04. Juni 2012

Fragen und Antworten: Anleger im Krisenmodus

Frankfurt/Main (dpa) - Die Schuldenkrise ist mit voller Wucht zurück an den Börsen: Noch im März hatten die Anleger nach dem gelungenen Schuldenschnitt für Griechenland das Thema abgehakt - doch inzwischen geht es wieder abwärts. Erstmals seit fünf Monaten rutscht der Dax zeitweise wieder unter die Marke von 6000 Punkten.

Warum sind die Börsen so nervös ?

«Schwache US-Wirtschaftsdaten sowie die Abkühlung der Wirtschaft in China gesellen sich zur eskalierenden Schuldenkrise in Europa», beschreibt ein Marktbeobachter die Mischung, die die Börsen in Unruhe versetzt. Spanien steckt in einer massiven Finanz- und Bankenkrise, Portugal muss Geldhäuser mit staatlichen Mitteln stützen und die Spekulationen um einen Grexit - einen Austritt des Griechenlands aus dem gemeinsamen Währungsraum - reißen nicht ab. Die Commerzbank geht angesichts der wiederaufgeflammten Schuldenkrise davon aus, dass sich die Wirtschaft im Euro-Raum in den kommenden Monaten noch schwächer entwickeln wird als zunächst erwartet.

Warum sinken die Ölpreise ?

Die Ölpreise haben seit Anfang Mai um rund 20 Prozent nachgegeben. Eine schwache globale Konjunktur senkt die Nachfrage nach Öl und Ölprodukten.

Warum fällt auch der deutsche Leitindex Dax kräftig, obwohl es der Wirtschaft hierzulande gut geht?

Die Entwicklung an den Börsen wirkt manchmal etwas irrational. Das hängt aber damit zusammen, dass der Blick an den Aktienmärkten immer in die Zukunft gerichtet ist. Eine Exportnation wie Deutschland kann sich von den globalen konjunkturellen Entwicklungen nicht abkoppeln.

Würde es helfen, wenn die EZB die Geldschleusen weiter öffnet?

In der Vergangenheit stellte die EZB klammen Banken billig Milliarden zur Verfügung, um ein Austrocknen der Geldflusses zu verhindern und die Konjunktur anzukurbeln. Die Institute hatten ihre Kreditvergabe im Schlussquartal 2011 so stark gedrosselt wie seit der Lehman-Pleite nicht mehr. Eine weitere EZB-Geldspritze könnte die Lage kurzfristig entspannen. Beobachter rechnen allerdings damit, dass die EZB ihr Pulver zunächst trocken hält und den Ausgang der Griechenland-Wahl am 17. Juni und den EU-Gipfel Ende des Monats abwartet.

Sollte die EZB die Zinsen weiter senken?

Europäische Ökonomen plädieren angesichts einer drohenden Rezession im Euro-Raum für Zinssenkungen. Niedrige Zinsen verbilligen Kredite. Das erhöht die Investitionsneigung von Unternehmen und die Konsumfreude der Verbraucher - und kann so die Konjunktur ankurbeln. Zugleich befeuern niedrige Zinsen aber die Inflation.

Was kann die Europäische Zentralbank noch tun?

Denkbar wäre auch, dass die Währungshüter erneut Geld in die Hand nehmen, um Anleihen kriselnder Euroländer aufzukaufen. Das würde den angeschlagenen Staaten helfen, die sich nur noch relativ teuer frisches Geld besorgen können und letztlich auch das dortige Bankensystem stabilisieren. Während Deutschland so günstig wie nie Geld bei Anlegern einsammeln kann, muss etwa Spanien immer höhere Zinsen bieten, um neue Bonds am Markt unterzubringen. Das erschwert den Sparkurs solcher Länder. Letztlich kann die EZB die Krise allein jedoch nicht lösen.

Wie geht es weiter?

In diesen hochnervösen Zeiten sind Prognosen naturgemäß sehr schwierig. Bereits vermeintlich kleinere Nachrichten können die Märkte kräftig durcheinanderwirbeln. Das gilt nicht nur für Unternehmensnachrichten, die angesichts der zu Ende gegangenen Bilanzsaison in den kommenden Woche spärlicher werden dürften. Auch Reaktionen der Märkte auf politische Nachrichten sind weiter an der Tagesordnung. Doch wie in so vielen Fällen gibt es auch hier eine alte Börsenregel: «Politische Börsen haben kurze Beine».

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