Ludwigsburg | 18. August 2017

Fantasie und der Ernst des Lebens

Die Kinderspielstadt Ditziput findet zum 21. Mal statt. Auf dem Gelände der Heimerdinger Grundschule arbeiten Kinder in allen möglichen Berufen. Dabei lernen sie fürs Leben.

Wenn Besucher Ditziput betreten wollen, müssen sie an einer Stadtführung teilnehmen. Eines der bei der Stadtinformation angestellten Kinder macht mit den Teilnehmern einen Rundgang. Es geht unter anderem vorbei an Kunstwerkstätten, einem Casino, einem Wellnesssalon, Cafés und einem Kino. Sogar ein Reisebüro und einen Radiosender gibt es in Ditziput. Und überall arbeiten Kinder: Sie basteln, backen, servieren, beraten, tippen, verarzten – und haben Spaß dabei. „Es ist richtig super hier“, findet der zehnjährige Jonas. Er arbeitet zurzeit als Stadtführer, hat davor aber schon viele andere Berufe ausprobiert. Am besten habe es ihm gefallen, in der Bar Eiskaba zu servieren.

In der themenorientierten Spielstadt Ditziput können Kinder für zwei Wochen ihre Ferien verbringen. Sie findet dieses Jahr zum 21. Mal auf dem Gelände der Heimerdinger Grundschule statt und steht unter dem Motto „Von Einhörnern, Elfen und magischen Orten“. 278 Kinder von sieben bis zwölf Jahren nehmen an dieser Ferienbetreuung teil, darunter auch einige Kinder des familienentlastenden Diensts. Die jungen Bürger der Spielstadt können alle möglichen Berufe ausprobieren, bei der Auswahl hilft das Arbeitsamt. Mindestens zwei Stunden am Tag müssen sie jedoch arbeiten, damit ihre Versorgung gesichert ist. In Ditziput gibt es nämlich wie im echten Leben nichts umsonst: Essen und Trinken müssen die Kinder von ihrem verdienten Geld, den Diros, selbst kaufen.

„Mir gefällt, dass Ditziput eine elternfreie Zone ist und wir lernen, wie es im Erwachsenenleben ist“, sagt Jonas. Und genau das ist auch das Ziel der Spielstadt: „Die Kinder sollen ein Verständnis für ihre getroffenen Entscheidungen entwickeln“, sagt Sozialarbeiter Roger König. Er ist einer der Gründer von Ditziput und leitet es zusammen mit Thomas Hartlieb und Beate Wagner. Die Kinder müssten mit den Folgen ihrer Entscheidungen umgehen, zum Beispiel bei der Wahl des Bürgermeisters oder wenn wegen zu wenig Arbeit das Geld knapp wird. Außerdem treten handwerkliche Arbeiten wie basteln und werken wieder mehr in den Vordergrund, so entsteht zum Beispiel passend zum diesjährigen Motto ein riesiger Drache. „Die Grundkenntnisse in diesen Bereichen fehlen. Wie viele Kinder können noch mit Werkzeugen umgehen? Das bringt ihnen in der Schule oder Familie niemand mehr bei“, sagt Roger König. Zudem könnten die Kinder eine Vielfalt an Tätigkeiten erleben, denen sie im Alltag nicht begegnen. Beim Radio lernen sie zum Beispiel den Umgang mit einem Mischpult. Und die achtjährige Tabea erstellt am Computer ein Rätsel für die Ditziput-Zeitung. „Es macht Spaß und ich komme gern her, weil ich meine Freunde sehe“, sagt sie.

In den kommenden Jahren steht die beliebte Spielstadt allerdings vor einigen Herausforderungen. In den nächsten Sommerferien wird voraussichtlich die Grundschule umgebaut, wodurch der Spielstadt weniger Platz zur Verfügung steht. Außerdem werde es immer schwerer, Betreuer zu finden, sagt Thomas Hartlieb. Diese würden zur Organisation und zum Aufbau, vor allem aber zur Gruppenleitung gebraucht. Auch dieses Jahr seien viele Freiwillige kurzfristig abgesprungen, obwohl Ditziput sowieso ein sehr aufwendiges Projekt sei. „Wer vorbeikommt und die paar Zelte hier stehen sieht, weiß nicht, wie viel Arbeit da drin steckt“, so Roger König. Spätestens in fünf Jahren müsste Ditziput außerdem eine weitere Hürde überwinden, ergänzt er. „Mehr Menschen werden nach Ditzingen ziehen, so dass mehr Kinder eine Ferienbetreuung brauchen“, sagt Roger König. Es würde sich nicht vermeiden lassen, die Spielstadt zu vergrößern.

von celine lika
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