03. Oktober 2012

Etwa 50 Tote bei Anschlagserie der Regimegegner in Syrien

Damaskus/Istanbul (dpa) - Die syrischen Aufständischen haben mit Autobomben den Truppen von Präsident Baschar al-Assad schwere Schläge versetzt. Am Mittwoch zündeten sie in den umkämpften Städten Aleppo und Deir as-Saur fünf Autobomben vor Gebäuden der Sicherheitskräfte.

Hausruine
Schwere Verwüstungen nach einer Anschlagsserie auf Regierungstruppen in Aleppo. Foto: Sana
dpa

Die Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter sprach von 48 Toten und etwa 100 Verletzten alleine in Aleppo.

Aus Deir as-Saur, wo eine in einem Kleinlaster versteckte Bombe direkt vor dem Gebäude der sogenannten Behörde für «Politische Sicherheit» explodierte, lagen keine Opferzahlen vor. Bei allen fünf Explosionen seien vor allem Angehörige der Regierungstruppen getötet worden, meldeten Aktivisten.

Die Bomben explodierten weniger als 24 Stunden nach einer Rede von Ministerpräsident Wael al-Halki vor dem Parlament. Darin hatte er einen «nationalen Dialog» mit den gemäßigten Oppositionsparteien ankündigt. Ein Karikaturist der Opposition quittierte die Rede mit einer Zeichnung, die Präsident Assad auf einem Berg von Schädeln stehend zeigt. In seiner Hand hält er ein Schild, auf dem das Wort «Dialog» steht. Einen Termin für den Dialog nannte Al-Haliki nicht. Er war von Assad im August zum Regierungschef ernannt worden, nachdem sein Vorgänger Riad Hidschab zur Opposition übergelaufen war.

Insgesamt sollen am Mittwoch landesweit 101 Menschen getötet worden sein. Am Dienstag hatten die Aktivisten mehr als 200 Tote gezählt, darunter 43 Milizionäre und Angehörige der Sicherheitskräfte.

Die Zahl der syrischen Kriegsflüchtlinge in den Nachbarstaaten hat sich nach UN-Angaben binnen drei Monaten mehr als verdreifacht. In Jordanien, der Türkei, im Libanon und im Irak würden inzwischen mehr als 311 000 Syrer versorgt. Ende Juni seien es 100 000 gewesen, teilte das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) am Dienstag in Genf mit.

Russland warnte erneut vor einem militärischen Eingreifen in Syrien. «Wir rufen insbesondere die Nato und die Länder des Nahen Ostens auf, nicht mit Hilfe von Forderungen etwa nach Pufferzonen oder der Hilfe für Flüchtlinge einen Vorwand für einen Eingriff von außen zu schaffen», sagte Vizeaußenminister Gennadi Gatilow am Dienstag der Agentur Interfax zufolge. «Bomben bringen auf Dauer weniger Erfolg als Diplomatie.»

Das syrische Fernsehen zeigte am Mittwoch Bilder von Leichen und zerstörten Gebäuden im Stadtzentrum von Aleppo. Staatsmedien und die Opposition berichteten übereinstimmend, die ersten drei Sprengsätze seien vor dem Offiziersclub auf dem Saadallah-al-Dschabri-Platz in Aleppo explodiert. Auch ein Hotel, das von der örtlichen Handelkammer genutzt wird, sei in Mitleidenschaft gezogen worden. Eine weitere Autobombe ging den Angaben zufolge in der Nähe des Gebäudes der Handelskammer an der Al-Mutanabbi-Straße in die Luft.

Aktivisten meldeten, in einem Hotel in der Stadt Tartus sei der für seine regimekritische Haltung bekannte Toningenieur Ghanim al-Mir vom Militärgeheimdienst festgenommen worden. In Istanbul demonstrierten etwa 40 Journalisten am Dienstagabend vor dem syrischen Konsulat für die Freilassung des türkischen Kameramannes Cüneyt Ünal und des palästinensischen Reporters Baschar Fahmi. Die beiden Mitarbeiter des TV-Senders Al-Hurra waren im August in Aleppo von Regierungstruppen gefangen genommen worden.

Unterdessen gab es ein erstes Lebenszeichen von einem seit sieben Wochen in Syrien verschollenen US-Journalisten. Im Internet tauchte ein Video auf, das ihn als Gefangenen einer Terrorgruppe zeigt. An der Herkunft des Films gibt es allerdings Zweifel. Austin Tice, der unter anderem für den Medienkonzern McClatchy aus Syrien berichtete, war im Umland von Damaskus verschwunden. Es wird vermutet, dass er in der Gewalt der staatlichen Sicherheitskräfte ist.

Eine Extremistenorganisation, die sich Al-Nusra Front nennt, veröffentlichte am Mittwoch auf Islamisten-Websites Bilder, auf denen ihren Angaben nach zu sehen ist, wie ein Mitglied der Front in Aleppo 20 gefesselte Soldaten erschießt.

McClatchy-Bericht über US-Journalist

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