03. Juni 2014

Apple frischt seine Betriebssysteme auf

San Francisco (dpa) - Apple geht in die Software-Offensive: Eine Vielzahl neuer Funktionen soll iPhone, iPad und Mac im harten Wettbewerb mit anderen Herstellern attraktiver machen.

OS X Yosemite
Mit «Yosemite» können Nutzer nahtloser zwischen Mac-Computern und mobilen Apple-Geräten wechseln. Foto: John G. Mabanglo
dpa

Außerdem gibt es Plattformen für Fitness-Informationen und zur Steuerung vernetzter Hausgeräte. Die Hoffnung von Apple-Fans und Investoren auf mögliche neue Geräte wie eine Computeruhr oder ein größeres iPhone wurde zum Auftakt der Entwicklerkonferenz WWDC am Montag aber enttäuscht. Die Apple-Aktie legte zum Handelsstart am Dienstag dennoch um rund ein Prozent zu.

Mit dem neuen Betriebssystem iOS 8 für iPhone und iPad macht Apple seine Plattform offener denn je. Apps können erstmals untereinander kommunizieren - das dürfte könnte den Nutzern in einigen Monaten verknüpfte Anwendungen mit deutlichem Mehrwert bringen. App-Entwickler können nun den Fingerabdruck-Sensor im iPhone 5s in ihre Programme einbinden. Außerdem können künftig Einkäufe in Apples Download-Plattform iTunes zwischen bis zu sechs Familienmitgliedern geteilt werden, solange sie mit der selben Kreditkarte registriert sind.

Zu iOS 8 gehört auch die App «Health» als zentrale Verwaltung für Fitness- und Gesundheitsdaten. Sie wird von Experten auch als Baustein für eine von Apple erwartete Computeruhr gesehen. Mit der Plattform HomeKit sollen Software-Entwickler diverse Hausgeräte von Apple-Technik aus steuerbar machen.

Das neues Betriebssystem für Mac-Computer trägt den Namen «Yosemite» wie der Nationalpark in Kalifornien. Unter anderem wurde das Design stärker an das Aussehen der Software auf den iPhones und iPad-Tablets angepasst, wie Apples Software-Chef Craig Federighi demonstrierte.

Außerdem wird man nahtloser zwischen Mac-Computern und mobilen Apple-Geräten wechseln können. So kann man künftig eine E-Mail auf dem Computer anfangen und zum Beispiel auf dem iPad weiterschreiben. Genauso kann man einen Telefonanruf, der auf dem iPhone eingeht, auf seinem Mac entgegennehmen. «Das funktioniert sogar, wenn das iPhone am anderen Ende der Wohnung am Ladegerät ist», sagte Federighi. Die Verknüpfung der beiden Welten ist wichtig: Apple hat rund 80 Millionen Mac-Kunden - dagegen wurden bisher über 800 Millionen mobile Geräte mit iOS verkauft.

Zu weiteren Neuerungen gehört die Online-Festplatte iCloud Drive. Sie steht auch Windows-Nutzern offen, betonte Federighi. Das ist eine klare Ansage, dass Apple sich mit voller Kraft ins Geschäft mit Cloud-Diensten stürzt, in denen Google und Microsoft sehr aktiv sind. Sowohl das Mobilsystem als auch die Mac-Software werden künftig mit einer verbesserten Version des Suchprogramms Spotlight ausgestattet. Damit können die Anwender künftig nicht nur das Gerät durchsuchen, sondern auch das Netz.

Zum Ende der rund zweistündigen Präsentation kündigte Apple eine eigene Programmiersprache mit dem Namen Swift an, die neue Arten von Anwendungen ermöglichen soll und einfacher zu handhaben sei.

Die neuen Plattformen bereiten den Boden für künftige Geräte. Von Apple wird der Vorstoß in neue Gerätekategorien erwartet. Zuletzt war vor vier Jahren das iPad vorgestellt worden, seitdem wurden bestehende Produktklassen verfeinert. Auch deshalb wird der Ruf nach neuen revolutionären Produkten immer lauter. Apple kann sich allerdings mit einem Geldberg von 150 Milliarden Dollar und Jahresgewinnen um die 40 Milliarden Dollar längere Entwicklungszeiten erlauben.

Apple war bemüht um einen lockeren Ton während der rund zwei Stunden langen Präsentation: So ließ sich Federighi in einem Video seine graue Mähne mit einer Kettensäge frisieren.

Cook erlaubte sich einen bissigen Ton gegenüber dem großen Rivalen im Smartphone-Markt. Viele iOS-Nutzer kämen von Android, sagte er. «Sie haben ein Telefon aus Versehen gekauft. Und dann eine bessere Welt gesehen.» Android-Telefone dominieren den Absatz im Smartphone-Markt mit einem Anteil von rund 80 Prozent. Das liegt unter anderem daran, dass viele Telefone in Schwellen- und Entwicklungsländern verkauft werden, wo günstige Geräte gefragt sind.

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