Ludwigsburg | 07. August 2018

Ein Backhaus Marke Eigenbau

Manfred Gutbrod und Reinhard Kubens vom Ortsgeschichtlichen Verein haben im Hemminger Etterhof ein Backhaus gebaut. Sie wollen damit eine alte Tradition wiederbeleben.

Manfred Gutbrod (links) und Reinhard Kubens befüllen den Backofen, den sie selbst gebaut haben.Foto: Ramona Theiss
Manfred Gutbrod (links) und Reinhard Kubens befüllen den Backofen, den sie selbst gebaut haben.Foto: Ramona Theiss

„Es ist direkt aus dem Ofen in die Hand gegangen“, sagt Manfred Gutbrod voll Freude über den reißenden Absatz, den die ersten Backwaren aus dem neuen Backhaus des Ortsgeschichtlichen Vereins Hemmingen vor Kurzem fanden. Rund 250 Besucher habe man über den Nachmittag verteilt mit frisch gebackenen Dinette bewirtet, schätzt der Vereinsvorsitzende. Dinette ähneln dem Elsässer Flammkuchen, sind in der Regel aber kleiner. Bereits Stunden vorher mussten die Vereinsmitglieder den Holzbackofen einschüren und dabei auf bis zu 320 Grad hochheizen, damit pünktlich zum Festbeginn um 14 Uhr das Backteam um Christel Raasch und Renate Fahrbach die erste fertige Ladung des herzhaften, schwäbischen Gebäcks den Gästen anbieten konnte. Damit hat der Eigenbau seine erste Bewährungsprobe mit Bravour bestanden.

 

Zwischen dem Etterhof-Gebäude mit seinen ortsgeschichtlichen Räumen und der Scheune steht das Backhaus, das Manfred Gutbrod gemeinsam mit Reinhard Kubens errichtet hat. „Eigentlich ist es mehr ein Backofen mit einem Dach darüber, als ein Backhaus“, meint der Vereinsvorsitzende dazu. Trotzdem gab es für die beiden ehrenamtlichen Baumeister jede Menge zu tun. Eineinhalb Wochen haben sie von morgens früh bis abends spät täglich gemauert. „Der Bau des Ofens hat riesigen Spaß gemacht.“ Dabei habe Kubens als Bauingenieur seine Kenntnisse einbringen können, sagt Gutbrod, der als früherer Lehrer in der Materie auch nicht völlig ahnungslos war. Denn in seinem Garten hatte er zuvor bereits einen Backofen selbst gebaut. „Aber nur einen winzigen.“

 

Doch Gutbrods lange gehegter Traum war es, dass auch der Etterhof einen Backofen bekommt. Nun ist dieser in Erfüllung gegangen. Dabei erhielten Kubens und Gutbrod von Mitarbeitern des örtlichen Bauhofs Unterstützung, indem diese das Betonfundament fertigten. Darüber errichteten Kubens und Gutbrod zunächst einen Sockel aus Abbruchsteinen des einstigen Gasthofs Löwen in Hemmingen. Über den Natursteinen mauerten die beiden dann aus Backsteinen das Gehäuse für den Ofen. Lediglich der Ofen selbst bestehe aus einem gekauften Bausatz. „Der Rest ist alles selbst gemacht“, erklärt Gutbrod nicht ohne Stolz über den Eigenbau, bei dem er und Kubens auch darauf achtete, dass er Patina hat. „Wir haben von einer Abbruchscheune gebrauchte Backsteine besorgt, damit das Backhaus nicht neu aussieht.“ Nur der Edelstahlkamin glänzt und blinkt neu. Denn Vorschrift ist Vorschrift. „Der Bezirksschornsteinfeger hat ihn abgenommen.“ Auch beim Dach war ein Fachmann am Werk. „Ein örtlicher Zimmermeister hat es zu unglaublich günstigen Konditionen gemacht“, berichtet Gutbrod dankbar darüber.

 

Trotzdem hat das Bauwerk, an dem jetzt nur noch eine Dachrinne fehlt, die aber bald noch ergänzt werden soll, den Verein mehrere tausend Euro gekostet. Jetzt sorgten die Mitglieder auch noch für eine zusätzliche Ausstattung mit Regalen und einem alten Spülstein. „Damit es gemütlich aussieht.“ So können sich nicht nur die Vereinsmitglieder beim Backen wohlfühlen.

 

Jeden ersten Freitag im Monat will man die Möglichkeit bieten, gegen Gebühr ihre vorbereiteten Backwaren zum Ausbacken in den Ofen einschießen zu lassen. Auf diesen einmaligen Einsatz im Monat solle der Gebrauch des Backhauses in der Regel auch beschränkt bleiben, sagt Gutbrod. „Denn wir wollen die Nachbarschaft nicht zu sehr strapazieren.“

 

Info: Die öffentlichen Backaktionen finden jeweils am ersten Freitag im Monat von 11 Uhr an statt. Wer Interesse daran hat, sollte sich vorher unter der Telefonnummer (0 71 50) 4 13 61 oder per E-Mail an info@etterhof.de melden.

Luitgard Schaber
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