12. Juni 2014

Ärzte ohne Grenzen: Eine Million Menschen auf der Flucht

Erbil (dpa) - Hunderttausende Menschen sind nach dem Vormarsch dschihadistischer Milizen im Irak auf der Flucht. Die Organisation Ärzte ohne Grenzen versucht, im Norden des Landes Hilfe zu leisten. Der Leiter der Mission im Irak, Fabio Forgione, berichtet:

Auf der Flucht
In Mossul flohen rund 500 000 Menschen vor den Extremisten. Foto: Emrah Yorulmaz/Anadolu Agency
dpa

Frage: Sie sind derzeit in den Kurdischen Autonomieregionen - genauer gesagt: in der Stadt Erbil. Wie ist die Lage vor Ort?

Antwort: In den kurdischen Gebieten scheinen die Menschen derzeit sicher zu sein. Aber wir sind sehr besorgt. Inzwischen gehen wir von fast einer Million Menschen im Irak aus, die aus ihren Häuser geflüchtet sind. Es sind vor allem Menschen aus Mossul und der Provinz Anbar.

Frage: Was müssen die Helfer vor Ort leisten?

Antwort: Die Flüchtlinge brauchen Wasser, eine Unterkunft und Lebensmittel. Es fehlt uns momentan an allem. Im Moment gibt es hier kein Camp, das die irakischen Flüchtlinge aufnehmen könnte. Die meisten sind in Schulen, Moscheen untergebracht oder in Häusern, die noch nicht fertiggebaut sind. Einige kommen auch bei Verwandten unter. Es ist eine große Herausforderung für uns, die medizinische Versorgung sicherzustellen. Wir wollen verhindern, dass es zur Ausbreitung von Krankheiten kommt.

Frage: Wie werden Sie weiter vorgehen?

Antwort: Wir wollen versuchen, näher an die Hilfsbedürftigen heranzukommen - auch außerhalb der kurdischen Autonomieregion. Wir helfen bereits Flüchtlingen aus Anbar und würden das gerne ausweiten, wenn die Sicherheitslage das zulässt. Im Moment sind wir mit 20 bis 25 internationalen Helfern und rund 200 örtlichen Kräften vor Ort. Wir wollen aber mehr werden. Um dieser Krise zu begegnen, brauchen wir außerdem Hilfsgelder und die Unterstützung internationaler Regierungen.

Ärzte ohne Grenzen

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