Ludwigsburg | 09. August 2016

Fleischer aus Überzeugung

Möglingen. „Man sollte Kreativität und Freude am Beruf mitbringen. Dann stehen alle Türen offen“. Andreas Brosi ist Fleischer aus Überzeugung. Er ist erst 21 Jahre alt, hat aber bereits seine Meisterprüfung abgelegt und eine Fortbildung als Ernährungsfachmann absolviert.

Andreas Brosi bei einer typischen Arbeit als Metzger, dem Zerlegen von Fleisch.
Andreas Brosi bei einer typischen Arbeit als Metzger, dem Zerlegen von Fleisch.
Fotos: Benjamin Stollenberg
Wurst und Fleisch kann man bei der Metzgerei Brosi neuerdings auch unabhängig von den Öffnungszeiten aus dem Automaten kaufen.
Wurst und Fleisch kann man bei der Metzgerei Brosi neuerdings auch unabhängig von den Öffnungszeiten aus dem Automaten kaufen.

Mit seiner Berufswahl pflegt er eine Familientradition: Sein Vater Werner Brosi ist Inhaber einer Landmetzgerei in Möglingen mit eigener Landwirtschaft mit Schweinehaltung. „Ich bin mit diesem Beruf groß geworden, nichtsdestotrotz können auch Jugendliche, die vorher nichts mit dem Fleischerhandwerk zu tun hatten, etwas damit anfangen“, ist er überzeugt.

Das Klischee von dem Fleischer mit gestreifter Jacke und Metzgerbeil trifft nach Meinung von Brosi längst nicht mehr zu. „Der Wandel geht von den Kunden aus“, sagt Brosi im Gespräch. Die meisten wollen küchenfertige Sachen, die sie nur noch in den Backofen schieben oder zu Ende braten müssen. Insofern bietet der Beruf des Metzgers aber auch des Fleischereifachverkäufers für jeden etwas.

Mitarbeiter, die einfach nur anpacken wollen, werden ebenso benötigt, wie die Kreativen, die gerne Platten mit Speisen anrichten oder sich im Bereich Convenience Food (bequemes Essen) engagieren wollen. „Jeder Metzger ist froh über einen Berufsanfänger, der Interesse am Beruf zeigt. In welche Richtung dieser geht, kann er selbst entscheiden“, so Brosi, der seine Gesellenprüfung als Bester im Kammerbezirk abgelegt hat und Vize-Landessieger geworden ist.

Weil viele Fleischer altersbedingt in den nächsten Jahren ihren Betrieb aufgeben werden, sieht er gute Chancen für eine selbstständige Tätigkeit. „Mit gutem Essen kann man viel Freude bereiten“, zeichnet er einen weiteren Weg auf, den er auch im elterlichen Betrieb im Jahr 2013 eingeschlagen hat: Partyservice. Die Samstagsarbeit sei schnell vergessen, wenn die zufriedenen Kunden einige Tage später das Equipment zurückbringen und von den Speisen schwärmen, so der junge Metzgermeister. Den Einsatz am Wochenende gleicht er durch Freizeit an anderen Tagen aus, so dass ihm neben seinem Job Zeit für Freundin, Fußball, Feuerwehr und Familie bleiben. „Wer Metzger werden will, der muss nicht mehr das Schlachten lernen“, betont er. „Wir lassen unsere Tiere in Hemmingen schlachten“, so Brosi, der selbst jedoch über eine entsprechende Qualifikation verfügt. Nicht geeignet ist der Beruf für Menschen, die sich vor rohem Fleisch ekeln oder Vegetarier sind.

Beruf frei ausgewählt

Dafür hat jeder Metzger die Freiheit, eigene Sachen auszuprobieren und seinen Produkten eine individuelle Note zu geben. „Jeder Fleischer hat eine Vorliebe für bestimmte Gewürze“, so Brosi. Er selbst ist während der Woche in der Produktion tätig, steht am Wochenende jedoch selbst im eigenen Hofladen und kommt auf diese Weise mit den Kunden ins Gespräch. Viele möchten gerne beraten werden und Näheres über die angebotenen Produkte erfahren, aber auch deren Zubereitungsmöglichkeiten. In diesem Punkt sind sowohl Fleischer als auch Fleischerfachverkäufer die richtigen Ansprechpartner.

„Mein Vater hat bei der Berufswahl keinen Druck ausgeübt“, erinnert sich der junge Handwerksmeister. Nach dem Besuch der Realschule in Markgröningen habe zunächst zur Debatte gestanden, auf das Gymnasium zu wechseln oder eine Ausbildung als Koch zu machen. Schließlich fiel die Entscheidung für den Beruf des Metzgers.

Regionalität ist Andreas Brosi ein großes Anliegen. Das Futter für die Schweine wächst auf den eigenen Feldern. Auch der Weg zum Schlachthof nach Hemmingen ist kurz und nachvollziehbar. In den nächsten Jahren will er unter dem Motto „Aus der Region – für die Region“ weiter für diesen Gedanken werben. Als selbstständiger Metzgermeister stehen ihm für dieses Ziel alle Türen offen. So steht seit einigen Tagen ein Automat auf dem Hof, an dem die Kunden rund um die Uhr Wurst- und Fleischwaren kaufen können.

Marion Blum
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