Ludwigsburg | 07. Juni 2017

Das Potential ist größer als gedacht

Gut besuchte Veranstaltung des Sportmedizinischen Arbeitskreises Ludwigsburg im Hörsaal des Klinikums

Die Sportschuhe schnüren, das lohnt sich erst recht nach überstandener schwerer Erkrankung. Foto: LKZ-Archiv
Die Sportschuhe schnüren, das lohnt sich erst recht nach überstandener schwerer Erkrankung. Foto: LKZ-Archiv

Die Publikumsveranstaltung „Sport trotz(t) Krebs", die der Sportmedizinische Arbeitskreis Ludwigsburg jüngst im Hörsaal des Ludwigsburger Klinikums veranstaltete, war ein großer Erfolg. Rund 150 Interessierte waren gekommen, um von Fachleuten zu erfahren, welche Bedeutung regelmäßige Bewegung bei der Prävention und Therapie von Krebserkrankungen hat.

Laut dem Vorsitzenden des Sportmedizinischen Arbeitskreises, dem Ludwigsburger Kardiologen Dr. Dierk-Christian Vogt, steckt in regelmäßiger körperlicher Aktivität ein großes Potenzial, das noch nicht ausreichend genutzt wird.

Das unterstrich auch Dr. Peter Schraube Ärztlicher Direktor der Klinik für Radioonkologie und Strahlentherapie am Klinikum Ludwigsburg. Krebs lässt sich durch Bewegung vorbeugen und sogar heilen, das betonte überdies der Leitende Oberarzt der Klinik für Hämatologie, Onkologie und Palliativmedizin am Stuttgarter Katharinenhospital, Dr. Jan Schleicher. Wie er nach einem Hirntumor wieder fit wurde und dann auch noch den Kilimandscharo bestieg (unsere Zeitung berichtete im Vorfeld), erzählte der Ludwigsburger Sascha Koller in einer multimedialen Lesung. „Zeigen was möglich ist", lautet das Motto von Hubert Seiter vom Krebsverband Baden-Württemberg. Der begeisterte Radfahrer veranstaltete schon mehrmals eine Bäder- und Rehatour für Menschen mit Handicap und berichtete in einem von Lebensfreude und Leistungswillen gespickten Vortrag von diesen durchaus extremen Touren. Vor Ort informierten auch Selbsthilfe- und Sportgruppen aus dem Kreis Ludwigsburg. Schließlich kam mit der Sportwissenschaftlerin Kerstin Zentgraf vom Reha-Team der Sportvereinigung Feuerbach eine Frau aus der Praxis zu Wort. Sie hatte Tipps parat und beantwortete Fragen unserer Zeitung.

Sport trotz Krebs, ist das möglich?

Kerstin Zentgraf: Aus meiner Sicht ein klares Ja. Eine Vielzahl anerkannter wissenschaftlicher Studien belegen dies. Krebspatienten haben durch Sport und Bewegung einen direkten Einfluss, das Risiko eines Rezidivs – also nochmals an Krebs zu erkranken – um bis zu 50 bis 60 Prozent zu reduzieren. Regelmäßige Bewegung steigert die Immunfunktionen, regt die Blutbildung an, erhält die Muskelmasse, verbessert Herz/Kreislauf-Funktionen und wirkt sich somit positiv auf eine Krebserkrankung aus.

Wie schafft man nach überstandener Krankheit den Einstieg?

Ein guter Einstieg ist es, verschiedene Bewegungsangebote während der ambulanten Rehamaßnahme kennenzulernen. Sobald man dann zurück im Alltag ist, sollte eine passende, regelmäßig stattfindende körperliche Aktivität umgesetzt werden. Hier kann ich Reha-Sport „Sport nach Krebs“ empfehlen. Diese Programme werden von Sportvereinen angeboten und sind durch die entsprechenden Dachverbände zertifiziert. Alle gesetzlichen Krankenkassen und die Rentenversicherungen finanzieren die Teilnahme für Krebspatienten.

Wie mache ich es richtig und welche Belastungen sind empfehlenswert?

Empfohlen werden 30 Minuten Ausdauertraining an mindestens fünf Tagen in der Woche. Aber auch schon direkt nach der Diagnose und während der Krebstherapie ist moderate körperliche Aktivität zu empfehlen. Sanfte Bewegungsprogramme können in dieser Phase das Auftreten an therapiebedingten Begleiterscheinungen, wie Polyneuropathien (Nervenschädigungen) , Fatigue (anhaltende Müdigkeit und Erschöpfung) reduzieren und insgesamt die Lebensqualität verbessern.

Gibt es Sportarten, die sich besonders gut eignen?

Aus meiner Sicht ist es wichtig, eine Sportart beziehungsweise eine Bewegungsform zu finden, die Spaß macht. Grundsätzlich sind Ausdauersportarten, wie Walking, Radfahren und Schwimmen zu empfehlen.

Aber auch extremste Belastungen nach einer Krebserkrankung wie Bergsteigen sind möglich. Gute Beispiele sind hier Heidi Sand, die nach überstandener Krebserkrankung den Mount Everest und eben Sascha Koller, der den Kilimandscharo bestieg.

Sport trotzt Krebs: Funktioniert das?

Wichtig bei der Wahl des Sport- beziehungsweise Bewegungsprogramms ist die regelmäßige und angepasste Umsetzung möglichst unter kontrollierten Bedingungen. Außerdem besteht eine Abhängigkeit zur Dosis der Bewegung. Das bedeutet: Je mehr Bewegung, desto höher die Risikoreduktion.

Was sind Ihre Erfahrungen aus Ihrer 20-jährigen Erfahrung mit der Leitung von Krebssportgruppen?

Als Sportwissenschaftlerin verfolge ich die Entwicklung des Themengebiets Sport und Krebs mit großem Interesse.

Leider ist die Botschaft, dass Bewegung eine ebenso positive Wirkung wie ein Krebsmedikament haben kann, noch nicht angekommen. Aktuell kann in wenigen Einzelfällen sogar eine Bewegungstherapie statt einer Chemotherapie empfohlen werden.

von Angelika Baumeister
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