22. September 2013

Forschungsgruppe: Union verdankt Erfolg Merkels Ansehen

Berlin (dpa) - Die Union hat ihren Erfolg bei der Bundestagswahl nach einer ersten Analyse der Forschungsgruppe Wahlen vor allem dem hohen Ansehen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu verdanken. Merkel habe das beste Kanzler-Image seit 1990, als Helmut Kohl an der Spitze der Regierung stand.

Merkel nach der Stimmabgabe
Angela Merkel war bei dieser Wahl der Erfolgsgarant für die CDU/CSU. Foto: Kay Nietfeld/dpa
dpa

Die Wertschätzung sei lagerübergreifend, schrieben die Wahlforscher. 80 Prozent attestierten der Kanzlerin demnach gute Arbeit, nur 17 Prozent bewerteten ihre Leistung als schlecht.

Auf einer Skala von minus 5 bis plus 5 erzielt die Kanzlerin demnach einen Ansehenswert von 2,1. SPD-Kandidat Peer Steinbrück kommt dagegen nur auf 0,7. Merkel liegt deutlich vorn, wenn es um die Euro-Krise und die Jobsicherheit sowie Sympathie und Durchsetzungskraft geht.

Gleichzeitig steigt die Bedeutung der Spitzenkandidaten: 34 Prozent aller Befragten gaben an, ihnen sei wichtiger, wer Kanzler wird, und nicht, welche Parteien nach der Wahl zusammen regieren. 2009 sagten das erst 28 Prozent, 2005 nur 19 Prozent der Befragten.

Die CDU/CSU konnte zudem davon profitieren, dass die Deutschen das Land trotz der Euro-Krise klar besser aufgestellt sehen als 2009. 68 Prozent sehen in dem wirtschaftlichen Umfeld viel Zukunftspotenzial. Bei Wirtschaft, Jobs und Euro-Krisenpolitik halten die Wähler die Union für die kompetenteste Partei.

Den dramatischen Absturz der FDP begründet die Forschungsgruppe mit historischen Imageeinbußen der Partei. Im Kabinett habe es eine «Zweiklassengesellschaft» gegeben: Während die Regierungsarbeit der Union mit 1,3 klar positiv bewertet wird, steht die FDP mit minus 0,7 in den Augen der Befragten viel schlechter da. Entsprechend sank das Ansehen der FDP auf den Wert von minus 0,9. 2009 war er noch plus 0,6.

Die Grünen büßten bei den Befragten ebenfalls an Ansehen ein, sie fielen von 0,6 auf 0,3. Die Linke stagniert bei minus 1,4 (2009: minus 1,5). Auch die Anti-Euro-Partei «Alternative für Deutschland» (AfD) hat kein gutes Image, sie liegt bei minus 1,4. Die meisten AfD-Wähler setzten ihr Kreuz für die junge Partei der Analyse zufolge vor allem aus Frust über die etablierten Parteien (67 Prozent). Nur 14 Prozent wählten die AfD wegen politischer Inhalte.

Die SPD konnte beim Ansehen von 1,0 im Jahr 2009 auf 1,3 zulegen, die Union steigerte sich von 1,2 auf 1,8. Die beiden Volksparteien CDU und SPD verbesserten nicht nur ihr Image, sondern konnten erstmals seit einem halben Jahrhundert beide zulegen. Die Forschungsgruppe spricht von einer «Renaissance der Volksparteien».

Wer hat wie gewählt? Vor allem auf die Generation der über 60-Jährigen konnten CDU und CSU zählen, in dieser großen Wählergruppe erreichten sie 49 Prozent Zustimmung. Von den älteren Frauen wählten sogar 53 Prozent die Union. Bei den unter 30-Jährigen kam sie dagegen nur auf 35 Prozent.

Auch zwischen Stadt und Land sind die Unterschiede im Wahlverhalten deutlich: CDU und CSU schnitten in Großstädten mit 33 Prozent vergleichsweise schwach ab, während die SPD mit 31 und Linke und Grüne mit je 11 Prozent dort überrepräsentiert sind. Die Grünen sind besonders stark unter Hochschulabsolventen (14 Prozent), die Linken bei Arbeitslosen (21 Prozent). Bei Wählern ohne Job kann mit 7 Prozent auch die AfD punkten. Außerdem entscheiden sich vor allem Männer für sie: 6 Prozent unterstützen die AfD, bei den Frauen waren es nur 3 Prozent.

Forschungsgruppe

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