Ludwigsburg | 11. Januar 2017

Er kennt jeden Winkel im Schloss Freudental

Zehn Hektar umfasst der Arbeitsplatz von Thomas Hänsch – das Freudentaler Schloss mit dem Park und seinen zahlreichen Nebengebäuden. „Mir wird es hier nie langweilig“, erzählt der sympathische 60-Jährige beim Rundgang durch das historische Anwesen. Offiziell ist Thomas Hänsch der Hausmeister von Schloss Freudental, wobei es eine richtige Berufsbezeichnung für ihn eigentlich nicht gibt. Er bezeichnet sich lieber als „Allrounder“ oder schlicht „Mädchen für Alles“. Reparieren, Renovieren und Instandsetzen – das sind die eigentlichen Aufgaben von Thomas Hänsch. Aber auch wenn es irgendwo klemmt oder hakt, ist er der richtige Ansprechpartner. Er kennt jeden Winkel im Schloss und weiß, was sich hinter jeder der über 70 Türen befindet. „Wenn ich nicht gefunden werden will, findet mich hier auch niemand“, erzählt der Oberstenfelder und lacht.

Thomas Hänsch mit seinem Hund Jessi im Innenhof des Freudentaler Schlosses.
Thomas Hänsch mit seinem Hund Jessi im Innenhof des Freudentaler Schlosses.
Fotos: Oliver Bürkle
Die Fenster in der Schlossküche müssen aus Brandschutzgründen geschlossen werden.
Die Fenster in der Schlossküche müssen aus Brandschutzgründen geschlossen werden.
Den Tisch hat Thomas Hänsch abgeschliffen und die Wand golden gestrichen.
Den Tisch hat Thomas Hänsch abgeschliffen und die Wand golden gestrichen.

Im Jahr 2009 hat er sich auf die Stelle als Hausmeister bei Schlosseigentümer Rudolf Bayer beworben. Bis dahin kannte er weder Freudental noch das Schloss. Sein erster Eindruck: „Ich war überrascht, als ich das erste Mal hier war. Es schien mir eine interessante Herausforderung zu sein“, formuliert Hänsch diplomatisch. Denn ein wirkliches Schloss war das Anwesen damals nicht mehr. Viele Jahre war hier das Kreisaltenheim untergebracht – und das konnte man an allen Ecken und Enden sehen. Im Laufe der Zeit habe er immer mehr Baustellen entdeckt, die er – natürlich auch mit Unterstützung von Fachfirmen – nach und nach behoben habe.

Das größte Projekt war dabei die Fassade, die der gelernte Maler- und Lackierer alleine gestrichen hat, 1,5 Jahre hat das gedauert. Im Laufe der Zeit hat Thomas Hänsch unter anderem Panäle lackiert, Decken gestrichen, Wände eingerissen, Möbel abgeschliffen und unzählige Glühbirnen ausgetauscht. „Man muss hier sehr flexibel sein und eigentlich alles können“, sagt Hänsch, der sich sehr über das Vertrauen freut, das ihm Schlosseigentümer Rudolf Bayer entgegenbringt.

Klar ist auch: Ausgehen wird ihm die Arbeit wohl niemals. Die Fenster habe er zum Beispiel vor zwei Jahren neu gestrichen, jetzt steht diese Arbeit wieder an. Bei seinen Rundgängen durchs Schloss notiert sich Thomas Hänsch stets was ihm auffällt und was er zu einem späteren Zeitpunkt noch erledigen muss. Leer war diese Liste noch nie. „Ich komme immer wieder gerne hierher, denn es gibt immer wieder neue Herausforderungen“, sagt Hänsch und erzählt von einem Geheimgang, der vom Kesselhaus bis zum Schloss führt. In dem unterirdischen Gang liegen die Versorgungsleitungen, einmal sei er auf allen vieren durchgekrabbelt. Besonders freut sich der Hausmeister, wenn er – oft durch Zufall – originale Zeugnisse aus der langen Schlossgeschichte entdeckt. Zum Beispiel Steine in der Fassade oder Holzkonstruktionen im großen Treppenhaus. Die jahrhundertealten, historischen Funde beeindrucken Thomas Hänsch, erinnern sie ihn doch auch daran, wie sich das Schloss immer wieder verändert hat – und das nicht immer unbedingt zum Positiven. „Es ist schade, wie das Schloss teilweise verbaut wurde“, findet er.

Mittlerweile ist aber vom Charme des Kreisaltenheimes nichts mehr zu spüren – zumindest nicht in den unteren, renovierten Etagen. Mit viel Liebe zum Detail hat Eigentümer Rudolf Bayer das Schloss in den letzten Jahren wieder zum Vorschein gebracht. Thomas Hänsch ist stolz darauf, dass er daran mitgewirkt hat. „Wenn ich sehe, wie sich das Schloss verändert hat, seit ich hier angefangen habe, bin ich sehr zufrieden. Jetzt hat man wieder das Gefühl, durch ein Schloss zu laufen und nicht durch ein Altenheim“, sagt er. Glücklich ist er auch über die vielen positiven Rückmeldungen, die er aus der Bevölkerung bekommt. „Die Leute sehen, was wir in den letzten Jahren geschafft haben“, freut sich Hänsch. Seinen Arbeitsplatz wechseln will er auf keinen Fall mehr. Denn so selbstständig wie im Schloss Freudental könne er nirgends arbeiten.

Christina Kehl
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