Ludwigsburg | 10. Januar 2017

Eine Sternstunde des Free-Folk

Ludwigsburg. Mit Sarah-Jane Summers und Juhani Silvola gastierte am Donnerstagabend ein so beschwingtes wie poetisches Duo im Hohenecker Kronekeller. In zwei Sets stellten die schottische Geigerin und der finnische Gitarrist 16 Songs ihrer beiden Alben vor. Summers, die eine der letzten Schülerinnen der Highland-Fiddle-Legende Donald Ridell war, entstammt einem alten Musiker-Geschlecht, der „Culloden Waltz“, den sie wie ein Requiem spielen, wurde 1812 von ihrem Vorfahren William Morrison of Culloden veröffentlicht und bezieht sich auf die Schlacht von Culloden am 16. April 1746.

Seit Jahren leben Summers und Silvola, der vom Noise Rock und Black Metal kommt, aber Jazz studiert hat, in Oslo. Beide haben einen Background in der Improv-Szene. Daher rührt wohl die Lebendigkeit ihrer Musik, die im keltischen Ursprung einen Pol findet, in dem sich schottische und skandinavische Folk-Einflüsse treffen. Durch ein Arrangement von Kerzenlichtern abgetrennt, wirkt die Bühne eher wie eine Indoor-Straßenecke, an der Songs wie „Silver Spring Reel“ oder „Widdershins“ – der schottische Ausdruck für eine dissidente Haltung – enthusiastisch gefeiert wurden. Fantastisch ihre Version des Klezmer-Standards „Itzikel“: Aus einer Figur auf der Hardanger-Fiedel entwickeln sie eine Ballade mit der Gravität eines Metallica-Stücks – im Pianissimo! Zugabe der Free-Folk-Sternstunde: „Spike On A Bike“ habe sie mit 18 geschrieben, als sie an einen Freund beim Fahrradfahren dachte, erzählt Summers: „So schnell, so gefährlich – fast wie auf der deutschen Autobahn.“

Harry Schmidt
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