02. März 2013

Experte: Bio kann Lebensmittelskandale nicht ganz verhindern

Hannover (dpa) - Verschimmelter Mais ist als gefährliches Tierfutter auf tausenden Höfen in Niedersachsen gelandet. Sind Verbraucher bei Bio-Produkten sicherer vor solchen Problemen? Nicht grundsätzlich, sagt ein Fachmann.

Mischfutter für Milchkühe
Milchkühe in Niedersachsen haben verschimmelten Mais im Mischfutter gefressen. Foto: Daniel Reinhardt
dpa

Öko-Produkte wie Bio-Milch bieten nach Expertenmeinung nur bedingt mehr Schutz vor Lebensmittelskandalen. «Ich denke, dass man vielleicht eine größere Zahl von Kontrollen hat im Bereich der ökologischen Produktion, dass aber Vorfälle auch bei Bio-Produkten nicht verhindert werden können», sagte Prof. Michael Kühne von der niedersächsischen Kontrollbehörde Laves der Deutschen Presse-Agentur in Hannover. Derzeit versuchen die Behörden zu klären, welches Risiko von giftigem Tierfutter ausgeht. Hunderte Milchhöfe wurden wegen des Futters gesperrt.

Nach ersten Erkenntnissen sind Bio-Betriebe von dem Skandal um verseuchtes Tierfutter aus Serbien nicht betroffen. «Der Mais war nicht bio-zertifiziert», sagte ein Sprecher des Hamburger Unternehmens, die verschimmelte Ware importiert hatte, der «taz.die tageszeitung».

Für die Herstellung von Bio-Produkten gelten andere Regeln als bei der herkömmlichen Agrarindustrie. So unterliegen beispielsweise schon die Futtermittel für Bio-Tiere anderen Vorgaben. «Kontrollen gibt es mehr, das sicher», sagte Laves-Experte Kühne. Die Wahrscheinlichkeit, dass Probleme schneller offensichtlich werden, «ist also möglicherweise größer». Die Öko-Produktion sei aber nicht grundsätzlich weniger anfällig.

Kühne warnte vor Panik. So seien die bisher entdeckten Werte in dem verschimmelten und damit giftigem Futter viel zu gering, als dass daraus über den Umweg der Kuh am Ende in einer Milchtüte eine Krebsgefahr für die Verbraucher entstehe. Die menschliche Leber sei imstande, die bisher entdeckten Werte gefahrlos abzubauen.

«Nur wenn das länger geht, ist irgendwann diese Kapazität erschöpft und dann kommt es auch zu Veränderungen der Leber. Erst zu Verfettungen und dann eben auch zu Veränderungen, die bis zum Tumor gehen können», sagte Kühne, der die Untersuchungseinrichtungen im Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) leitet. Entwarnung dürfe indes niemand geben, bevor die Untersuchungen Klarheit geschaffen haben. «Die Stoffe sind giftig, ganz klar.»

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