Ludwigsburg | 02. Februar 2018

Der Mensch steht im Mittelpunkt

„Ich kann die Welt nicht retten, aber meine Umwelt so gut es geht gestalten“, sagt Dr. Karlin Stark. Beruflich wie privat ist dies der Leitfaden für die 54-jährige Freudentalerin: Als Präsidentin des Landesgesundheitsamtes hat sie das Wohl der gesamten Bevölkerung im Blick, als Gemeinderätin will sie ihren Ort voranbringen. Ein Gespräch über Engagement, Bürgerpflichten und Tage, die zu wenig Stunden haben.

Als Präsidentin des Landesgesundheitsamtes und Freudentaler Gemeinderätin engagiert sich Karlin Stark in vielen Bereichen. Foto: Alfred Drossel
Als Präsidentin des Landesgesundheitsamtes und Freudentaler Gemeinderätin engagiert sich Karlin Stark in vielen Bereichen. Foto: Alfred Drossel

Dr. Karlin Stark ist keine Frau, die lange mit dem Schicksal hadert: „Wenn ich mich für etwas entscheide, gehe ich diesen Weg auch. Nicht rumjammern, einfach machen.“ Diese Grundmaxime trägt sie durchs Leben und damit hat sie es weit gebracht. Seit 2015 leitet die promovierte Ärztin das Landesgesundheitsamt in Stuttgart, ist dabei für rund 170 Mitarbeiter verantwortlich – und hat die Gesundheit der gesamten Bevölkerung im Blick (siehe zweiter Text). Ein vielfältiger Job, den sie mit Herzblut und Engagement ausübt.

Doch ihr Weg an die Spitze des Landesgesundheitsamtes war nicht vorgezeichnet, eigentlich hatte Stark, die seit 2004 in Freudental lebt, eine andere Richtung eingeschlagen. Sie arbeitet als junge Ärztin an der Uniklinik in Ulm, als sie schwanger wird. Doch mit einem Säugling gibt es für sie plötzlich keine Arbeit mehr: „Mein Chef meinte, eine Mutter gehört zu ihrem Kind“, erinnert sich die 54-Jährige. Doch zu Hause zu bleiben ist für sie keine Option – also geht sie mit ihrer kleinen Familie nach England und arbeitet dort zwei Jahre als Ärztin. Zurück in Deutschland, sind die Jobaussichten immer noch nicht besser, und so nimmt Karlin Stark 1994 eine Stelle im öffentlichen Gesundheitsdienst an. „Das war so eigentlich nicht geplant, aber das Leben läuft nun einmal nicht in vorhergesehenen Bahnen“, sagt Stark. Halbe Sachen gibt es bei ihr nicht. Sie bekommt zwei weitere Kinder und steigt immer wieder kurz nach den Geburten in den Beruf ein – Vollzeit und teilweise alleinerziehend. Sechs Jahre ist sie schließlich Amtsleiterin im Gesundheitsamt Heilbronn, bevor sie zur Chefin des Landesgesundheitsamtes wird. Statt den einzelnen kranken Menschen im Blick zu haben, leitet die Ärztin nun eine Behörde und kümmert sich um die Bevölkerungsgesundheit. Ein Bruch oder gar Widerspruch ist das für sie nicht – im Gegenteil, man merkt, wie sehr sie diese Aufgabe erfüllt. Die Arbeit beim Landesgesundheitsamt sei nicht weniger spannend und abwechslungsreich, denn man beschäftige sich jeden Tag mit der Frage: Was kann ich tun, um die Gesundheit der Bevölkerung aufrechtzuerhalten? „Ich bin überzeugt davon, dass wir im Öffentlichen Gesundheitsdienst wichtige und gute Arbeit leisten“, sagt die Medizinerin, die sich selbst als „Herzblut-ÖGDlerin“ bezeichnet – aber auch offene Worte findet, wenn es um die Ausstattung ihrer Behörde geht: Es fehle an Geld und Personal, von der Politik kämen häufig nur Lippenbekenntnisse, kritisiert sie.

Dass es in der Kommunalpolitik in ihrem Heimatort nicht bei Lippenbekenntnissen bleibt, dafür setzt sich Karlin Stark persönlich sein. Seit 2014 sitzt sie für die CDU im Gemeinderat, um sie geworben hatten alle Fraktionen bei der Kommunalwahl. „Ich nutze meine Kontakte und mein Wissen gerne für den Gemeinderat. Wenn ich mich positiv einbringen kann, sollte ich das auch tun“, umschreibt die Freudentalerin ihre Einstellung. Politisches Engagement ist für sie deshalb eine Grundbürgerpflicht. Ernährung, Bewegung und das soziale Miteinander sind für Stark wichtige Themen vor Ort. So beteiligt sich die Kommune beispielsweise auf ihre Initiative hin an zwei Gesundheitsprojekten. „Mein Ziel ist es, dass die Menschen über den Tellerrand schauen und begreifen, dass sie nicht nur für sich selbst verantwortlich sind.“ Für eine Dorfgemeinschaft sei es wichtig, hinzugucken: „Wenn ich sehe, ich kann helfen, sollte ich es einfach tun.“ Das beginne direkt vor der Haustür bei der Nachbarschaftshilfe, nennt die Freudentalerin ein Beispiel. Es sind die Menschen, die sie interessieren, und die Frage: Was treibt andere an?

Bei so viel Engagement hat der Tag definitiv zu wenig Stunden für Karlin Stark: Von 6 bis mindestens 19 Uhr arbeitet sie, dazu kommt die Arbeit für den Gemeinderat und weiteres ehrenamtliches Engagement. So ist die Medizinerin beispielsweise auch im Vorstand des Landes- und Bundesberufsverbandes und übt ein Aufsichtsratsmandat bei einer örtlichen Bank aus, Mitglied ist sie außerdem im Liederkranz. „Wenn ich noch mehr Zeit hätte, würde ich auch noch mehr tun“, sagt Karlin Stark. Es ist diese positive Grundhaltung, die die Freudentalerin auszeichnet; die Fähigkeit, Dinge anzunehmen und das Beste daraus zu machen – denn auch über Umwege kommt man ans Ziel. „Ich empfinde viele Sachen als absolutes Geschenk“, sagt sie selbst und „wir müssen uns immer wieder ins Bewusstsein rufen, wie gut es uns eigentlich geht.“

Dazu gehört aber auch Selbstfürsorge: Zeit für sich haben, abschalten, die Hektik des Alltags abschütteln – das kann die 54-Jährige am besten beim Lesen und Singen. Wichtig sei aber auch ausreichend Bewegung, seit Juli 2015 habe sie deshalb den Aufzug im Landesgesundheitsamt nicht mehr benutzt, gehe die 112 Stufen lieber zu Fuß. „Ich versuche auch andere zu motivieren, aber das klappt nicht immer“, erzählt Stark und lacht.

Christina Kehl
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