Ludwigsburg | 21. Juli 2017

Blick auf die Psychologie der Täter

Moritz Rothhaar vom PKC Freudental berichtet über politischen Extremismus in Deutschland

Politischer Extremismus ist eine Gefahr für die Demokratie. Umso wichtiger ist es, dass Menschen dessen Mechanismen und die Beweggründe der Handelnden verstehen. Eine Analyse der derzeitigen Strömungen gab Moritz Rothhaar am Mittwochabend im Pädagogisch-Kulturellen Centrum Ehemalige Synagoge Freudental (PKC).

„Demokratie in Gefahr?!“ hatte Moritz Rothhaar seine Präsentation überschrieben. Er leistet zurzeit sein Freiwilliges Soziales Jahr im Bereich Kultur im PKC Freudental, da er schon früh großes Interesse an der deutsch-israelischen Verständigung hatte. Bereits während seiner Zeit am Friedrich-Schiller-Gymnasium in Marbach nahm er an einem Seminar teil, das sich ein ganzes Schuljahr mit Israel befasste.

Für sein junges Alter zeigt er großes Einfühlungsvermögen für das, was die Welt bewegt, und will zudem die Täter-Psychologie extremer Gruppen durchschauen. Neben seiner Haupttätigkeit im PKC hat er sich mit Extremismus beschäftigt, um die Ergebnisse am Ende des Jahres vorzustellen.

„Wir müssen das Ganze sachlich analysieren und weniger polemisieren“, sagte er im PKC. Extremismus in Deutschland lasse sich in vier Gruppen einteilen: Dazu gehörten der Rechtsradikalismus, der Linksradikalismus, Extremismus ausländischer Gruppen im Inland sowie islamischer Extremismus.

Sie alle, so fand Rothhaar heraus, rekrutierten den Hauptteil ihrer Anhänger aus dem bildungsnahen Mittelstand. Ihre Eltern seien oft liberal bis desinteressiert an ihnen gewesen. Meist sind es Männer um Mitte 30, die eher unauffällig lebten, bis ein schwerer Schicksalsschlag sie heimsuche. „Dann suchen sie neue Wege, um sich mit etwas zu identifizieren“, so Rothhaar.

Er gab zudem immer Beispiele für seine Thesen. So stellte er mit dem rechtsextremen „Dritten Weg“ eine Bewegung vor, die den Nationalsozialismus als Vorbild hat und sich dessen Symbolik bedient. Auf der linken Seite war es die DKP, die 1968 gegründete Nachfolgepartei der KPD, die 1956 verboten wurde. Sie sah sich als bundesdeutsches Gegenstück zur SED in der DDR. „Hätten die Nato und der Warschauer Pakt Krieg geführt, hätte die KPD den Westen sabotiert, um dem Osten zu helfen“, erläuterte der FSJ’ler.

Als Beispiel für eine ausländische Gruppe, die in Deutschland agiert, nannte er die PKK. In der öffentlichen Wahrnehmung werde sie meist mit Terror in der Türkei assoziiert. Allerdings handele es sich dabei um eine sozialistische Arbeiterpartei. In Deutschland falle sie eher durch friedliche, aber gut organisierte Demonstrationen auf. „So rekrutieren sie Anhänger“, meinte Rothhaar.

Für islamischen Terror fand er keine Gruppe, die er konkret vorstellen konnte. Zu sehr agierten Isis und Al-Qaida aus dem Schatten heraus. Es gebe keine erkennbaren Strukturen. Allen gemeinsam seien jedoch das simple Weltbild, die Annahme, dass nur ihre Meinung zähle, und die Stilisierung eines großen Feindbilds, das es zu bekämpfen gebe.

Dennoch, so Rothhaar, sei Deutschland dank seines Wohlstands und schlagkräftiger Verfassungsorgane noch relativ gut gegen Extremismus gewappnet. „Ich denke jedoch, man sollte die Entwicklungen im Auge behalten“, war sein finaler Aufruf an die Besucher.

Tobias Bumm
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