davon war der Mann strafrechtlich zurückgetreten, weil er die Haustüre zur Wohnung der Frau zwar beschädigte, jedoch nicht öffnen konnte.

Die Tötung von Mutter und Kind mit einer Unbegreiflichkeit für die Angehörigen mache fassungslos und kann auch mit dieser Strafe nicht Genugtuung für die Angehörigen sein, sagte der Richter in Richtung Nebenklägerbank: „Wir hier haben das getan, was das Gesetz vorsieht.“

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