03. Mai 2012

Frankreichs Medien: Sarkozy verpasst seine Chance

Paris (dpa) - Nicolas Sarkozy hat seinen Herausforderer François Hollande im großen TV-Duell nicht entscheidend schwächen können. In der Redeschlacht vier Tage vor der Stichwahl um die französische Präsidentschaft blieben der konservative Amtsinhaber und sein in Umfragen führender sozialistischer Rivale auf Augenhöhe.

TV-Duell in Frankreich
Das erste und einzige direkte Duell der französischen Präsidentschaftskandidaten war von Anfang an durch einen offensiven Ton geprägt. Foto: Patrick Kovarik/POOL MAXPPP OUT
dpa

«Hollande bleibt Favorit nach der Debatte», urteilte die Zeitung «Le Monde» am Donnerstag. In den französischen Medien herrschte der Tenor vor, dass Sarkozy seinen Herausforderer bei der äußerst aggressiv geführten Fernsehdebatte nicht in die Ecke drängen konnte.

Der im Popularitätstief steckende Sarkozy hatte am Mittwochabend versucht, seinen Kontrahenten zu provozieren und bloßzustellen, um Wechselwähler auf seine Seite zu ziehen. Fast jeder dritte Franzose verfolgte das einzige direkte Rede-Duell der beiden Kontrahenten. Vor der Stichwahl um das Präsidentenamt am Sonntag warf der Amtsinhaber dem Sozialisten Hollande vor, keine Konzepte für die notwendige Sparpolitik vorweisen zu können und von Europapolitik keine Ahnung zu haben. Hollande konterte mit Hinweisen auf die aus seiner Sicht miserable Regierungsbilanz Sarkozys und die hohen Arbeitslosenzahlen.

Meinungsforscher hatten Hollande am Mittwoch vor dem TV-Duell bei 53,5 bis 54 Prozent gesehen, Sarkozy bei nur 46 bis 46,5 Prozent. Etliche Wähler hatten sich aber noch als unentschlossen bezeichnet.

Mit Spannung wurde am Donnerstagabend nur noch eine Stellungnahme des Zentrumspolitikers François Bayrou erwartet. Der 60-Jährige war in der ersten Wahlrunde am 22. April mit einem Stimmanteil von rund neun Prozent ausgeschieden und hatte seinen Anhängern bislang keine Wahlempfehlung für die zweite Runde am Sonntag gegeben.

Die rechtsextreme Populistin Marine Le Pen erklärt Sarkozy bereits für gescheitert. «Er hat die Wahl schon seit langem verloren», sagte sie in einem Interview des TV-Nachrichtensenders BFM. Die Regierungspartei UMP werde zerfallen.

Le Pen hatte in der ersten Wahlrunde als Nummer drei knapp 18 Prozent der Stimmen erhalten. Ihre Anhänger könnten für Sarkozy eine wichtige Rolle spielen. Er hatte sie im TV-Duell explizit angesprochen und um Unterstützung geworben. Le Pen betonte, Hollande habe mit seinem Auftritt überrascht und viele seiner Kritiker Lügen gestraft. «Er hat seine Rolle ausgefüllt.»

Hollande zeigte sich am Donnerstag im Rundfunksender France Inter zufrieden mit seiner Leistung. Mit Blick auf die Stichwahl am Sonntag warnte er, dass es zu früh für Jubel sei. «Mir ist klar, dass noch nichts entschieden ist. Es gibt noch Unbekannte bei dieser Wahl.»

Auch Sarkozy setzt auf eine Mobilisierung in letzter Minute und erwartet eine außergewöhnlich hohe Wahlbeteiligung. Im RTL-Interview erklärte er, der Wahlausgang dürfte extrem knapp ausfallen. «Ich denke, dass ich gewinnen kann. Aber wenn die Franzosen anders entscheiden, wird das dann (für mich) ein anderes Leben bedeuten.»

Das TV-Duell verfolgten insgesamt 17,8 Millionen Franzosen. Der unter Berufung auf das Institut Médiamétrie vom TV-Nachrichtensender BFM verbreitete Wert liegt unter der Zuschauerzahl der TV-Debatte vor fünf Jahren. 2007 hatten 20,4 Zuschauer verfolgt, wie die damaligen Kandidaten Sarkozy und seine sozialistische Herausforderin Ségolène Royal stritten. Royal war Hollandes langjährige Lebensgefährtin. Gemeinsam haben sie vier Kinder.

Internetauftritt Sarkozy

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Französische Botschaft zur Präsidentenwahl

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