Getreide
Ludwigsburg | 30. Juli 2012

Bauern stellen sich auf Rekorde ein

So eine schnelle Getreideernte hat der Landkreis Ludwigsburg noch nie erlebt. Innerhalb weniger Tage haben die Landwirte Weizen, Gerste und Raps von den Feldern geholt. Noch besser: Nach schwierigen Jahren stimmen Erntemengen und Preise wieder.

Erntemaschine im Kreis im Einsatz: Die Bauern haben diese Saison kräftig Gas gegeben und Getreide im Rekordtempo gedroschen.
Erntemaschine im Kreis im Einsatz: Die Bauern haben diese Saison kräftig Gas gegeben und Getreide im Rekordtempo gedroschen.
Fotos: Ramona Theiss

1.30 Uhr auf einem Getreidefeld im Strohgäu. Riesige Mähdrescher mit 400 Pferdestärken ziehen ihre Runden. Die mächtige Beleuchtung weist den Landwirten den Weg über das Feld. Von weitem sehen sie aus wie Ufos.
In dieser Woche geht alles ganz schnell. Innerhalb von wenigen Tagen holen die Landwirte fast 80 Prozent ihrer Ernte ein. „Das ist ein Phänomen und hat es so noch nie im Landkreis gegeben“, sagt Gerd Mezger von der Landhandelsgesellschaft Baywa mit Niederlassung in Freiberg.
So sieht das auch der Vaihinger Landwirt Eberhard Zucker, der auf rund 30 Hektar Getreide anbaut. „Ich bin so gut wie durch“, sagt der Kreisbauernchef. Er gehört zu den eher kleineren Getreidebauern im Kreis – sein Schwerpunkt ist Wein. „Eigentlich zieht sich die Getreideernte über mehr als zwei Wochen“, sagt er.
Natürlich ist die Hitze die Ursache für den Betrieb auf den Feldern. „Schwimmbadwetter ist Erntewetter“, sagt Zucker. Die wechselhaften Bedingungen in den vergangenen Wochen haben zudem dafür gesorgt, dass jetzt alles auf einen Schlag kommt. Etwas später sind nur die Landwirte im Strohgäu dran. Während zum Beispiel Heimerdingen auf 400 Metern liegt, kommt Vaihingen bloß auf 250 Meter. Dort steht das Getreide schneller.
Trotz der harten Arbeit auf dem Acker ist die Stimmung auf den meisten Höfen im Kreis offensichtlich heiter. „Nach schwierigen Jahren stimmen die Erntemengen und die Preise wieder“, sagt der Fachmann Mezger. „Das tut in diesem Sommer richtig gut.“
Zu den großen Gewinnern der Saison zählt Mezger die Braugerste. Er erwartet zehn Prozent mehr Ertrag oder sechs Tonnen auf den Hektar. „Schon die Aussaat im Frühjahr hat richtig gut geklappt“, sagt Mezger. Dann kam das feuchtkühle Wetter, das der Sommergerste große Körner beschert hätte.
„Zufriedenstellend“ ist die Lage derzeit beim Weizen. „Wir hatten zuerst einige Trockenschäden“, räumt der Vaihinger Kreisbauernchef Eberhard Zucker ein. „Das hat dafür gesorgt, dass die Halme nicht genügend ausgebildet werden konnten.“ Weizen ist für die Landwirte im Kreis wichtig. Kein Korn gelangt so häufig in die Böden hierzulande wie Weizen.
Doch als der Regen einsetzt, geht es auch mit dieser Ackerfrucht aufwärts. Jetzt erwartet der Baywa-Fachmann Mezger leicht überdurchschnittliche Erträge. Sie könnten bei etwa 7,5 Tonnen pro Hektar liegen.
Hinzu kommt: Weizen und Braugerste sind auf dem Weltmarkt beliebt. „Getreide ist derzeit knapp“, sagt er. „Wir erwarten geringere Mengen aus den USA und Russland.“ Also steigen die Preise. Menschen, die es wissen müssen, sagen 15 bis 25 Prozent voraus.
Allerdings gibt es auch in dieser Saison Verlierer. Bauern in Vaihingen, Oberriexingen oder Sachsenheim klagen über kräftige Hagelschäden. Stark unter Druck sind auch die Winterarten geraten. „So langen und späten Frost wie in diesem Jahr gab es schon lange nicht mehr“, sagt Albert Scholpp aus dem Kreishaus.
Zu den Leidtragenden zählt er deshalb auch den Raps. Stengel seien aufgeplatzt, tierische Schädlinge hätten freie Bahn gehabt. Sie heißen Rapsglanzkäfer oder Rapsstengelrüssler und richten großen Schaden an.
Die Quittung ist bis zu 20 Prozent weniger Ertrag. Immerhin: Selten waren die Rapspreise so gut wie in diesem Jahr. Mezger rechnet mit 43 Euro und aufwärts für den Doppelzentner.

Philipp Schneider
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