04. Juli 2014

Ein Grab aus Beton: WM-Spielort Belo Horizonte in Trauer

Belo Horizonte (dpa) - Es ist bedrückend ruhig. Eltern mit ihren kleinen Kindern blicken in gleißendes Licht. Fassungslos. Sie hören die Motoren schwerer Bergungsgeräte und das Rattern der Generatoren von TV-Übertragungswagen.

Zerquetscht
Die tonnenschweren Betonbauteile hatten zwei Lkw, ein Auto und teilweise einen Bus unter sich begraben. Foto: Paulo Fonseca
dpa

Nach fröhlicher WM-Party ist hier jetzt niemandem. Belo Horizonte steht nach dem Einsturz einer Brücke unter Schock, ein ganzes Land trauert um mindestens zwei tote Menschen. Begraben unter Tonnen von Beton.

Was einmal als Brücke über die vielbefahrene Avenida Pedro I gedacht war, ist zu einem Grab geworden. Zwei Laster, ein Auto und ein Bus wurden zerstört. Zerquetscht. Die Stadt hat offiziell drei Tage Trauer angeordnet. An Fußball, an das für kommenden Dienstag geplante WM-Halbfinale, denken - das mag in diesem Moment wohl kaum einer.

Hubschrauber brasilianischer TV-Sender kreisen nur ein paar Minuten, nachdem die Brücke plötzlich und aus noch völlig ungeklärten Gründen eingekracht ist, über der Unglücksstelle. Grausame Bilder flimmern zur Nachmittagszeit über die TV-Geräte.

Menschen mit blutverschmierten Gesichtern werden aus dem Bus gebracht, dessen vorderer Teil von den Betonmassen und Trümmern getroffen wurde. Die Fahrerin ist höchstwahrscheinlich eines der beiden Opfer. Der Bus konnte rund drei Stunden nach dem Einsturz geborgen werden. Die beiden Lkw sowie ein Pkw stecken unter der Last fest. Wie lange die Bergungsarbeiten andauern, ist zunächst unklar.

Unter gleißendem Schweinwerferlicht versuchen sich die Helfer weiter vorzuarbeiten, 19 Verletzte werden geborgen. Längst ist die Sonne in Belo Horizonte, dem «schönen Horizont», untergegangen. Dort, wo sich sonst die Autos Richtung WM-Stadion entlang schlängeln, bewegen sich Rettungsfahrzeuge, Bagger und andere Bergungswagen. Gefühlt steht die Zeit aber still.

Ein schwarz-gelbes Band sperrt den Bereich großräumig ab. Militär und Polizei achten darauf, dass keine Unbefugten zur Unglücksstelle vordringen. In Seitenstraßen interviewen TV-Teams Anwohner und Zeugen des Einsturzes. Bürgermeister Marcio Lacerda macht sich auf den Weg zum Ort des schrecklichen Geschehens - und kann den Betroffenen doch nur sein Mitgefühl ausdrücken.

Wo sonst abends nur wenige Fußgänger zu sehen sind, stehen nun Pärchen, Familien, einzelne Männer und Frauen. Sie wirken tief bedrückt, ihre Gesichter Ausdruck von Trauer und Sorge. «Wir können jetzt alle nur beten», sagt die Angestellte eines Hotels in der Nähe der Unglücksstelle.

Doch für die Trauer bleibt Belo Horizonte nicht viel Zeit. Die WM muss weitergehen, irgendwie. «Die Stadtverwaltung versichert, dass die Sicherheitsmaßnahmen und die Transportvorkehrungen, die für die Austragung des WM-Halbfinals am 8. Juli notwendig sind, getroffen werden», teilt das Rathaus mit. Sachlich, kühl und seltsam unpassend in einem Moment wie diesem.

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