Ludwigsburg | 26. August 2016

Das neue Sportkonzept hat sich bewährt

Frau Uttendorfer, Herr Schober vor einem Jahr haben Sie bei der Spvgg mit KiB begonnen. Damals hatten Sie große Erwartungen, waren aber auch sicher, dass Sie einiges an Überzeugungsarbeit leisten müssen. Schließlich können sich Kinder bei der Spvgg in der Regel jetzt erst ab dem dritten Schuljahr auf eine Sportart spezialisieren. Bis dahin gibt es für alle ein umfassendes Grundlagentraining. Wie fällt Ihr erstes Fazit aus?

Klettern, balancieren oder hüpfen: Klein- und Grundschulkinder sollen bei der Spvgg die sportlichen Grundlagen lernen.
Klettern, balancieren oder hüpfen: Klein- und Grundschulkinder sollen bei der Spvgg die sportlichen Grundlagen lernen.
Foto: Fotolia

Andrea Uttendorfer: Auf jeden Fall sehr positiv – mit Höhen und Tiefen. Vieles musste sich erst einspielen, neue Strukturen mussten sich bilden. Das haben wir jetzt geschafft. Im Moment sind wir eigentlich rundherum zufrieden.

Uwe Schober: Wir haben für unser Projekt viel Lob bekommen und man spürt jetzt, dass der Verein dahinter steht.

Was genau hat sich denn aus Ihrer Sicht durch KiB verbessert?

Uwe Schober: Unser Grundgedanke ist ja: „Wir sind ein Verein“ – und KiB ist davon ein wichtiger Baustein. Der Vereinsgedanke ist noch mehr in den Mittelpunkt gerückt und das ist jetzt auch bei den Übungsleitern angekommen. Bisher hat jeder vor allem auf seine eigene Sparte geschaut, jetzt wird immer mehr über den Abteilungsrand geguckt und an einem gemeinsamen Strang gezogen. Unser Ziel ist schließlich, dass es bei allen Abteilungen und damit im Gesamtverein gut läuft.

Andrea Uttendorfer: Ja, das Abteilungsdenken ist aufgehoben, unsere Übungsleiter schauen jetzt auch auf andere Sparten, treffen sich regelmäßig und tauschen sich untereinander aus. Dann wird zum Beispiel diskutiert: „Was muss eigentlich ein Fünfjähriger können?“ Das bringt die Übungsleiter voran und davon profitieren natürlich in erster Linie die Kinder.

Uwe Schober: Für die Übungsleiter ist jetzt auch ein viel strukturierteres Arbeiten möglich, nach einem ganz klaren Konzept. Es gibt einen roten Faden, was die Kinder in welchem Alter können sollen. Wir sind also auch ein Stück weit professioneller geworden.

Wie haben die Eltern auf das neue Konzept reagiert?

Andrea Uttendorfer: Wir haben viele positive Rückmeldungen von den Eltern bekommen – aber gerade der Übergang zum neuen Konzept war nicht ganz einfach. Wir haben zwar viel informiert, trotzdem waren manche Eltern überrascht, dass sich ihr Kind plötzlich nicht mehr für eine spezielle Sportart entscheiden kann, sondern erst die Grundausbildung absolvieren muss. Deshalb gab es zum Beispiel auch offene Übungsstunden, bei denen die Eltern zuschauen und sich informieren konnten. Das kam sehr gut an.

Einige Diskussionen gab es aber trotzdem: zum Beispiel in der Fußballabteilung, in die die Kinder jetzt erst ab der ersten Klasse wechseln dürfen. Viele Eltern – und zum Teil auch die Übungsleiter – konnten nicht verstehen, warum ein vier- oder fünfjähriges Kind jetzt plötzlich nicht mehr aufgenommen wird. Obwohl das bisher immer möglich war. Hat sich dieser Unmut gelegt?

Uwe Schober: Der Übergang vorigen September mit Beginn der neuen Sportsaison war schwierig. Für die Kinder, die schon in der Fußballabteilung angemeldet waren, galt Bestandsschutz, sie durften natürlich bleiben. Gleichaltrige Freunde haben wir aber nicht mehr neu aufgenommen, sie müssen bis zur ersten Klasse warten – das konnten einige Eltern nicht verstehen. Der überwiegende Teil hat dies aber sofort akzeptiert. Und in diesem Jahr gibt es das Problem ja nicht mehr.

Gab es deswegen Abmeldungen?

Uwe Schober: Da ist mir nichts Konkretes bekannt. Aber wir stellen auch fest: Das neue Konzept ist noch nicht bei allen Eltern angekommen. Immer mal wieder wird auch auf andere Vereine verwiesen, in denen die Kinder schon früher eine Sportart lernen können als bei uns. Es ist also nicht auszuschließen, dass wir ein paar Kinder verlieren. Aber ich bin sicher, und das zeigt auch das Interesse auswärtiger Eltern, dass wir auch neue dazugewinnen werden und die Kinder längerfristig an den Verein binden können.

Noch läuft also nicht alles rund. An welchen Stellen müssen Sie nachjustieren?

Andrea Uttendorfer: Wir müssen die Eltern noch mehr informieren und intensiver mit ihnen kommunizieren, ein Handzettel reicht heute nicht mehr aus.

Und an unseren Ferienangeboten, bei denen wir immer spezielle Sportarten vorstellen, müssen wir noch arbeiten. Diese werden noch nicht ganz so gut angenommen, wie wir es uns wünschen.

Uwe Schober: KiB steht und fällt mit der Beteiligung der Kinder und auch daran müssen wir noch arbeiten. Früher war der Sport ein fester Termin im Kalender, der nicht verschoben wurde. Heute ist die Beteiligung unregelmäßiger – das beobachten wir vor allem vor den Ferien. Das ist für die Übungsleiter und die Kinder schwierig: Fehlt ein Kind oft, kommt es nicht richtig in der Gruppe an und die Übungsfrequenz ist zu gering um Fortschritte zu erzielen. Deshalb müssen wir auch noch mehr auf die Flexibilität unserer KiB-Angebote aufmerksam machen: Sollte ein Kind beispielsweise am Freitag nicht zum Sport kommen können, ist das kein Problem, dann geht es eben in dieser Woche in die entsprechende KiB- Gruppe am Mittwoch. Das ist offenbar vielen Eltern noch nicht bekannt.

Wie geht es jetzt weiter mit KiB?

Andrea Uttendorfer: Wir lassen KiB auch im nächsten Jahr mit kleinen Veränderungen so laufen, dann ziehen wir Bilanz und entscheiden, was wir aus den gewonnenen Erfahrungen machen und wie wir weiter vorgehen. Für mich sieht es zur Zeit danach aus, dass das Projekt weiter fortbestehen wird. Ich bin rundherum zufrieden.

Uwe Schober: Kleinere Änderungen wird es natürlich trotzdem auch im nächsten KiB-Jahr geben. Wir entwickeln uns schließlich immer weiter. So haben wir uns zum Beispiel vorgenommen, den Eltern zukünftig mehr Rückmeldung über die sportlichen Stärken und Schwächen ihrer Kinder zu geben.

Fragen von Christina Kehl
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